Steine in der Dreieich
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Lapidarien im Dreieichgebiet


Grenzsteine sind oft kulturhistorisch wertvolle oder zumindest interessante Zeugen der Territorialgeschichte einer Landschaft. Sie stehen unter besonderem staatlichen Schutz. Die Entfernung oder Zerstörung eines historischen Grenzsteines wird von der unteren Denkmalschutzbehörde als Ordnungswidrigkeit verfolgt. Es kommt allerdings vor, dass Grenzsteine versehentlich umgeworfen oder abgebrochen werden. In diesen Fällen sollte versucht werden, sie - ggf. nach einer Restaurierung - an Ort und Stelle wieder einzusetzen. Ist dies aus verschiedenen Gründen nicht möglich (z.B. Originalstandplatz nicht bekannt), wird gemäß den Leitlinien des Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation empfohlen, diese Steine in einem ortsnahen Lapidarium aufzustellen und somit auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Wort "Lapidarium" hat nichts mit "lapidar" zu tun sondern stammt aus dem Lateinischen (Lapis = der Stein) und bedeutet eine Sammlung von bearbeiteten, meist historischen Steinen.

Im erweiterten Dreieichgebiet gibt es ein sehr schönes Lapidarium im Heimatmuseum Mörfelden. Vor der Polizeistation in Gravenbruch existiert ein kleines Lapidarium mit dreiSteinen, über das im Kapitel Schönborner/Gravenbrucher Wald berichtet wird. Im Dreieich-Museum sind im Inneren (im Verbindungsgang zur Gaststätte) sehr interessante Grenzsteine und Sühnekreuze aufgestellt. Vor dem Museum standen einige historische Steine, die im Rahmen der Umgestaltung des Eingangsbereiches Anfang 2014 auf eine Grasfläche zwischen Burgkirche und Palas versetzt wurden. --> Hier gehts zur Beschreibung des Lapidariums in der Hainer Burg.

Lapidarium im Forstamt Langen

Lapidarium 1Lapidarium2 Da es kaum möglich ist, auf den oben genannten Plätzen weitere Steine aufzustellen, entschloss sich der Leiter des Staatlichen Forstamtes Langen, Herr Münch, auf Anregung des Obmanns des Amtes für Bodenmanagement und Geoinformation für die Erfassung von historischen Grenzsteinen, ein Lapidarium auf dem Gelände des staatlichen Forstamtes in Langen, Dieburger Straße 53, anzulegen. Die ersten Steine wurden im September 2012 gesetzt, die offizielle Einweihung waram 4. Dezember 2012 in Anwesenheit von Stadtrat Schneider (Langen) und Herrn Knöll vom Amt für Bodenmanagement in Heppenheim. Lesen Sie Berichte über die Einweihung aus der op-online und aus der Dreieich-Zeitung.

Die Grenzsteine stehen am Rand der Rasenfläche vor dem Forstamtsgebäude. Auffallend ist die Reihe von Steinen, die konsekutiv nummeriert sind (3, 4, 11, 14, 17, 18, 20, 21). Sie stammen von der Südgrenze der Hanauer Koberstadt und lagen am Waldrand zur Benzenwiese hin zwischen Dammweg und Grenzschneise.

RuegnerRuegnerDer große Stein aus hellem Sandstein wurde von einer Dame zur Verfügung gestellt, die den Stein im Garten ihres verstorbenen Vaters gefunden hatte und diesen (offensichtlich gestohlenen) Stein der Allgemeinheit wieder zugänglich zu machen wollte.  (Abb. rechts). Auf der einen Seite erkennt man ein Wappen mit drei Ringen, die andere Seite ist mit einem pfeilartigem Zeichen, der Jahreszahl 1744 und No 24 (?) versehen. Auf dem Kopf befindet sich eine gerade Weisung und die Zahl "29". Wer kann sachdienliche Informationen über die Herkunft oder den ursprünglichen Standort dieses Steines geben?

