Steine in der Dreieich
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Straßensteine


In diesem Kapitel wollen wir uns mit Meilensteinen, steinernen "Ruhen", historischen und auch modernen Kilometersteinen beschäftigen. Bei den Meilensteinen wollen wir die Landschaft Dreieich etwas erweitern, denn in Gemeinden in der Nachbarschaft stehen einige besonders schöne Exemplare, die man in diesem Kontext nicht unterschlagen sollte. -->Hier geht es zu den Ruhen und  --> hier direkt zu den Kilometersteinen

Langen/Wolfsgarten

Wolfsgarten1Wolfsgarten2Diese beiden historischen "Stundensteine" stehen südlich und nördlich des Haupthauses der Schlossanlage Wolfsgarten. Auf dem südlichen Stein steht: "Nach / Darmstadt / 4 Stunden". Die Entfernung zum Darmstädter Schloss beträgt ca. 20 km, 5 km pro Stunde war offensichtlich die Durchschnittsgeschwindigkeit. Der nördliche Stein ist unbeschriftet. Beide Säulen sind aus hellem Sandstein und nicht farblich grundiert.

UTM: --> 32 U 474088 5536448 und -->32 U 474047 5536517

Mitteldicker AlleeDieser unbeschriftete Meilenstein steht auf der Westseite der Mitteldicker Allee nur wenig nördlich von Wolfsgarten, ca. 100 Meter nördlich der Kreuzung mit der Burgschneise. Es handelt sich um eine 140 cm hohe konische Säule aus hellem Sandstein mit einer 7 cm hohen, flachen Spitze. Sie steht auf einem 24 cm aus dem Boden herausstehenden Sockel mit einem Umfang von 165 cm. Der Umfang der Säule beträgt unten 145 cm und oben 132 cm. Dieser Meilenstein wurde kürzlich unter Denkmalschutz gestellt. Interessant ist, dass er 625 Meter vom Schloss Wolfsgarten entfernt steht. Nach Lütkemann soll nach 3125 (= 5 x 625) Meter ein weiterer Meilenstein mit der Aufschrift "STRELLENHARD" stehen.
Literatur: Lütkemann (2), UTM: --> 32 U 473919 5537100


MS WaldseeDieser Meilenstein aus hellem Sandstein steht in der Tat ca. 3100 Meter weiter nördlich an der Mitteldicker Allee. Er ist in alten Messtischblättern als "Denkm." bezeichnet. Herr Bork von der Firma Sehring hat mich zu seinem Standort ca. 20 Meter südlich des Fußgängertunnels unter der Betriebsstraße geführt. Er steht einige Meter östlich der Mitteldicker Allee im Wald und ist trotz seiner Größe leicht zu übersehen (er galt als verschollen). Er ist 105 cm hoch, besitzt ebenfalls eine 7 cm hohe konische Spitze. Der Fuß ragt ca. 17 cm aus dem Boden heraus. Der Umfang beträgt unten 142,5 cm und oben 128,5 cm.  Der Fuß hat einen Umfang von 157,5 cm. Er ist am Korpus beschädigt (Einschussloch?), einige Graffiti, inklusive "Strellen Hard" sind zu sehen. Er ist leicht nach Norden geneigt. Ein Stahlseil ist um den Fuß geschlungen. Die oben genannte "Maßeinheit" von 625 m entspricht 1/12 einer Postmeile (7500 m), die 1821 im Großherzogtum eingeführt wurde. Eine Meile wäre danach mit 12 Meilensteinen bestückt worden sein (bzw. 13, wenn man den ersten und letzten Stein mitzählt).
Literatur: Baeumerth (3), Grein (2), UTM: --> 32 U 473208 5540171



Langen, StraßenmeistereiAn der alten B 3 südlich von Langen vor der Einfahrt zur ehemaligen Straßenmeisterei steht links in einer kleinen Grünanlage ein weiterer Meilenstein, auf den mich Herr Reinhold Werner aufmerksam machte. Er besteht aus rotem Sandstein,
dessen Oberfläche nur grob geglättet ist. Im oberen Teil sieht man eine rechteckige flächige Vertiefung (19x31) mit zwei untereinander liegenden Löchern. Hier war wahrscheinlich ein Schild angebracht. Der Fuß ist 17 cm hoch, der Korpus 144 cm und die konische Spitze 8 cm. Der Fußumfang misst 178,5 cm, der untere Umfang des Korpus  154,5 cm und der obere Umfang 142,5 cm.

MeilensteinIn der Publikation von Baeumerth (3) wird von einem verschwundenen Meilenstein berichtet, der östlich des Straßengrabens der B 46 etwa nördlich der Kreuzung mit der Ernsten Schneise gestanden hat. Er war weiß gestrichen und zeigte auf der der Straße zugewandten Seite die Aufschrift "Neu-Isenburg" und darunter das Wappen der Stadt. Zwei Löcher deuten auf ein Metallschild hin, das mit Holzdübeln am Stein befestigt war. Ein Vergleich des obigen Bildes mit der Abbildung aus der Publikation (Abb. 30, links oben) belegt eindeutig, dass es sich um den gleichen Meilenstein handelt. Die Farbe (oder die Spachtelmasse) wurde allerdings unsachgemäß, offensichtlich mit einem Meißel, entfernt. Neu-Isenburg kann wohl keine Restitutionsansprüche stellen, da der Stein auf dem Gebiet der Sprendlinger Gemarkung stand. Der Stein ist auch in Lit. Riebeling (2) beschrieben und abgebildet. Anmerkung 5/2015: Der Stein soll im Zug der Neugestaltng des Areals (neuer Bauhof) näher an die Darmstädter Straße gestellt werden. UTM:  -->32 U 476928 5536299, UTM Originalstandplatz: -->32 U 479480 5543330


EinzelheckschneiseDieser kleinere, 76 cm hohe Meilenstein steht an der Kreuzung der Einzelheckschneise mit der Lange Feldschneise im Langener Wald westlich der Siedlung Neurott. Er wurde aus Rotliegendem gehauen. Er ist konisch rund und sein Durchmesser beträgt unten 35 cm und oben 20 cm. Am abgerundeten Kopf ist eine umlaufende Einkerbung zu sehen. Die Oberfläche ist angewittert, auf der Ostseite ist sie flächig abgeplatzt.
Ich hätte diesen Meilenstein eher an der Mitteldicker Allee vermutet, als an dieser unbedeutenden Waldschneisenkreuzung. Es wird wohl nicht mehr feststellbar sein, wo dieser Stein ursprünglich stand.
--> 32 U 474282 5538299

Nachtrag 1/2013: Herr Reinhold Werner machte mich darauf aufmerksam, dass es sich wahrscheinlich um ein Relikt des "Waldparks Langenfeld" handelt, der in den 1970er Jahren vom Langener Verkehrs- und Verschönerungsverein initiiert, aber zwischenzeitlich aufgelassen wurde.


Zeppelinheim


ZeppelimnheimDieser Stein steht auf der Ostseite der vierspurig ausgebauten B 44 zwischen Zeppelinheim und dem Gehspitzkreisel (Autobahnauffahrt Frankfurt Süd). Es handelt sich um eine weiß bemalte konische Säule mit flacher Spitze und einem erkennbaren Fuß.
Die Beschriftung ist teilweise abgeblättert: "Zeppelinheim / nach / Frankfurt" / Wappen von Zeppelinheim (darin "9,0 km"). Der Fuß steht 6 cm aus dem Boden, der Korpus ist 144 cm hoch, sein Umfang beträgt unten 154,5 cm, oben 137 cm, die Spitze ist ca. 8 cm hoch. Unter der Farbe sind eingemeißelte / eingeritzte Buchstaben zu erkennen (alte Graffiti). Dies ist der von Grein genannte grundierte "Weiße Stein". Es dürfte sich bei diesem Meilenstein um einen aus der Serie handeln, die an der Mitteldicker Allee gestanden haben. Nähere Informationen über die Geschichte dieses Steines liegen mir nicht vor. Der Stein wurde 2008 renoviert (OP Online 2.8.08), leider blättert die Farbe bereits wieder ab. 
Nachtrag 3/2013: Nach einem Bericht der OP Online wurde der Meilenstein im Auftrag der Stadt Neu-Isenburg erneut renoviert. Der Steinmetz Axel Kaufmann hat die Inschrift und das Zeppelinheimer Gemeindewappen in den Stein eingraviert. Er wurde 4/2013 wieder aufgestellt. Anmerkung: Dies erfolgte jedoch ohne Zustimmung der
Denkmalschutzbehörde, sodass dieser Meilenstein aus der Denkmalschutzliste gestrichen wurde!
UTM: --> 32 U 473704 5543461


