Steine in der Dreieich
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Grenzsteine der Röder Mark und Bieber Mark

 
In diesem Kapitel beschäftigen wir uns mit der Dietzenbacher Nord- und Ostgrenze und der Vollständigkeit halber mit der Südgrenze. Wir können dabei vier Abschnitte differenzieren

Grenzkarte 1. Die Gemarkungsgrenze der Röder Mark (heute Dietzenbach) und der Schönbornschen Gemarkung Patershausen (heute Heusenstamm)

2. Die Gemarkungsgrenze der Röder Mark (heute Dietzenbach und Jügesheim) und der Bieber Mark (heute Heusenstamm) am Schmittgraben

3. Die Grenze entlang der Röder Mark zur Feldgemarkung Ober-Roden nördlich von Waldacker

4. Vier einsame Steine an der Grenze von Dietzenbach zu Messenhausen und Urberach

Die Gemarkungsgrenze zwischen Ober-Roden und Jügesheim (beide Rödermark) wird in einem 5. Abschnitt behandelt.

Die  Röder Mark und die Bieber Mark waren Markgenossenschaften mit gemeinsamen Besitz, z. B. von Waldungen. Die Röder Mark war ein Zusammenschluss von 9 Dörfern (darunter Dietzenbach Jügesheim und Ober-Roden),  Die Bieber (oder auch Bieger) Mark aus 12 Dörfern (darunter Heusenstamm). Diese Marken waren kein politisches Gebilde; sie gehörten zu unterschiedlichen Herrschaftsterritorien. Bei einem gemeinsamen Besitz versucht jeder so viel wie möglich herauszuholen und so wenig wie möglich zu investieren. Aus diesem Grund war der Wald Ende des 18. Jahrhundert zu einer kahlen, verbuschten Heidelandschaft verkommen ("Hessisch-Sibirien"). Daher wurde auf Druck des Großherzogs und nach langen Verhandlungen 1818 bzw. 1819 beide Markgenossenschaften aufgelöst und der Wald an die beteiligten Gemeinden verteilt. Die Wälder der Herrschaft Schönborn in und um Heusenstamm gehörte nicht zur Bieber Mark. 1954 kam es zu einer Neuordnung der Gemarkungsgrenzen, als die gemeindefreien Gemarkungen Patershausen und der Schönborner Wald (Gravenbrucher Wald) den benachbarten Gemeinden zugeschlagen wurden (s. dazu das Kapitel DIVL).

Grenzsteinspaziergang 1. Abschnitt: Dietzenbach - Patershausen

RMSBWir beginnen am Parkplatz an der L 3001, am Abzweig zum Patershäuser Hof, und laufen nach Osten auf dem Asphaltweg der Dietzenbacher Verbindungslandwehr entlang. Rechterhand können wir zwei im Kapitel DIVL beschriebene Steine finden. Ca. 130 m vor dem Bahnübergang geht halbrechts der Grenzweg ab. Dort, auf der linken Seite des 01Asphaltwegs  steht ein unechter Dreimärker  mit der Beschriftung "RM", BM" und "SB" mit einer "6" darunter. Dreimärker haben normalerweise eine dreieckige Grundform, wobei auf den drei Seiten die Symbole der dort zusammenstoßenden Territorien eingemeißelt sind. Dieser Stein hat eine rechteckige Grundform; drei Seiten sind beschriftet, eine ist leer (daher unechter Dreimärker). An dieser Stellen stießen früher die Gebiete der Rödermark (jetzt Dietzenbach), der Biebermark (früher Offenbacher Hintermark, jetzt Heusenstamm) und des Schönbornschen Gebietes Patershausen (jetzt RMSB05Heusenstamm) zusammen. Auf was bezieht sich aber die Ziffer 6? Wir folgen dem nach Südost abbiegenden Weg und kommen an einen Stein, der mit "RM / SB / 7" gekennzeichnet ist. Wir gehen wieder zurück, da bis zur S-Bahn kein Stein zu finden ist und folgen dem Asphaltweg, der früher die Grenze des Schönbornschen Patershausen mit der Offenbacher Hintermark bildete. 200 m hinter dem Bahnübergang entdecken wir einen schönen, gewölbten, sorgfältig ausgeführten Sandstein. Auf der Südseite steht "SB/GP", auf der Nordseite "GO" und auf der Ostseite "5". Dies steht für "Schönborn/Gemarkung Paterhausen" und "Gemarkung Offenbach" (die Hintermark). Die Steine 1-4 fehlen. Stein Nr. 1 dürfte an dem weiter östlich liegenden Abzweig des Grenzwegs (Hintermark - Patershausen) gestanden haben.