LeukertswegEin kleinerer Stein (mit einem großen Fuß) markierte einen trigonometrischen Punkt in der Nähe des Langener Leukertsweges -->GIS. Auf der einen Seite ist ein Dreieck zu erkennen. Die andere Seite ist mit einer "IV" versehen, was für einen trigonometrischen Punkt 4. Klasse steht. Der Kopf des Steines wurde mutwillig abgeschlagen und sollte offensichtlich gestohlen werden. Dies konnte glücklicherweise verhindert werden. Nach der Restaurierung wurde der Stein im Einvernehmen mit dem Amt für Bodenmanagement und Geoinformation im Langener Lapidarium übergeben. In Lit. Zorn finden sich solche Steine unter 764 bis 768 Tafel 60.

Zwei weitere Steine stammen aus dem Depot des Dreieich-Museums. Die Herkunft des Steines mit der Aufschrift "IDL 175Z"ist nicht mehr bekannt. Es dürfte sich um einen Güterstein handeln. Vom Grenzstein des Domanialwaldes des Landgrafen Ludwigs (LL) zur Feldgemarkung Egelsbach (E) mit der Inschrift "LL" / "E" war nur ein schräg abgebrochener Kopf vorhanden. Um ihn im Lapidarium ausstellen zu können, wurde der Fuß ergänzt. Von einem Sprendlinger Heimatforscher wurden zwei Gütersteine aus der Rostadt zur Verfügung gestellt, die er von Grundstückbesitzern erhielt.

Das Lapidarium soll auch in Zukunft mit ausgesuchten herausliegenden Grenzsteinen, insbesondere von Territorialgrenzen ergänzt werden. Die staatliche Forstverwaltung hat mit der Einrichtung dieses Lapidariums einen Beitrag zur Erhaltung unseres historischen Erbes geleistet. Dafür ein herzliches Dankeschön!


Lapidarium in der Hainer Burg

Hayner BurgTranslokationEnde Januar 2014 wurden die sechs historischen Steine, die bisher vor dem Dreieich-Museum standen, auf eine Grünfläche zwischen der Burgkirche und dem Palas, dem wahrscheinlich ältesten Friedhof im Hain, verbracht. In der Mitte des Platzes steht die vorgeschichtliche Grabstele, dahinter von links nach rechts ein Güterstein derer von Falkenstein, ein Güterstein des Deutschordens, ein Stein von der Territorialgrenze Ysenburg / Hessen-Darmstadt, ein Wappenstein aus der Hanauer Koberstadt und ein Kilometerstein von der Chaussee Langen-Sprendlingen.

AusgrabungKoberstadt-SteleDie vorgeschichtliche Grabstele aus der Hallstattzeit (800 - 475 v. Chr.) befand sich innerhalb eines um 1891 erforschten Grabhügels Nr. 4 in der Koberstadt. Sie ist in den damaligen Grabungsprotokollen erwähnt worden. Bei Grabungsabschluss wurde sie wieder so eingegraben, dass die Spitze noch 10-20 cm herausschaute. Im Jahr 1968 Jahre entschloss sich der damalige Kreisdenkmalspfleger Ullrich (auf dem Bild rechts zusammen mit Joachim Seibert aus Offenthal) aus Furcht vor Raubgräbern, die Stele auszugraben und vor dem Dreieich-Museum zu sichern.Über den Fund von Seibert wurde in "Fundberichte aus Hessen" 9. u. 10. Jg (1969/70), S. 159 berichtet. Der Fundort lag im Forst Koberstadt, Waldabt. 105 (6018:79420/38085). Es handelt sich um einen flach-spindelförmig zugerichteten Monolithen aus felsigem Konglomerat des Rotliegenden. L 1,75; gr. Br. 0,50; Dicke 0,20 m. In dem Grabungsbereich wurde nur wenige Scherben gefunden. Später wurde festgestellt, dass über die Stele in den "Quartalsblätter des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen (1892), S. 154 berichtet wurde. Der Grabhügel besaß eine Höhe von 1,50 m und einen Durchmesser von 17,5 m. Die Stele stand mittig im Grabhügel. Am Fuß der Stele fand man halbkreisförmig angeordnet Reste verschiedener Bestattungen. Es handelt sich somit eindeutig um eine Grabstele aus der Hallstattzeit.