Mörfelden

MönchsbruchText Stundenstein MönchsbruchDieser Stundenstein steht unübersehbar in der Anlage an der Südwestecke des Jagdschlosses Mönchbruch zwischen Mörfelden und Rüsselsheim. Es handelt sich um eine 137 cm hohe, hell grundierte konische Säule mit flacher Spitze aus hellem Sandstein. Der Fuß steckt unter der Erdoberfläche. Der Umfang der Säule beträgt unten ca. 149 cm und oben 132 cm. Die Beschriftung ist etwas komplex, aber dann doch verständlich. Auf der anderen Seite befinden sich das Wappen von Mörfelden sowie die Information, dass der Stein 1999 (?) von H. Siegel (?) und K. Koban renoviert worden ist.  Mehr zu --> Karl Koban. UTM: 32 U 464719 5536240                                                         
       
MörfeldenEbenfalls auf der Nordseite der Straße von Mörfelden nach Rüsselsheim ca. 200 Meter westlich der letzten Ampelanlage (Mörfelder Schwimmbad) steht dieser Meilenstein. Es handelt sich ebenfalls um eine hell grundierte konische Säule aus hellem Sandstein. Der konische Korpus (143 cm hoch) steht auf einem 50 cm hohen runden Fuß. Die flach konische Spitze ist ca. 10 cm hoch. Der Umfang des Fußes beträgt 182 cm, der des Korpus unten 161 cm und oben 143 cm. Oben ist das Wappen von Mörfelden zu sehen, darunter: "Wolfsgarten / Std. 2 / Mönchbruch". Mönchbruch ist 2,5 km und Wolfsgarten 8,2 km von dem Stein entfernt. Die Aufschrift "Std. 2" ergibt keinen rechten Sinn für einen Meilen- bzw. Stundenstein an dieser Stelle.
UTM: 32 U 467202 5535765

In der Nähe des Jagdschlosses Mönchsbruch steht am Gundweg ein weiterer Stein, der mit einem historischen Meilenstein verwechselt werden kann. Lesen Sie -->hier darüber mehr.

Straßenstein MönchsbruchalleeDer dritte Meilenstein bei Mörfelden steht an dem westlichen Rand des "Mönchbruchpfades", der von der Mönchbruchsmühle Richtung Groß-Gerau führt, ca. 200 Meter nördlich der Brücke über den Apfelbach. Die Säule misst vom Fuß bis zum oberen Rand 104 cm, die kegelförmige Spitze ist 8 cm hoch. Der obere Umfang beträgt 127 cm, der untere 141 cm. Der Fuß ist nur auf der Westseite zu erkennen. Er ist ebenso wie der Korpus auf der Ostseite beschädigt. Er besteht aus hellem Sandstein, der ungrundiert und unbeschriftet ist. Die Graffitti sind nicht zu entziffern. UTM: 32 U 464222 5533391




Götzenhain

Neuhof
Auf dem Neuhof stehen eine Reihe großer konischer Steine mit kubischem Fuß als Begrenzungssteine für Einfahrten und zur Abgrenzung von Parkplätzen. Ob es sich um historische Meilensteine handelt, ist mir (noch) nicht bekannt. Ich werde an dieser Stelle berichten.

Anmerkung: Es handelt sich nicht um historische Meilensteine, sondern um rezente - aber trotzdem sehr schöne - Sandsteinpoller (Info: C.S.).




Messel

Kilometerstein Messel Urberach
An der Straße von Messel nach Urberach steht am Waldeingang an der nördlichen Straßenseite der links abgebildete Meilenstein. --> GIS. Er steht auf dem Grenzweg und markiert somit die Grenze zwischen Messel und Urberach. Auf beiden Seiten sind die Wappen der angrenzenden Gemeinden angebracht (bedruckte Aluminiumplatten, ca 28 cm breit und 30 cm hoch). Dieser Stein ist im Vergleich zu den anderen hier gezeigten auffällig kurz, vermutlich ist er irgendwann zerbrochen und mit einer neuen konischen Spitze versehen worden. Der braun angestrichene Fuß ragt ca. 25 cm aus dem Boden heraus. Der Korpus ist 63 cm hoch, die Spitze ca. 8 cm. Der Umfang des Korpus beträgt unten 139 cm, oben nur 133 cm. Der Stein ist demnach leicht konisch. Er ist aus hellem Sandstein gefertigt, aber mit weißer Farbe überpinselt. UTM: --> 32 U 482502 5532912

Kilometerstein Messel EpperthausenDen links abgebildeten Stein findet man an der Straße von Messel nach Eppertshausen auf der nördlichen Straßenseite, dort wo die Straße aus den Wiesen in den Wald hineinführt. Er markiert die Grenze zwischen beiden Gemeinden; bzw. die ehemalige Grenze zwischen den Landkreisen Darmstadt und Dieburg. Auch er ist mit den Wappenbildern beider Gemeinden versehen. Die Maße konnte ich wegen der Sumpfwiese nicht erfassen. Es ist zu vermuten, dass beide Steine die gleichen Maße hatten und zur gleichen Zeit gefertigt und aufgestellt wurden. Da die Straßen von Messel nach Urberach und Epperthausen erst um 1890 - 1905 ausgebaut worden sind, dürften die Steine ebenfalls aus dieser Periode stammen. UTM: 32 U 485122 5532224

Weitere, entferntere Standorte

GeinsheimBeschriftungZwischen Geinsheim und Wallerstädten, westlich von Groß-Gerau, steht ein weiterer Meilenstein, wie wir ihn aus der Dreieich kennen. Er ist sicherlich umgesetzt worden, denn der Fuß, der normalerweise in der Erde steckt, ist hier vollständig sichtbar. Der Stein aus rotem Sandstein steht auf einer 60 x 56 cm großen Grundplatte. Der dickere Fuß ist 44 cm hoch, darüber folgt die Säule mit 143 cm. Der flachkonische obere Abschluss ist ca. 10 cm hoch. Der Zustand der Säule ist schlecht. Der Fuß ist gerissen und z. T. abgeplatzt. Der Säulenkörper ist auf der Südwestseite beschädigt, als ob auf ihn geschossen worden wäre. Die Oberfläche ist großflächig abgeplatzt. Auf der der Straße abgewandten Seite (!) ist eine Beschriftung undeutlich zu erkennen: ..n.heim.. / ..stadt 20 km / .. Gerau .. km (Geinsheim, Darmstadt, Groß-Gerau).

Am südlichen Ortsausgang von Gadernheim im Odenwald habe ich einen (unbeschrifteten) Meilenstein gesehen, der gut in die oben beschriebene Serie passt. Interessant war die Beschriftung einer Informationstafel: "Es handelt sich ... um einen alten Meilenstein der Provinzstraßen des Großherzogtums Hessen-Darmstadt. Der Rundsockelstein wurde 1843 ... errichtet. ... Im Großherzogtum Hessen-Darmstadt wurde 1843 in Klafter (ca. 1,90 m) und Meile (=4.000 Klafter, ca. 7.600 m) gemessen. Die Entfernung betrug  demnach 4 Meilen nach Darmstadt. ..."
Dies ist m.E. nicht ganz korrekt: 1818 (oder 1821) wurde die Meile mit 7500 m definiert. Ein Klafter müsste demnach genau  1,875 m betragen.


Literatur zu Meilensteinen: Baeumerth (3)


Ruhen in der Dreieich

Ruhesteine oder "Ruhen" (bzw. Napoleonsbänke) entlang der Straßen und Wege sind heute selten geworden. In Sprendlingen stehen die einzigen Ruhesteine im Dreieichgebiet. Sie stammen aus der Zeit, in der die Marktfrauen die  Erzeugnisse, die sie in Nachbarorten verkauften, in schweren Körben auf dem Kopf transportierten. Die oberen Querbalken der Ruhen dienten zum Absetzen dieser Traglasten. Nach der Rast auf den unteren Querbalken konnten die Körbe ohne fremde Hilfe wieder mit dem Kopf aufgenommen werden. Es konnten mehrere Körbe oben abgestellt werden, da die Frauen meist in Gruppen zu den Märkten gingen. Die Napoleonsbänke sollen unter Napoleon von der damaligen Regierungskommission aufgestellt worden sein, "um das Vertrauen des Hessischen Volkes zu gewinnen" (Langener Anzeiger vom 26.5.1939).  --> Hier können sie einen Link zu Informationen über Napoleonsbänke in der Pfalz öffnen, in denen auch unsere Ruhen beschrieben werden.