RMSB09Wir gehen zum Bahnübergang zurück und folgen der Bahntrasse auf der Ostseite bis zur Fortsetzung des weiter oben beschriebenen Grenzwegs, auf dem wir nach ca. 100 m den Stein mit der Beschriftung "RM / SB /9" stoßen. Der Stein Nr. 8 dürfte beim S-Bahn Bau verloren gegangen sein.  In Abständen von 100 - 120 m stehen die Steine Nr 10, 11 und 12, wobei der Stein Nr, 11 herausliegt. Er müsste aufgerichtet werden.

Grenzsteinspaziergang 2. Abschnitt: Schmittgraben

RMBM09 Wir kommen dann an die Dietzenbacher Waldstraße, an der leider keine Grenzsteine mehr stehen. Am Abzweig der Straße nach Patershausen stoßen wir an die Grenze der Röder Mark mit der Bieger Mark. Dort wo die Waldstraße eine Biegung nach Südosten macht,  gehen wir geradeaus dem Waldweg entlang. Auch er macht nach ca. 450 m eine Biegung nach Südosten. Hier finden wir den ersten Stein des oben erwähnten zweiten Grenzabschnitts. Diese habe meist die Inschrift "RM" und "BM". Man geht den Waldweg geradeaus. Der zweite Stein steht 100 m von dem ersten entfernt. Nach weiteren 90 m erreichen wir den nach Nordosten laufenden Schmittgraben, der für die nächsten 1,3 km die Grenze zwischen der Röder Mark und der Bieber Mark bildete. Hier stehen nicht weit voneinander entfernt der Dritte und vierte Stein dieses Grenzabschnitts. Der Schmittgraben ist die Fortsetzung des Kaupenwiesengrabens, der vom Knabenborn am Hexenberg über den Angelteich nach Norden fließt. Er führte bei der Grenzsteindokumentation (5/2013) im "Oberlauf" noch reichlich Wasser während er weiter unter trockenlag. Um die Grenzsteine zu finden, sind auf jeden Fall Gummistiefel angesagt.

Karte HubelDie beiden nächsten Steine stehen im bzw. am Bach. Wir müssen jetzt die Dietzenbacher Grenzschneise überqueren. Hier ist der Berührungspunkt der Dietzenbacher, Heusenstammer und Jügesheimer Gemarkung. Wie oben beschrieben, wurde die Rödermark 1819 aufgeteilt. Die heutige Grenzschneise bildet die damals festgelegte Grenze des Dietzenbacher und Jügesheimer Waldes. Obwohl definitionsgemäß der "Unterlauf" des Schmittgrabens nicht mehr zum Westkreis Stein 16Offenbach (= Landschaft Dreieich) gehört, folgte ich dem Graben, bis zu der Stelle, an der der Graben die Richtung auf Nordwest ändert. Ich konnte weitere 9 bzw 10 Steine finden (s. Abb. von Luise Hubel). Sie sind aus Rotliegendem gefertigt und tragen die Inschrift "RM / SB". Ein Stein ist offensichtlich jünger. Er besteht aus Mainsandstein und ist mit "J" und "H" gekennzeichnet (Jügesheim und Heusenstamm). Die Grenze verläuft ab der Biegung des Schmittgrabens weiter geradeaus nach Nordosten und trifft dort auf die Hainhauser und Rembrücker Gemarkung.

Grenzsteinspaziergang 3. Abschnitt: Grenze nördlich von Waldacker

Grenze WaldackerWir gehen  zurück an die Dietzenbacher Grenzschneise, folgen ihr bis zur Kreisquerverbindung und überqueren diese. Wir haben an dieser Schneise keine Grenzsteine gefunden. Alternativ kann man an dieser Stelle parken. Nach ca. 300 m kommen wir an einen Querweg, wo die Dietzenbacher, Jügesheimer und Ober-Rodener Gemarkungen zusammenstoßen. Wir werden uns weiter unten mit der Jügesheim/Ober-Rodener Grenze beschäftigen (deren Steine mit "I" und "O" gekennzeichnet sind). Jetzt folgen wir der nach Westen verlaufenden Grenze von Dietzenbach mit Ober-Roden.