FrankensteinBeileisenEin bemerkenswerter Stein wurde in den 1970er Jahren 140 Meter östlich der Kreuzung Rostädter Weg und Hainer Trift in der Sprendlinger Rostadt gefunden. Er wurde nicht wieder eingesetzt ("weil er auf der Trasse der geplanten Südumgehung liegt"), sondern vor dem Eingang des Dreieichmuseums aufgestellt. Auf der einen Seite steht "VF" und darunter "1807". Die andere Seite ist links abgebildet. Mit einiger Mühe erkennt man in einem Wappenschild ein "Beileisen". Dies ist zweifelsfrei das Wappenzeichen des Adelsgeschlechtes von Frankenstein, das u.a. Besitzungen im Odenwald und in der Wetterau hatte. Es handelt sich wahrscheinlich um einen Güterstein, der ein Grundstück derer von Frankenstein in Sprendlingen markierte. Ob es sich wohl um ein Grundstück handelte, das der Familie im Rahmen der Säkularisierung 1806 als Ausgleich für linksrheinische Gebiete zugesprochen wurde?

Dreiherrenstein CF294Der Stein daneben stammt von der Grenze des "Grafen-Waldes" nördlich von Weiskirchen. Er wurde 1979 westlich der Tannenmühle von Herrn Olschewski  aus Weiskirchen gefunden und in das Museum verbracht (Lit. Ulrich). Dieser Wald war neben dem Wildhof ein weiterer Grundbesitz des Deutschherrenordens (ein früher einflussreicher Ritterorden) und gehörte bis 1809 der Komturei (Commende) Frankfurt. Auf der Vorderseite des Steines ist das Deutschordenskreuz zu erkennen mit den Buchstaben "C" und "F" (für Commende Frankfurt) sowie "1730". Die Beschriftung der Rückseite ist nicht eindeutig zu identifizieren. Eindeutig zu erkennen sind eine 2 und eine 4, das mittlere Zeichen könnte eine 9 sein oder auch nur eine Scharte. In Arcisys ist eine Karte des Grafen-Waldes von 1732 archiviert. Westlich der Tannenmühle ist ein Stein mit der Nummer 24 eingetragen! (oben ist Osten). Dieser Teil der Grenze schied das Eigentum des Deutschherrenordens vom Gebiet des kurmainzischen Weiskirchens. In Lit. Ulrich aus dem Jahr 1980 wird übrigens beschrieben, dass "in Vereinbarung mit der Gemeinde Rodgau dieser Stein zunächst einen Platz am Dreieich-Museum findet, bis er später einmal an geeigneter Stelle innerhalb einer öffentlichen Einrichtung in der Region Rodgau aufgestellt wird". Per Zufall erfuhr ich, dass im Schuppen des Stadtmuseum von Obertshausen ein weiterer Stein CF-Hausendieser Grenzlinie aufbewahrt und 2016 im Museumshof aufgestellt wurde. Die Museumsleiterin schickte mir einen Zeitungsartikel, nach dem im Rahmen der Flurbereinigung im Jahr 1963 zwei Steine von dem Landwirt Rudolph gesichert worden seien. Einer einer Söhne zeigte mir einen dieser Steine in seinem Garten, der zweite Stein sei auf dem Anwesen seines Bruders in eine Wand eingelassen worden. -->Hier kann man eine Karte aufrufen, in der die Grafenwald-Karte auf eine moderne OSM-Karte montiert ist (Dank an Herrn Doffing). Daraus ist zu entnehmen, dass der Stein in Dreieichenhain der mit der Nummer 24 ist (die Witwe des Finders konnte diesen Standort bestätigen). Der Stein im Oberthausener Museum hatte die Nummer 25 oder 26 (an der Rodau-Brücke) und der im Garten von Herrn Rudolph (und seines Bruders) die Nummern 33, 34 oder 35. Herr Rudolph erzählte, dass er die Steine in der Nähe seines Anwesens an ende der Birkenwaldstraße gefunden hat. Ein Versuch, möglicherweise noch auf Originalstandplätzen stehende Steine im Wald nördlich der Rodaubrücke zu finden, scheiterte am dichten Bewuchs in dieser Waldabteilung.
Eine Reihe ähnlicher Steine steht noch heute am östlichen Waldrand der Wohnstadt Gravenbruch (ehemalige Grenze Schönborn - Deutschherrenwald/Wildhof), die im Kapitel SBGR-Grenzsteine beschrieben sind. Im Inneren des Dreieich-Museums ist ein Stein dieser Serie ausgestellt, bei dem die Rückseite mit einem Schönborner Wappen versehen ist.