Ruhe Frankfurter StraßeDiese Ruhe steht auf der östlichen Seite der Frankfurter Straße etwas nördlich der Einfahrt zur Wohnstadt Hirschsprung. Früher stand sie weiter südlich an der Frankfurter Straße, damals noch außerhalb der Ortslage (andere Information: auf der gegenüberliegenden Straßenseite). Sie wurde 1967 beim Ausbau der B 3 in die Parkanlage am Hirschsprung versetzt.  Zwischen die beiden hohen Pfosten wurde 1969 eine Sandsteinplatte eingesetzt. Auf der Vorderseite dieser Platte ist eine Bronzetafel angebracht, welche die Bezeichnung "Hirschsprung" erläutert. Auf der von vandalistischen Zeitgenossen leider verschmierten Rückseite der Platte wird die Funktion einer "Ruhe" beschrieben: "Dieser Stein diente in früherer Zeit als Ruhebank und zum Abstellen von Kiepen und Körben. 1967". Auf dem oberen Querbalken steht auf der Rückseite "Aufgestellt 1967 vom Verkehrsverein der Stadt Sprendlingen e.V." (alle Inschriften versal). UTM: --> 32 U 478163 5542543 Literatur: Weber

Ruhe Offenbacher StaßeDie jetzt auf der Ostseite der Offenbacher Straße (--> GIS) stehende Ruhe hat eine bewegte Historie: Sie stand bis in die 1960er Jahre an der Westseite der Offenbacher Straße in Sprendlingen, wo sie durch Straßenbaumaßnahmen gefährdet war. Sie wurde daraufhin im Jahr 1970 an den Parkplatz an der B 3 zwischen Sprendlingen und Langen versetzt. Dort stand sie inmitten von Lastwagen und vermüllten Abfallkörben, bis sie auf Initiative der "Freunde Sprendlingens" an den jetzigen Standort versetzt wurde. Eine gute Entscheidung. Hier können Detailbilder aufgerufen werden: --> Verzapfung    --> Inschrift: Es sind "1736" und einige Namensgraffiti zu erkennen. Diese Jahreszahl passt natürlich nicht zu der Erklärung, dass diese Ruhen unter Napoleon aufgestellt worden sind. Ich habe keine Erklärung für diesen Widerspruch.
Nachtrag 5/2014: Herr Miller machte mich darauf aufmerksam, dass es sich bei der Inschrift sich wohl nicht um "1736", sondern um "1835" handelt. Die Bögen von der "8" seien noch gut zu erkennen. Dem Steinmetz sei wohl das Gravurwerkzeug ausgerutscht. Herr Miller hat natürlich Recht. Herzlichen Dank für den Hinweis. So klärt sich einiges.
UTM: -->32 U 478639 5541628  Literatur: Weber, Nies


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Kilometersteine in der Dreieich


römischer MeilensteinBereits die alten Römer benutzten im Rhein-Main Gebiet quader- oder säulenförmige Steine, die in regelmäßigen Abständen voneinander standen, als Weg- und Entfernungsmarkierungen. Links ist eine Kopie eines römischen Meilensteins zu sehen, die der Regionalpark auf der Bulau (am "Keltenzug" -->GIS) aufgestellt hat. Das Original wurde in der Nähe von Dieburg gefunden. Noch bis nach dem Dreißigjährigen Krieg waren die Straßen in unserem Gebiet in einem sehr schlechten Zustand, sie bestanden oft aus verschiedenen, mehr oder weniger dicht zusammenliegenden Fahrspuren. Wenn es damals so etwas wie Wegemarkierungen oder Steine mit Entfernungsangaben gab, dann müssten sie an den Territorialgrenzen gestanden haben. Erst später wurden Stundensteine, wie einer z.B. am Jagdschloss Mönchbruch steht, gesetzt.

MönchsbruchBetrachten wir uns nochmals die Grenzveränderungen in unserem Gebiet: Der Schlag bei Bayerseich markierte seit dem Mittelalter die Grenze zwischen der Katzenelnbogener (später Hessen-Darmstädtischen) Herrschaft und den verschiedenen Regenten des Dreieichgebietes. Wenn überhaupt, müsste hier ein entsprechender Stein gestanden haben. Um 1600 kamen Langen und Egelsbach unter Hessen-Darmstädtische Hoheit. Die Territorialgrenze zu den Isenburg-Birsteinern verlief um diese Zeit nördlich von Langen, auf der Höhe des Wohnhochhauses am Krankenhaus. Die Nordgrenze des Isenburg-Büdinger Gebietes zur Reichstadt Frankfurt hin verlief auf der Höhe der heutigen Friedensstraße im jetzigen Neu-Isenburg (südlich der Straßenbahnendstation). 1816 wurde das Isenburgische Territorium in das Gebiet des Großherzogtums Hessen eingegliedert. Die Grenze zur Reichsstadt Frankfurt (und ab 1866 zum Staat Preußen) blieb unverändert. 1871 entstand das Deutsche Reich. Das Großherzogtum wurde 1919 durch den Volkstaat Hessen abgelöst. 1945 wurde Preußen aufgelöst und dann das Bundesland Hessen gegründet.

Wir wissen nicht, ob es neben den oben genannten Stunden- oder Meilensteinen vor dem 19. Jahrhundert weitere Straßensteine gab; es ist zumindest wahrscheinlich, dass entsprechende Steine an den Territorialgrenzen standen. Zwischen 1780 und 1812 wurde die Straße zwischen Darmstadt und Frankfurt neu trassiert (zwischen Sprendlingen und Langen um 1793). Die neue Chaussee wurde sicherlich mit Meilensteinen bestückt. Die Straße verlief über drei Territorien. Es ist zu vermuten, dass  jede Herrschaft eigene Meilensteine aufstellte.

1817 wurde im Großherzogtum Hessen ein neues Maßsystem beschlossen und 1821 eingeführt. Es definierte bestehende Einheiten auf Basis des metrischen Systems (z.B. 1 Fuß = 25 cm). Eine Postmeile entsprach jetzt 7500 m.  Das Großherzogtum war ein ordentlicher Staat; es ist zu vermuten, dass die Meilensteine entweder neu oder umgesetzt wurden (s. Abschnitt oben über die Distanz der Meilensteine auf der Mitteldicker Allee). 1872 wurde das metrische System (Meter und Kilometer) in Deutschland eingeführt. Konsequenterweise sprach man jetzt nicht mehr von Meilen-, sondern von Kilometersteinen. Diese mussten allerdings nochmals neu- oder umgesetzt werden. In der Folge bestückte man alle übergeordneten Straßen systematisch mit Kilometersteinen, um Distanzen messen und bestimmte Straßenpositionen lokalisieren zu können. Bei der Kilometrierung stellt sich die Frage, wo der Stein mit der Nummer "0" steht. Hier wieder ein Beispiel der Straße Darmstadt - Frankfurt:

15er KM SteinDazu werfen wir einen Blick in alte Messtischblätter. In den Exemplaren von 1936 und 1963 ist auf übergeordneten Straßen die Lage der Kilometersteine eingezeichnet. Der Stein mit der Nummer 15, der am Parkplatz an der B 3 (alt) zwischen Sprendlingen und Langen stand (und jetzt vor dem Dreieich-Museum steht), ist ca. 15 km von Darmstadt entfernt. Eine Nachmessung ergab, dass sich der "Nullpunkt" auf dem Louisenplatz befindet. Man kann auf den Karten aufsteigende Nummerierung der Kilometersteine bis nach Neu-Isenburg erkennen. Der nächste Stein auf Frankfurter (ehemals preußischem) Territorium hat die Nummer 5, gefolgt von der Nummer 4. Wahrscheinlich ist das ehemaligen Friedberger Tor der Bezugspunkt der Frankfurter Kilometrierung. Jeder Staat des Deutschen Reiches hatte offensichtlich andere Regeln. Aus dem Ganzen kann auch gefolgert werden, dass zumindest bis 1963 die Kilometersteine Teil des offiziellen Instrumentariums der Straßenverwaltungen war. In den 1970er Jahren wurde das Kilometersteinsystem durch ein anderes ersetzt, mit der Folge, dass die historischen Kilometersteine überflüssig und häufig entfernt wurden.