Es handelt sich hierbei um die alte Grenze des Röder Marker Waldes zur Feldgemarkung Ober-Roden. Das geht nicht nur aus alten Karten, sondern auch aus der aktuellen Flurkarte hervor. Südlich der dieser Grenze sind die vielen Grundstücke schmal parzelliert (Ackerparzellen), d.h. der Wald südlich der Grenze wurde nach 1819  aufgeforstet. In Lit. Nahrgang (2) ist bei XII 8/147 eine Karte des Zustand des Kreises Offenbach im Jahr 1860 abgebildet, auf der das Gelände nördlich dieser DI ORDI ORGrenze unbewaldet eingezeichnet ist. Auch hier muss später eine Aufforstung stattgefunden haben. Die an dieser Grenze stehenden Steine sind mit "D" für Dietzenbach und "O" für Ober-Roden gekennzeichnet. Sie sind z.T. nummeriert. Es ist schon eine Herausforderung, alle Grenzsteine zu finden; die Steine schauen z.T. nur wenig aus der Erde heraus. Sie sind manchmal vollkommen mit Laub und Moos bedeckt. Der gut sichtbare Grenzgraben erleichtert die Suche (an jedem Knick ist ein Grenzpunkt).

NO 18Von dem oben erwähnten "Dreigemarkungspunkt" gehen wir dem Weg nach Westen entlang. Am ersten Knick versteckt sich ein abgebrochener Stein, der restauriert werden müsste. Ein "D" und ein "O" ist zu erkennen, jedoch keine Nummer. Der nächste Stein ist mit "D", "O" und "NO 18" gekennzeichnet. Wir folgen dem Weg und finden die Steine Nr. 17, 16, und 14 (Nr. 15 konnte nicht gefunden werden). Bei Nr. Nr 514 wendet sich der Grenzgraben nach Süden in den Wald hinein. Nr. 13 ist verschwunden oder hat sich besonders gut versteckt. Mit einigem Gespür finden wir die Steine Nr. 12 und 11, jeweils an einem Knick des Grenzgrabens. Stein Nr. 10 wurde durch einen unregelmäßig geformten Basaltstein ersetzt (viel Erfolg beim Suchen!). Die Steine Nr. 9 und 8 stehen an einer Doppelbiegung des Weges nur 17 m voneinander entfernt. Stein Nr. 7 ist an einer Wegbiegung  leicht zu finden. Auf der Stelle, wo sich Stein Nr. 6 befinden müsste, liegen z.Z. (12/2013) Äste, so dass er nicht dokumentiert werden konnte. 2004 war er jedenfalls nich vorhanden. Stein Nr. 5 war ebenfalls schwer zu finden, er steht in Fluchtlinie der hinteren Grundstücksgrenze des letzten Hauses und Waldacker ganz dicht an einem Baumstumpf.

VermessungspunktDie Grenze überquert dann die Bundesstraße. Am Knick nach Süden erkennen wir einen modernen Granit-Grenzstein mit Weisung (Grenzpunkt Nr. 3). Nach 100 m biegt die Grenze wieder nach Westen ab. An diesem Grenzpunkt (Nr. 3) ist eine Grenzmarke in den Beton eingeschlagen. An der Bebauungsgrenze verläuft die Grenze wieder Richtung Süden. An diesem Knick (Grenzpunkt Nr. 2) konnte kein Grenzstein gefunden werden. Am nächsten Grenzpunkt (Nr. 1) steht erstaunlicherweise wieder ein historischer Stein mit der Inschrift "D" und "O", eine Nummer war nicht zu erkennen. Erstaunlich war der Fund deswegen, weil der Kopf nicht nur abgebrochen, sondern auch in zwei Teile gespalten war und die Teile noch vorhanden sind. Er wurde im März 2013 von mir restauriert und wiederaufgestellt.  Mit diesem Stein ist die Serie der Grenzsteine an der Grenze der Röder Mark zur Ober-Rodener Feldgemarkung beendet. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob der Grenzverlauf  zwischen den Grenzpunkten 1 und 4 dem historischen Verlauf entspricht.

4. Abschnitt: Vier Steine an der Grenze von Dietzenbacher zu Messenhausen und Urberach

DI MHDietzenbach SüdgrenzeVon dem ober beschriebenen Grenzstein Nr. 1 zieht sich  1818 definierte Waldteilungsgrenze Richtung Südwest schnurgerade bis an die Bebauung von Messenhausen. An dem Berührungspunkt der Dietzenbacher, Ober-Rodener und Messenhauser Gemarkung konnte kein Grenzstein gefunden werden, wohl aber 250 m südwestlich davon. Es handelt sich um die Gemarkungsgrenze von Dietzenbach und Messenhausen, konsequenterweise ist der Stein, dessen Kopf stark beschädigt ist, mit "D" und "M" gekennzeichnet. Eine Nummer ist nicht zu erkennen. Weitere Steine an dieser Grenze konnten nicht gefunden werden.

