DreyEicher Grenzweg

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Stein No 29

Die Säkularisierung und Mediatisierung im Rhein-Main-Gebiet

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Als diese Steine 1763 gesetzt wurden, bestand die politische Landschaft um Frankfurt aus einem bunten Flickenteppich unabhängiger Kleinstaaten. Das Fürstentum Ysenburg mit den Residenzen in Offenbach und Birstein, die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und die Reichsstadt Frankfurt hatten hier an der Gehspitz den gemeinsamen Berührungspunkt ihrer Grenzen. Weiter südöstlich erstreckte sich am Gundhof das Gebiet der Mainzer Erzbischöfe, die auch weite Teile des heutigen Ostkreises Offenbach beherrschten. Heusenstamm mit dem Gravenbruchwald war im Besitz der Herren von Schönborn; dazwischen befand sich der Wildhof im Deutschherrenwald, der dem Deutschen Orden gehörte. Rumpenheim lag im Territorium der Landgrafschaft Hessen-Kassel, Messel in dem der Familie von Groschlag und Messenhausen in dem der Familie von Frankenstein.

Im Friedensschluss von Lunéville im Jahr 1801 konnte die französische Revolutionsregierung ihre militärisch durchgesetzte Ausdehnung des Landes bis hin zum Rhein staatsrechtlich absichern. Den Fürsten des Heiligen Römischen Reiches gingen dabei ihre linksrheinischen Gebiete verloren. Im Gegenzug wurden sie im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 mit säkularisiertem kirchlichem Besitz entschädigt. Dem Fürstentum Isenburg und der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt gelang es dabei, die kirchlichen Gebiete im heutigen Ostkreis Offenbach unter ihre Kontrolle zu bringen.

Unter dem Druck des französischen Kaisers Napoleon traten 1806 Isenburg und das zum Großherzogtum erhobene Hessen-Darmstadt dem französisch beherrschten Rheinbund bei, was zu weiteren Gebietsvergrößerungen führte. Die Herrschaft Heusenstamm z. B. wurde zugunsten des Fürstentums Isenburg mediatisiert, d.h. sie verlor ihre staatliche Eigenständigkeit. 1810 bestand die Landkarte des Rhein-Main-Gebietes aus dem Großherzogtum Hessen, dem Fürstentum Isenburg, dem Großherzogtum Frankfurt sowie dem Herzogtum Nassau.

Nach der militärischen Niederlage Frankreichs und der territorialen Neuordnung Europas im Wiener Kongress 1815/16 waren die Karten neu gemischt: Jetzt wurde auch das Fürstentum Isenburg mediatisiert, dessen Amt Offenbach dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen. Die Darmstädter erhielten dazu noch ein von Napoleons Herrschaft befreites linksrheinisches Gebiet. Frankfurt wurde Freie Stadt, das Königreich Bayern stieß bis zur Mainlinie vor. Das Gebiet nördlich des Mains gehörte jetzt zum Kurfürstentum Hessen-Kassel, das verkürzt auch als Kurhessen bezeichnet wurde.

1866 wurden Frankfurt und Kurhessen von Preußen besetzt und in dessen Staatsgebiet integriert. Das Großherzogtum Hessen blieb auch im 1871 gegründeten Deutschen Reich ein souveränes Territorium. Es verlor diesen Status erst nach dem Ersten Weltkrieg 1918.


Text: Wilhelm Ott, Sprecherin: Kim Bagus, Intro: Ulrich Fogel

Literatur: A. Kurt, Stadt und Kreis Offenbach in der Geschichte, 1989

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