StationszeichenBeim Ausbau der B3 zwischen Sprendlingen und Langen in den 1960er Jahren wurde eine unfallträchtige Kurve entschärft. Plötzlich betrug die Entfernung zwischen dem Kilometersteinen 15 und 14 nicht mehr genau 1000 m sondern vielleicht nur noch 993 m. Theoretischerweise hätte man ab dem Stein 14 alle darauf folgender Steine versetzen müssen, was natürlich zu aufwändig gewesen wäre. Daher hat man ein neues System der Kilometrierung eingeführt. Jeder kennt die "Käse-Ecken" mit kryptischen Zahlenkombinationen am Straßenrand, nur wenige kennen jedoch deren Bedeutung. Hier eine kurze Erläuterung: Jeder Einmündungs- oder Kreuzungspunkt von übergeordneten Straßen ist ein sogenannter "Netzknoten". Alle Netzknoten eines Messtischblattes (TK 25) werden eindeutig mit einer dreistelligen Nummer gekennzeichnet. Der Straßenabschnitt östlich bzw. nördlich (?) eines bestimmten Netzknotens bis zu dem nächsten Netzknoten erhält dessen Nummer als Abschnittsnummer. Alle übergeordneten Straßen sind demnach in Abschnitte eingeteilt. Alle 200 Meter ab einem Netzknoten wird ein "Stationszeichen" (das "Käse-Eck" oder "Dreieckprisma") aufgestellt. Die Beschriftung in der Abbildung links bedeutet, dass es sich um den Abschnitt 078 zwischen dem Knotenpunkt 078 des Messtischblattes 5918 (Neu-Isenburg), der Kreuzung Darmstädter Straße und Hainer Chaussee, und dem Knotenpunkt 038E des Messtischblattes 6018 (Langen) handelt. Das Zeichen steht 400 m von dem Knotenpunkt 078 entfernt. Lit. Riebeling (2). Für detailliertere Informationen sehen Sie --> hier eine Netzknotenkarte des Dreieichgebietes und --> hier ein Infoblatt von Hessen Mobil / Straßen- und Verkehrsmanagement.

OD SteinDer Anfang der Ortsdurchfahrten ist besonders gekennzeichnet: Häufig sieht man einen weißen quaderförmigen Betonstein (32 x 14 cm) mit der Aufschrift "OD". Diese "OD-Steine" sind in unserem Gebiet offensichtlich nicht mehr relevant, da am Beginn und Ende einer Ortsdurchfahrt meist ein Stationszeichen mit der Aufschrift "OD" steht (Bild rechts: Südliche Ortseinfahrt Sprendlingen). Zwischen Dreieichenhain und Götzenhain steht am Hainer Weg ein OD-Stein ohne Stationszeichen, der wahrscheinlich keine offizielle Funktion mehr hat, da er innerhalb eines geschlossenen Baugebietes steht. Weiterhin gibt es OD-Stationszeichen ohne einen "OD-Stein".

Die Kilometerstein - Tour durch die Dreieich

Um die Kilometersteine in unserer Heimat kennenzulernen, unternehmen wir eine virtuelle Rundfahrt durch das Dreieichgebiet. Sie können dafür --> eine KML-Datei herunterladen, die sich in Google Earth öffnet. Darin erkennen Sie den Standort aller weiter unten beschriebenen Kilometersteine. Die meisten dieser Steine wurden übrigens von Frau Clara Hartmann entdeckt. Ich möchte ihr an dieser Stelle herzlich danken, auch für die intensive inhaltliche Diskussion. Wir starten unsere Fahrt an der südlichen Kreisgrenze bei Bayerseich und fahren die B 3 Richtung Norden. Wie bereits erwähnt, beginnt die Kilometrierung der Chaussee von Darmstadt nach Frankfurt am "Langen Ludwig" in Darmstadt. Der Stein Nr. 5 ist in Arheilgen noch zu sehen. Die meisten historischen Kilometersteine sind außerorts allerdings bei den Verbreiterungen der Straßen verschwunden, so auch zwischen Bayerseich und Langen.

Egelsbach 12,6Egelsbach 12,2 kmWenn wir nach Egelsbach hineinfahren, finden wir vor dem Haus Bahnstraße 24 einen runden Kilometerstein mit halbkugelförmigem Kopf (Durchmesser 20 cm). Die Inschrift ist  "12,6". Wenn man auf der Karte nachmisst, steht dieser Stein genau 1600 m vom damaligen Standort des Kilometersteins Nr. 11 an der B 3 (alt) entfernt. Wir fahren zurück und entdecken gegenüber dem Haus Bahnstraße 81 einen Betonstein mit quadratischer Grundfläche (15 x 15 cm)  mit der eingelassenen Inschrift "12/2" auf den Seiten (= km 12,2). Interessanterweise ist am Standort des Kilometersteins 12,0 vor dem Haus Ernst-Ludwig-Straße 25 ein Schild mit der Aufschrift "km 12,0". Dies bedeutet, dass - ähnlich wie in Sprendlingen - die von der Straße Darmstadt - Frankfurt abzweigenden Straßen in der Weise kilometriert wurden, dass auch dort die Entfernung zur Darmstädter Stadtkirche angezeigt wird. Nachtrag 8/13: Clara Hartmann machte mich darauf aufmerksam, dass  vor dem Haus Ostendstraße 20 (direkt an der Ecke) der Stumpf eines abgebrochenen Kilometersteins aus Sandstein zu finden ist. Er ist 600 m von dem oben erwähnten Schild entfernt; er wäre demzufolge mit 11,4 gekennzeichnet gewesen. 

Wir fahren weiter Richtung Langen. Wenn man die Straße vor der Feuerwehr rechts hineinfährt, kann man den oben beschriebenen Meilenstein anschauen, der früher nördlich von Sprendlingen an der Offenbacher Straße stand und dann vor der (jetzt aufgegebenen) Straßenmeisterei aufgestellt wurde.

Langen Darmstädter Str. 4612,8Den nächste Kilometerstein auf unserer Tour finden wir nach dem Ortseingang von Langen rechts hinter der Kreuzung mit der Südlichen Ringstraße vor dem Haus Darmstädter Straße 48. Er hat ebenfalls einen Durchmesser von 20 cm. Er schaute nur ca. 15 cm aus dem Boden (Abb. rechts), bis er im April 2016 von den Kommunalen Betrieben Langens angehoben wurde (Abb. links). Wie zu erwarten, trug er die Inschrift 12,8. Er steht genau 800 m nördlich der Stelle auf der in einem alten Messtischblatt der Kilometerstein 12,0 eingetragen war.

Kilometerstein 13,0Der Kopf des  Steins mit der Inschrift 13,0 lag lange Zeit im Keller des Alten Rathauses. Er wurde am 23.10.2015 mit Hilfe der Kommunalen Betriebe Langens einige Meter nördlich des ursprünglichen Standplatzes (Darmstädter Streße 26) wieder aufgestellt. Im Rahmen des Langener Kilometerstein- Spaziergangs wurde er einen Tag später der Öffentlichkeit vorgestellt. Lesen Sie --> hier einen Langen, neben SparkasseArtikel aus Op-Online oder FNP-online. Der nächste Kilometerstein am Originalplatz steht ganz versteckt in einer Mauer eingelassen nördlich des Gebäudes der Langener Sparkasse (nach der Straßenkurve an der Stadtkirche). Eine Beschriftung ist nicht zu erkennen; er steht in 800 m Entfernung zu dem oben erwähnten Stein. Konsequenterweise müsste er die Aufschrift 13,6 tragen. Ca. 400 m weiter nördlich fällt vor dem Haus Frankfurter Straße 39 ein Schild mit der Beschriftung 13,993 auf. Vermutlich war der 14er Kilometerstein in einer neuen Einfahrt im Wege und musste entfernt werden.

Dieburger Str 23Langen u. SteinbergBleiben wir in Langen: die Staatsstraße Langen - Dieburg in Langen (Dieburger Straße), die 1839/40 angelegt wurde, war ebenfalls besteint. Vor dem Standplatz der ehemaligen Synagoge (Dieburger Straße 23) ist ein Kilometerstein zu drei Vierteln eingemauert. Er ist rund und besitzt einen halbkugelförmigen Kopf (Abb. links). Die Entfernung zur Kreuzung mit der Darmstädter Straße beträgt 200 m. 200 m weiter am Abzweig zum Unteren Steinberg steht dieser historische, leider ziemlich lädierte Kilometerstein. Der Durchmesser ist wieder 20 cm, eine Inschrift ist nicht zu erkennen.