DIUR10Am Waldrand westlich von Messenhausen, hinter einem Reiterhof, dort wo die Gemarkungen Messenhausen, Urberach und Dietzenbach zusammenstoßen steht auf der Südseite des Weges ein ziemlich lädierter Grenzstein mit der Inschrift "D" und "U". Ein "M" für  Messenhausen ist nicht erkennbar. Der eigentliche Grenzgraben verläuft einige Meter im Wald, daher dürfte der Stein nicht an der Originalstelle stehen. Zwei weitere, sehr unscheinbare Steine stehen - nur wenig aus der Erde ragend - nördlich des Steinbruchs nahe der Grenze zu Offenthal.  Es wurde darauf verzichtet, sie auszugraben.

Hiermit wäre unsere Umrundung von Dietzenbach beendet, die wir im Kapitel GO-DI begonnen und mit dem Kapitel DIVL weitergeführt hatten.

5. Abschnitt: Die Grenze zwischen Ober-Roden und Jügesheim
OR-JU KarteDieser Ausflug über die Grenzen der Dreieich hinaus bietet sich an, weil die  Grenzline zwischen Ober-Roden und Jügesheim am Berührungspunkt der Gemarkungen Dietzenbach, Ober-Roden und Jügesheim beginnt und somit leicht zu erkunden ist, wenn man schon einmal in der Gegend ist. Es handelt sich um die Grenze zwischen der 1818 aufgelösten Rödermark (Waldmark) und der Feldmark Ober-Roden. Bei der auflösung der Rödermark erhielt Jügesheim das Waldgebiet (nord)östlich dieser Grenze, die dann zur Gemarkungsgrenze wurde. Die Ober-Rodener Feldmark an dieser Grenze wurde aufgeforstet, noch heute handelt es sich um kleinzelligen Privatwald.
Man kann auf dem Parkplatz an der leichten Biegung der K 174 (Kreisquerverbindung) sein Fahrzeug abstellen und folgt dem Weg nach Süden, dem Grenzweg von Dietzenbach und Jügesheim. Am Ende der Schneise ist der Treffpunkt der Grenzen von Dietzenbach, Ober-Roden und Jügesheim (der oben erwähnte "Dreigemarkungspunkt"). Leider steht an diesem Punkt kein Grenzstein (Dreimärker). Die Grenze Dietzenbach-Ober-Roden (Waldacker) zweigt nach rechts (Westen) ab, die von Ober-Roden und Jügesheim führt geradeaus in südlicher Richtung entlang eines gut sichtbaren Walls mit Grabens, der von einem Pfad begleitet wird. Dort, wo der Graben nach Osten knickt, findet man OR-JU 02OR-JU 02Stein OR-JU 01. Er steckt tief in der Erde, die Inschriften ("O" für Ober-Roden und "I" für Jügesheim) sind nur zu erahnen. man folgt dem Graben nach Osten durch dichten Wald, bis man zu Stein OR-JU 02 kommt, bei dem man deutlich die Zeichen O und I erkennen kann. Man stößt dann auf einen Weg und hält sich rechts. 170 m weiter findet man Stein OR-JU 03 im Knick des Grenzgrabens rechterhand. 20 m weiter nach Osten schaut Stein OR-JU wenige Zentimeter aus dem Boden des Weges. Man folgt dem Weg nach Südwesten. Am Grenzpunkt 05 war kein Stein zu Regionalpark-Stelefinden. Stein OR-JU 06 steht versteckt rechterhand an einem Knick des Weges. Der nach Süd-Ost abknickende Grenzverlauf wird nicht durch einen Graben oder Wall gekennzeichnet. Man kommt aber die ungefähre Richtung der Grenze folgend an einen Graben. Man geht ostwärts dem noch zu erahnenden Graben entlang bis man zur Schwarzlacheschneise kommt. Mitten auf dem Weg schaut ein unbeschrifteter Läuferstein (08) aus der Erde. Der nächste Stein, OR-JU 09, ist schwer zu entdecken: Er steht ca. 10 Meter nördlich des Wegs im Wald. Ich habe ihn durch Extrapolation der Fluchtlinien des Grenzverlaufs finden können. Auch  Stein OR-JU 10 habe ich zunächst übersehen, er versteckte sich unter einer dicken Mooshaube. Der Grenzpunkt 11 ist mit einem Holzpfahl mit einer Metallmarkierung gekennzeichnet. Nicht zu übersehen ins Stein OR-JU 12, der an einem Wegknick den Grenzpunkt markiert. In Lit. Huther gibt es auf S. 55 eine Karte, in der am nächsten Wegknick ein Grenzstein eingetragen ist. Dieser ist leider nicht mehr vorhanden. Wenn man die wenige Dutzend Meter auf dem Grenzweg bis zum Waldrand lauft, kann man eine Regionalpark-Stele finden, deren Aufschrift rechts abgebildet ist. (Nov. 16)



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