Y-HDs08Der mittlere Stein stammt von der Grenze Ysenburg und Hessen-Darmstadt. Diese wurde 1783 zwischen Gehspitz und Dreieichenhain neu besteint. Es handelt sich hier um den Stein Nr. 8, der an der Gemarkungsgrenze von Dreieichenhain und Langen stand. Sein ehemaliger Standplatz befindet sich unter der westlichen Rampe der Schneisenbrücke über die A 661 in der Nähe des Krankenhauses. 1983 wurde der Stein auf der Nordseite der Rampe gefunden und ins Dreieich-Museum gebracht. Auf der Vorderseite erkennen wir ein "HD" für Hessen-Darmstadt und auf der Seite "NO 8", wobei das "N" spiegelverkehrt eingemeißelt wurde. Die Beschriftungen der anderen Seiten mit "Y" und "1783" sind nicht mehr zu erkennen. Auf dem Kopf sind zwei Pfeile eingemeißelt, welche die Richtung des Grenzverlaufs anzeigen sollen. Von diesen Steinen wird im Kapitel Y-HD Grenzsteine berichtet.

WappensteinWappensteinDer vierte Stein in der hinteren Reihe stand auf der Grenze der Hanauer und Ysenburger Koberstadt nördlich der B 486. Seit der Münzenbergischen Erbteilung 1255 besaßen die Hanauer Grafen Rechte und Besitztümer in der Dreieich. Um 1600 erhielten die Hanauer einen Streifen Wald in der Koberstadt, der im Süden an den Rutschbach, im Norden an den Hainer Bürgerwald, im Westen an Hessen-Darmstädter und im Osten an Isenburger Territorium grenzte. Der Stein wurde herausliegend vorgefunden und vor dem Dreieich-Museum neu aufgestellt. Er trägt auf der einen Seite das Hanauer Wappen (Sparren) und die Jahreszahl 1774, auf der anderen das Wappen von Ysenburg (Kreis mit Balken). Es gibt an der Grenze noch zwei solcher Steine, ein Dritter wurde nach 2000 gestohlen. Die Steine dieser Grenzlinie werden im Kapitel Y-HL Grenzsteine behandelt.

KilometersteinBei dem Stein ganz rechts handelt es sich um einen aus Basalt gefertigten historischen Kilometerstein mit der Inschrift "15,0". Er stand an der Straße von Sprendlingen nach Langen (zwischen Krankenhauseinfahrt und Parkplatz). Die Chaussee wurde um 1800 gebaut. Der Standort lag auf Isenburgischem Territorium. Die "15,0" bezieht sich jedoch auf die Entfernung zur Darmstädter Stadtkirche. Dies bedeutet, dass der Stein nach 1816 aufgestellt wurde. In diesem Jahr wurde im Wiener Kongress das Isenburger Territorium dem Großherzogtum Hessen zugeordnet. Der Stein wurde wahrscheinlich beim Ausbau der B3 um 1970 entfernt. Er lag im Wald und wurde von Rolf Nieß gefunden und dem Dreieich-Museum übergeben.




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