Langen Dieburger Str 37Vor dem Haus Dieburger Straße 59 an einer Straßenlaterne findet man einen schiefen Kilometerstein mit der Beschriftung "0,6". Auch er ist rund (Durchmesser 20 cm). Er steht 400 m von dem Stein Dieburger Straße 23 und 600 m von der Kreuzung mit der Darmstädter Straße entfernt. Daraus kann geschlossen werden, dass die Inschrift des Steines vor der ehemaligen Synagoge "0,2" und des folgenden Steines "0,4" war. Der Straßenverlauf der Dieburger Straße östlich von Langen wurde durch die Autobahnauffahrten verändert. Wir finden am alten Straßenverlauf (unter der Autobahnbrücke und an der Einmündung der alten Straße in die neue Trasse zwei "St-Steine" (s. unten), deren Bedeutung ich noch nicht kenne.

Die Dieburger Straße verläuft weiter als B 486 nach Offenthal. Hier finden wir in der Offenthaler Ortsdurchfahrt wieder unsere Betonsteine mit der quadratischen Grundfläche (15 x 15 cm). Die Inschriften ergeben sich zwanglos aus der Entfernung zum Anfang der Straße in Langen: 4/8 Mainzer Str. 30, 5/2 Mainzer Str. 30, 5/4 Mainzer Str. 50. Vor den letzten Häusern rechterhand ist ein "OD-Stein" zu erkennen.

Offenthal 14,4Offenthal birgt erfreulicherweise auch einen historischen Kilometerstein. Er steht vor dem Haus Messeler Straße 1. Er ist aus rotem Sandstein gefertigt, hat einen Durchmesser von 20 cm, besitzt einen flachrunden Kopf und ragt 16 cm aus dem Boden. Die Inschrift lautet "14,4". Es ist offensichtlich, dass diese Nummer nicht zur Chaussee Langen - Dieburg gehört. Auf dem von Timo Seibert zur Verfügung gestellten historischen Foto erkennt man vor dem Haus Bahnhofstraße 34 einen ähnlichen Kilometerstein mit der Inschrift 13,?. Das Anwesen ist 600 m von dem oben beschriebenen Stein entfern: die Inschrift wäre dann konsequenterweise 13,8. Dies passt zur Kilometrierung der L 3001 von Offenbach über Dietzenbach nach Offenthal (s. dazu Anmerkung 2 unten). Auf einem anderen historischen Foto von Timo Seibert ist vor dem 2001 abgerissenen Haus Bahnhofstraße 4 ein Kilometerstein mit der Inschrift 14,?. Auch hier zeigt eine Entfernungsmessung, dass es sich um den Stein 14,0 gehandelt haben muss.

Langen, BahnstraßeZurück nach Langen:  In der Bahnstraße konnten wir nur einen historischen Kilometerstein finden. Er steht tief ins Pflaster eingelassen vor dem Haus Nr. 86 schräg gegenüber vom Kaufhaus Braun. Eine Beschriftung ist nicht zu erkennen. In Mörfelden steht in der Stadtmitte (Langener Str. 1, am Dalles) ein großer rechteckiger Betonstein mit der Inschrift 12,01. Wenn dies die Entfernung zur Stadtmitte von Rüsselsheim ist, würde dies bedeuten, dass die B 486 von Rüsselsheim in Richtung Langen besteint war. Die Entfernung des Steines in der Langener Bahnstraße von dem Stein mit der Inschrift 12,01 beträgt 7 km. Daher ist anzunehmen, dass der Langener Stein die Inschrift "19" trägt. Man müsste einmal nachschauen.

Dreieich MuseumSprendlingen, Frankfurter Str. 73Weiter geht es in Richtung Sprendlingen entlang der alten B 3. Zwischen Krankenhaus und Parkplatz stand früher der Kilometerstein Nr. 15, der von R. K. Nieß gefunden und in das Dreieich-Museum verbracht wurde (Abb. links). Er steht jetzt im Lapidarium der Hainer Burg zwischen Burgkirche und Palas. Wir überqueren die Bahnlinie und sehen am Beginn der Sprendlinger Ortsdurchfahrt rechts den oben abgebildeten "OD-Stein" mit einem Stationszeichen. Auf der rechten Straßenseite sind jetzt modernere säulenförmige Betonsteine mit quadratischer Grundfläche (15 x 15 cm) aufgestellt. Sie tragen die Angabe der vollen Kilometer auf der der Straße zugewandten Seite und auf den benachbarten Seiten die Angabe der ersten Nachkommastelle. Der rechts abgebildete Stein vor dem Haus Frankfurter Straße 73 steht demnach 17,8 km vom Louisenplatz in Darmstadt entfernt.

Betonsteine SprendlingenDiese Betonsteine stehen in Sprendlingen vor folgenden Häusern:
16/6 Darmstädter Straße 28, 16/8 Hauptstraße 1, 17/6 Frankfurter Straße 47, 17/8 Frankfurter Straße 73, 17/2 Offenbacher Straße 5, 17/4 Offenbacher Straße 27, 17/6 Offenbacher Straße 57

Auffallend ist, dass in der Offenbacher- und in der Frankfurter Straße Steine mit gleichen Nummern zu finden sind. Ähnlich wie in Egelsbach werden in beiden Straßen die Entfernungen nach Darmstadt angegeben. Neben dem Betonstein 17/8 in der Frankfurter Straße findet man einen historischen Stein mit rundem Kopf aus Rotliegendem (s. Abb. oben rechts). Dies ist ein starker Hinweis darauf, dass früher die Straßen innerorts alle 200 m mit rotliegenden Steinen (Durchmesser 20 cm, halbkugelförmiger Kopf) bestückt waren, die später durch die Betonsteine ersetzt wurden.

Spr, Eisenbahnstr. 42Die Eisenbahnstraße in Sprendlingen und die Buchschlager Allee sind 1877/78 chaussiert worden, um einen Fahrweg zu der weit außerhalb liegenden Station Sprendlingen an der Main-Neckar-Bahn nutzen zu können. Diese Straße führte zu ausrangierten Eisenbahnwagen, die lange Zeit als Warteräume fungierten. Der Bahnhof selbst wurde erst 1882 erbaut. Die neue Chaussee wurde natürlich mit Kilometersteinen bestückt. Der einzige Stein, der noch vorhanden ist, steht vor dem Haus Nr. 42 in der Sprendlinger Eisenbahnstraße in der Nähe des Wilhelm Leuschner Platzes. Er ist genau 2,2 km von dem Buchschlager Bahnhof entfernt. D. h. die Straße wurde von der Bahnlinie zum Dorf hin kilometriert.

Später scheint der "Nullpunkt" vom Bahnhof zur Kreuzung Hauptstraße - Eisenbahnstraße verlegt worden zu sein, denn in Buchschlag gibt es 2 km von dieser Kreuzung entfernt einen großen quaderförmigen Betonstein Grundfläche 40 x 20 cm) mit der Aufschrift "2" vor dem Haus Buchschlager Allee 35. 200 bzw. 400 m von diesem entfernt stehen dann die bekannten Betonsteine mit quadratischer Grundfläche  (15 x 15 cm) mit der Kennzeichnung 2/2 bzw. 2/4. Hier sind die "vollen" Kilometersteine deutlich größer als die dazwischenliegenden Steine. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass vor dem Bahnübergang an der Ecke des ehemaligen Forsthauses ein "OD-Stein" mit einem Stationszeichen davor steht.

Unsere Tour könnte uns jetzt nach Zeppelinheim weiterführen. Die Siedlung der Luftschiffer ist erst 1937 gegründet worden, daher finden wir dort nur zwei moderne Betonsteine. Einer mit der Inschrift "0/2" steht an der Flughafenstraße, 200 m von der ehemaligen Kreuzung mit der B 44 entfernt. Den anderen mit der Inschrift "1/4" findet man auf der westlichen Seite der Bahnlinie, ca. 300 m von der Bahnunterführung entfernt. Wir fahren jetzt zurück nach Sprendlingen.

St Stein in SprendlingenAm Ortsausgang in Richtung Neu-Isenburg, gegenüber der Einmündung des Kurt-Schumacher-Rings steht auf der rechten Seite ein Stein aus Rotliegendem, der nicht in die Systematik der Kilometersteine passt. Er trägt ein Kreuz als Weisung auf dem Kopf.  Er steht nur ca. 6 cm aus dem Boden heraus. Wenn man die der Straße zugewandte Seite freilegt, dann erkennt man dort die Inschrift "St" (s. dazu Abschnitt weiter unten). Die Chaussee zwischen Sprendlingen und Neu-Isenburg wurde 1811 fertiggestellt, die Aussteinung, d.h. die Festlegung der Grenze zu den angrenzenden Grundstücken, erfolgte aber erst 1843. Aus diesem Jahr stammt wohl unser Stein (Lit. Jost, J.G). Weiter nördlich Richtung Neu-Isenburg haben wir keine weiteren interessanten Kilometersteine mehr gefunden. Anmerkung 10/15: Dieser historische Stein wurde wahrscheinlich im Zuge der Umgestaltung des Fichter-Geländes entfernt.

Sprendlingen 19,6 Wenn man Sprendlingen Richtung Offenbach auf der B 46 (alt) verlässt, findet man am Ende der Mehrzweckspur hinter der Autobahnzubringerbrücke am Waldrand einen historischen Kilometerstein mit der Aufschrift "19,4" (Durchmesser 20 cm, halbkugelförmiger Kopf). Nach dem 1934er Messtischblatt steht er an der "richtigen" Stelle. Eigentlich vermuteten wir, dass außerhalb der Ortsdurchfahrten nur die vollen Kilometer besteint waren; diese Annahme ist anscheinend nicht korrekt.


GH Stein100 m weiter nördlich, ebenfalls rechts am Waldrand, steht ein weiterer weiß gestrichener Sandstein mit der Aufschrift "GH". Dies könnte für "Großherzogtum Hessen" stehen, allerdings verlief an dieser Stelle nie eine Grenze. Ob dies eine Zweitnutzung eines Grenzsteines als Kilometerstein ist? Der Kopf des weißgestrichenen Steines ist abgebrochen und sollte baldmöglichst restauriert werden.



Heusenstamm 5,0Heusenstamm 5,2Wir fahren weiter und verlassen die B 46 (alt) in Richtung Heusenstamm. Auf den alten Karten beginnt die Kilometrierung dieser L 3117 an der Kreuzung mit der B 46 (alt). Am Ortseingang von Heusenstamm links, ca. 70 m hinter der Einmündung der Sudetenstraße, sehen wir den Kopf eines Kilometersteins nur wenig aus der Erde ragen. Nach dem Messtischblatt müsste er die Nr. 5 sein. In der Tat: bei der Freilegung des Steines aus hellem Sandstein mir halbkugelförmigem Kopf und einem Durchmesser von 25 cm erkennt man eine sehr gut erhaltene "5,0". 200 m weiter stadteinwärts findet man den rechts abgebildeten Kilometerstein (heller Sandstein, halbkugelförmiger Kopf, 20 cm Durchmesser) mit der Aufschrift "5,2".  Interessant ist die Tatsache, dass der Stein für die vollen Kilometer einen Durchmesser von 25 cm hat und die in 200 m Abständen davon stehen nur 20 cm.

Wir fahren auf unserer virtuellen Tour zurück Richtung Sprendlingen und biegen nach rechts in die Neuhöfer Straße (L 3317) ein. Am Ortseingang von Neu-Isenburg sehen wir einen "OD-Stein" und in der Nähe des Kreisverkehrs einen quaderförmigen Betonstein mit der Inschrift "1". Die L 3317 war demnach ebenfalls besteint, der Nullpunkt lag an der Einmündung der Neuhöfer Straße in die B 3 (alt) in Neu-Isenburg. Wir fahren zurück zur B 46 (alt). Wenn wir geradeaus in die jetzt gesperrte Straße über die Autobahnbrücke fahren würden, dann könnten wir einen großen quaderförmigen Betonstein mit der Beschriftung "2" im Wald finden, dort wo die ehemalige Straße verlief, die wegen der Autobahnbrückenauffahrt verlegt wurde. Weiter geht es über den Neuhof nach Götzenhain. An der "richtigen Stelle", vor dem Haus Bleiswijker Straße 4, steht ein Betonstein mit der Aufschrift "6,4" und 200 m weiter, vor dem Haus Dietzenbacher Straße 3, einer mit der Aufschrift "6" an den Seiten. Die Frontseite ist nicht beschriftet. Eigentlich müsste dort eine "6" stehen.

Götzenhain, Hainer Weg 8Wir kehren um und fahren Richtung Dreieichenhain. Gegenüber der Tankstelle, vor dem Haus Hainer Weg 8 steht ein historischer Stein mit der Inschrift "3,x". Die Nachkommastelle ist nicht zu erkennen. Auf der Straße nach Dreieichenhain sehen wir an einer Bushaltestelle auf der rechten Straßenseite ein "OD-Stein", hier jedoch ohne Stationsschild. In Dreieichenhain können wir vor dem Dreieichmuseum den weiter oben abgebildeten Kilometerstein Nr. 15 von der B3 (alt) bewundern.


Dreichenhain FahrgasseDreieichnhain WaldstraßeGegenüber der Zugangsbrücke zur Burg vor dem evangelischen Gemeindehaus steht ein Kilometerstein mit der Inschrift "2,2", sicherlich nicht an seinem ursprünglichen Standort. Weitere Informationen liegen nicht vor. Fahren wir weiter Richtung Dreieichenhainer Bahnhof. Vor dem Haus Waldstraße 16 entdecken wir einen sehr schönen Kilometerstein, beschriftet mit "1,6".

Wenn man auf der Landkarte mit den Entfernungen spielt, dann kann man folgende Überlegungen anstellen: der "1,6er Stein" steht ca. 1600 Straßenmeter von der Einmündung der K 172 in die B 486 (Langen - Offenthal), entfernt. Misst man von dem "1,6er Stein" 600 m weiter durch die Fahrgasse, dann müsste der "2,2er Stein" am Dreieichenhainer Untertor gestanden haben. Die Entfernung zum historischen Stein in Götzenhain beträgt 1200 m. Wenn diese Theorie korrekt ist, dann müsste dessen Inschrift "3,4" sein. Wenn man genau hinschaut, kann man mit gutem Willen "3,4" erkennen.

Zum Abschluss fahren wir die Hainer Chaussee hinunter nach Sprendlingen. Am ersten Haus links (Dreieichplatz  1) steht ein Betonstein mit der Inschrift "5,2". Nach der Einmündung des Hagenrings sehen wir links einen "OD-Stein" mit Stationsschild. Weiter unten finden wir in der Grünanlage dicht am Zaun zur Dreieichbahn den Betonstein mit der Inschrift "4,2" und nahebei, hinter einem Gebüsch, einen Stein mit der Inschrift "St" (s. unten).

Dreieichenhain Nr. 4200 m weiter Richtung Sprendlingen steht ein schöner historischer Sandstein (leider mit weißer Farbe bemalt) mit der Inschrift "4". Das Kopfteil ist 30 cm hoch und hat eine Grundfläche von 19 x 19 cm. Die Ecken sind abgeschrägt. Der Kopf hat nach oben einen flachpyramidalen Abschluss. Das Kopfteil sitzt auf einem Sockel von 8 cm Höhe und 22 x 22 cm Grundfläche. Dieser Stein ist genau 4 km von dem Buchschlager Bahnübergang entfernt, wenn man die Straßenkilometer über die Sprendlinger Eisenbahnstraße, Hauptstraße und Darmstädter Straße misst. Die Entfernung zum Stein 2,2 in der Sprendlinger Eisenbahnstraße beträgt 1,8 km. Das passt alles gut zusammen. Abschließend sei angemerkt, dass am Ortseingang von Sprendlingen links einen "OD-Stein" mit einem Stationsschild steht. Anmerkung 10/15: Dieser Stein wurde wahrscheinlich bei Bauarbeiten der Bundesbahn im Jahr 2014 entfernt.

Wir sind am Ende unserer virtuellen Kilometersteintour angelangt. Sicherlich haben wir nicht alle Kilometersteine entdeckt. Bei Vorliegen neuer Erkenntnisse wird diese Seite entsprechend ergänzt werden.

Kilometerstein Mörfelden 8,8Nachtrag 2012: Frau Clara Hartmann machte mich auf einige Kilometersteine in Mörfelden aufmerksam.  Die Bezifferung lautet: 8,8 (Gerauer Straße 14), 9,21 (Langgasse 29), 9,4 (Am Dalles, vor dem "Goldenen Apfel"), 9,? (Frankfurter Straße 31) und 10,2 (weiter nördlich in der Frankfurter Straße 85). Die ersten drei sind aus Sandstein, rund mit halbkugelförmigem Kopf, der vor dem Haus Frankfurter Straße 31 ist quaderförmig und aus hellem Sandstein, während der letztgenannte auch quaderförmig, aber aus Granit hergestellt ist. Beim Nachmessen kommt man zu dem Ergebnis, dass der Nullpunkt dieser Kilometrierung am Rathaus in Groß-Gerau liegt. Der Darmstädter Louisenplatz war logischerweise als Nullpunkt nur relevant für Straßen, die von Darmstadt aus liefen (Foto: C. Hartmann).

DietzenbachNachtrag 2/2013: Frau Hartmann suchte auch Kilometersteine in und um Dietzenbach. Sie fand nur einen historischen Stein mit der Inschrift 10,0 vor dem Haus Darmstädter Straße 68 (Basalt, halbkugelförmiger Kopf, eingetieftes Zahlenfeld).  Er gehört zur Kilometrierung der L 3001, die an der Eisenbahnunterführung in Offenbach beginnt und über den Wildhof und durch Steinberg zur Dietzenbacher Altstadt und weiter nach Offenthal führt. In Steinberg findet man noch einen passenden Betonstein mit der Inschrift 7,2. Entlang der B 459 konnten keine Kilometersteine gefunden werden (die Kilometrierung begann an der Stadtgrenze zu Frankfurt, d.h. am heutigen Offenbacher Autobahnkreuz und verlief durch Dietzenbach Richtung Waldacker). Die Kilometersteine an der Kreisstraße zwischen Götzenhain und Dietzenbach sind ebenfalls nicht mehr auffindbar. Es ist eine Karte aus 1940 aufrufbar, in der die Kilometrierung um die Dietzenbacher Altstadt erkennbar ist (Foto: C. Hartmann).



ST-Steine

unter A661 BrückeAlbanusbergHainer ChausseeSt-Stein PhilippseichIm Dreieichgebiet habe ich eine Reihe  von Straßensteine mit der Aufschrift "St" gefunden. Vom Straßen- und Verkehrsmanagement "Hessen Mobil" in Wiesbaden habe ich die Auskunft erhalten, dass diese Steine von den Vermessungsämtern in den 1980er Jahren nach Abschluss von Straßenarbeiten gesetzt worden sind. Sie markieren am Randstreifen die Grenze des staatlichen Eigentums zu dem benachbarten Grundstück. "St" stünde demnach für "Straße". Im Folgenden einige historische ST-Steine beschrieben, wobei "historisch" meist synonym mit Steinen aus Rotliegendem gemeint ist.

St-SteinSt Stein in SprendlingenOT GF SteineHerr Roland Triska aus Langen machte mich auf einen signalrot besprühten Stein am nördlichen Rand der B 486 vor der Autobahnauffahrt Langen-Mörfelden aufmerksam Er steht bereits auf Mörfelder Gebiet. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen St-Stein handelt, der aus Rotliegendem gefertigt ist und eine recht altertümlichen Inschrift aufweist. Dies bedeutet, dass diese St-Steine schon viel früher benutzt worden sind, um die Besitzrechte an Straßenränder zu dokumentieren. An der Mörfelder Landstraße (B 486) habe ich übrigens noch weitere St-Steine entdeckt, die ich an dieser Stelle beschreiben werde. Nach der Entdeckung dieser Steine fiel auch die Einordnung zweier Steinfragmente auf einem Privatgelände in Offenthal mit der Inschrift "St" leicht: der gleiche Schrifttyp beweist, dass es sich ebenfalls um Gütersteine handelt, die einst an Straßenrändern standen. Einen etwas anderen Schrifttyp weist ein anderer rotliegende "St-Stein" auf, der gegenüber der Einmündung des Kurt-Schumacher-Rings in Sprendlingen an der B 3 (alt) steht (Bild ganz rechts) -->GIS.

Langen, BahnstraßeDieser links abgebildete Stein steht am Ende der Bahnstaße am Straßeneck an der Gaststätte "Westendhalle". Er trägt die verwitterte Aufschrift "St". Ca. 5 Meter weiter westlich auf der anderen Seite der kleinen Straße findet man einen weiteren roten (Porphyr?), unbeschrifteten Stein. Der Stein an der Westendhalle ist auf einem Bild in dem Buch Buch "Langener Lokal-Geschichte" abgebildet. Das Haus wurde 1877 eröffnet.. Der St-Stein müsste theoretischerweise bei der Anlage der Mörfelder Chaussee im Jahr 1xxx gesetzt worden sein.  -->GIS

Oben auf dem östlichen Abhang des "Ohres" der Autobahnauffahrt Langen stehen eine Reihe von St-Steinen aus Granit, dergleichen am Ende der A 661 in Egelsbach (Info C. Hartmann). Die Steine wurden demnach auch noch in den 1970er Jahren gesetzt.



KO SteinEinen interessanten Straßenstein entdeckte ich am Fuß der östlichen Böschung der der L 3001 zwischen Dietzenbach und Offenthal, dort wo die Straße den südlichen Grenzgraben der Hundslochwiese überquert -->GIS. Er besteht aus Granit und weist eine quadratische Grundfläche (15 x 15 cm) auf. Auf der Ostseite trägt er die Inschrift "KO". Er gehört sicherlich nicht zu dem Besteinungssystem der Hundslochwiese, sondern muss der Straße zugeordnet werden. Ob "KO" für Kreis Offenbach stehen kann? Ein weiterer Stein mit der Inschrift "KO" steht vor dem Gedenkstein für Egon Schumacher am Neuhof, allerdings ist dieser aus Rotliegendem gefertigt und nicht so sauber gearbeitet.

SchieberhinweissteinSchieberhinweisschildBei dem links abgebildeten quaderförmigen Stein mit flachpyramidaler Spitze handelt es sich nicht um einen Straßenstein, sondern um einen Hinweisstein für einen Wasserschieber. Er steht auf der Ostseite der L 3001 zwischen Dietzenbach und Offenthal an der Stelle, wo diese den Hengstbachgraben überquert -->GIS. Er ist mit "ES 100", zwei senkrecht aneinander stehenden Linien und "0,60" beschriftet. Dahinter steht das rechts abgebildete Hinweisschild. Dies ist relativ leicht zu deuten (s. Artikel in Wikipedia). "ES" steht für Entleerungsschieber, "100" die Nenngröße der Leitung, "1," und ",8" die Entfernung des Schiebers nach rechts und vorne. Der Stein steht  an einer etwas anderen Stelle, daher eine etwas andere Inschrift. Mit einem Entleerungsschieber kann eine Leitung entleert werden. Am Hengstbachgraben ist offensichtlich der tiefste Punkt der Leitung. Dort erkennt man auch einen Auslaufstutzen, über den das Wasser in den Graben geleitet werden kann. Es ist wirklich bemerkenswert, dass neben dem üblichen Schild zusätzlich ein Stein gesetzt worden ist. 


Sonstiges

BarockstraßeUnter dem Kapitel "Straßensteine" kann man zur Not auch Steine subsummieren, mit denen eine Straße gepflastert ist. Das nebenstehende Bild stammt aus dem Wald westlich von Philippseich. Es handelt sich um die sogenannte "Barockstraße". Dies ist eine etwas großspurige Bezeichnung für ein Sträßchen, das möglicherweise in der Barockzeit (1575 - 1770) gebaut wurde. Diese Straße hat darüber hinaus nichts mit der bekannten Prachtentfaltung des Barockstils zu tun. Der Regionalpark Rhein-Main hat sogar eine Informationsstele aufgestellt, in deren Text dieser sonderliche Begriff benutzt wird. Lesen wir, was der Regionalpark über die "Barockstraße" schreibt:
An dieser Stelle befindet sich, von einer dünnen Flugsandschicht bedeckt, eine alte Straße. Sie führte von der Rheinstraße als ein alter Fernverbindungsweg hierher und endete am Jagdschloss Philippseich. Man erkennt den mittig auf das Schloss zuführenden Straßenverlauf als leicht hohlwegartigen Einschnitt in der Flugsanddüne. Die Straße wurde wahrscheinlich im späten 18. Jahrhundert befestigt: Man pflasterte sie mit Bruchsandsteinen auf einer Breite von 6,50 Meter. Regenwasser floss durch das Quergefälle zu den Rändern ab, die mit Rechtecksteinen gefasst wurden. Ursprünglich war entlang der Straße eine Allee aus Eichen gepflanzt.
BarockstraßeEs ist korrekt, dass es sich im Prinzip um die Fortsetzung der Langener Rheinstraße handelt. Vor der Anlage der Dieburger Straße hatte die Rheinstraße ihre Fortsetzung in der heutigen Teichstraße, führte dann südlich des heutigen Schwimmbades und südlich des Paddelteiches ( = Springenweg) vorbei in den Wald südlich der Dreieichenhainer Sportplätze und dann  südlich des Dreieicher Tierheims ("Im Haag") nach Philippseich zu führen (s. Abb rechts). Um dem historischen Charakter dieser Straße gerecht zu werden, müsste sie freigeschnitten werden, um die Blickachse auf Philippseich wiederherzustellen.

StraßenschnittStraßenschnittIm April 2015 wurde für die Verlegung von Rohren die alte B3 in Langen am südlichen Ortsausgang aufgeschnitten. Clara Hartmann hat mir freundlicherweise ein Bild von dem Straßenschnitt zur Verfügung gestellt. Es ist insofern interessant, weil dort die Bauhistorie offenliegt. Die Straße wurde zwischen 1790 und 1812 als gerade Chaussee neu gebaut. Wie man erkennt, besteht die unterste Schicht aus dicht gepackten rotliegenden Steinen aus heimischen Steinbrüchen. Links und rechts sieht man den (mit Lehm?) befestigten Straßengraben. Über den rotliegenden Steinen ist eine graue Schicht Schotter unterschiedlicher Körnung aufgetragen. Dies war die Oberfläche der Chaussee. Als Anfang des 20. Jh. die Chausseen gepflastert wurden, kam zunächst eine Schicht Basaltschotter auf die Oberfläche und darauf eine Sandschicht, in welche die Pflastersteine aus Basalt gesetzt wurden. In den 1950er oder 60er Jahren wurden die Straßen asphaltiert. An dieser Stelle geschah dies, ohne den Untergrund auzukoffern. Über die Pflastersteine kam Eisenbahnstraßeeinfach eine dicke Schicht Asphalt. Auch die Seitenstreifen sind ohne zusätzliche Gründung über die alten Bankette asphaltiert worden. Dieser Straßenschnitt ist insofern ungewöhnlich, weil die Schichtung nicht durch Kanalverlegungen oder andere Erdarbeiten gestört ist.
Das Bild rechts zeigt ein Schnitt durch die Eisenbahnstraße in Höhe der Einmündung August- Bebel-Straße. Sie wurde1878 gebaut. Hier erkennt man wieder die Packung aus rotliegenden Steinen, den Schotter und darüber gleich die Asphaltschicht. Die Eisenbahnstraße war nie gepflastert.


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Straßenbauten in der Dreieich

Bayerseich - Langen: 1790 - 1812. Es existiert ein Plan von 1790, der -->hier aufgerufen werden kann
Sprendlingen - Langen: 1785 - 1795, Lit. Nahrgang (4)
Sprendlingen - Neu-Isenburg: 1802 - 1811, Lit. Jost
Sprendlingen - Offenbach: 1818/19 (Baubeginn), Lit. Nahrgang (4)
Sprendlingen - Dreieichenhain: 1790 -1792, Lit. Nahrgang (4)
Sprendlingen - Buchschlag: 1878, Lit. Heil
Buchschlag - Mitteldick: 1935-36 Stadtarchiv Dreieich, Findbuch Sprendlingen (alt), XXVI, Abt. 3, Konv. 18, Fasz. 7
Dreieichenhain -Langen (K 173): 1873-75, Lit Lütkemann (4), ehem. Engasshügelschneise,  Lit. Lütkemann (5)
Neu-Isenburg - Heusenstamm: 1923 - 1924, Lit. Nahrgang (4)
Neu-Isenburg - Götzenhain: 1791 als "Neue Schneise, verbreitert 1958/59, Lit. Nahrgang (4)
Langen - Mörfelden: 1829 - 1832, Lit. Neusel (5), ehem. Franzosen-Schneise, Lit. Lütkemann (5), S. 74
Egelsbach - Mörfelder Chaussee: 1899, ehem. Luderschneise, Lit. Lütkemann (5), heute Prinzessin Dingsbums-Allee
Langen - Offenthal: 1841 - 1845, Lit. Neusel (5)
Offenthal - Messel: 1901, Lit. Raffius (2)
Mörfelden - Gehspitz: 1866 - 1870, Lit. Nahrgang (4)
Frankfurt - Neu-Isenburg: 1728 gehauen, Lit. Scharff (2)
Oberforsthaus - Neu-Isenburg: 1736 gehauen, Lit. Scharff (2)


Die Frankfurter Straße (Sprendlingen - Neu-Isenburg), wurde zwischen 1730 und 1740 angelegt. Sie war schon 1728 fertig abgesteckt, aber erst in den 1780er und 1790er Jahren wurde sie südlich von Sprendlingen weiter ausgebaut. Der Ausbau des letzten Abschnittes bei Neu-Isenburg erfolgte erst 1810 (Lit. Nahrgang (4)).
  
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Kobanstein vorneKobanstein hintenIn der Nähe des Schlosses Mönchsbruch am Gundweg, Kreuzung Beide-Schlichter-Schneise, steht ein Stein, der leicht mit einem Meilenstein zu verwechseln ist. Er ist kein Meilenstein, sondern eine Skulptur von dem inzwischen verstorbenen Mörfelder Steinmetz Karl Koban. Er hat ihn aus Spaß an der Freud' gemeißelt und am Gundweg aufgestellt. Der Stein besteht aus einer konischen Säule aus grobem Rotliegenden mit einer aufsitzenden geriffelten Kugel aus Sandstein. Auf der Vorderseite erkennt man ein Gesicht, darunter ist eine Platte eingefügt, versehen mit vier  Münzen (1 Euro und 1 Cent sowie 1 Mark und 1 Pfennig), die leider nicht mehr vorhanden sind, und der Jahreszahl 2002. Am Boden steht eine Tafel mit Koordinatenangaben, die allerdings mit dem Standort nicht übereinstimmen, sondern auf einen 500 Meter entfernten Punkt hinweisen (G. Ulsamer). Auf der Rückseite findet man eine Granittafel mit einem Eurozeichen, darunter eine Tafel mit der Aufschrift "1999 Koban-K.". Im Heimatmuseum von Mörfelden befindet sich ein Foto (von L. Schulmeyer) dieses Steines, ohne die eingelassenen Granittäfelchen mit den Euromünzen, dafür aber mit einem hölzernen vierarmigen Richtungsweiser. Dies bedeutet, dass der Stein 1999 als Pfosten für den Richtungsweiser aufgestellt wurde und später in einen "Eurogedenkstein" umfunktioniert wurde. Das Engagement eines Mitbürgers, die Heimat mit interessanten Skulpturen zu bereichern, ist wirklich anerkennenswert. 

Koban 2Nachtrag 1/2014: Clara Hartmann machte mich auf den zweiten Koban-Stein aufmeksam. Er steht an der Rüsselsheimer Straße am Abzweig der Nauheimer Straße südöstlich von Mönchsbruch. Es handelt sich um eine Sandsteinsäule mit dem Maßsn von 100 x 20 x 20 cm. Der Kopf ist flachpyramidal und mit einer rundumlaufenden Nut strukturiert. Die Nordseite ist mit "Rüsselsheim" und einem Pfeil, sowie "KD" beschriftet. Auf der Ostseite kann man "Mörfeldem" mit einem Pfeil nach unten erkennen. In die Südseite ist mit "Nauheim" und ein Pfeil eingemeißelt.  Auf der Westseite steht "1989" und "KOBAN" zu lesen. Es bleibt dabei: Es ist anerkennenswet, dass ein Bürger sich in dieser Form der Allgemeinheit dienlich macht.
--> Hier können die Standplätze der beiden Koban-Steine in Google Earth angeschaut werden



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