Steine in der Dreieich
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Ysenburg - Hessen Darmstädtische Grenzsteine


Anschauen in Google Earth
Die Grenze zwischen  dem Fürstentum Ysenburg und der Landgrafschaft Hessen Darmstadt wurde 1783 zwischen der Gehspitz und einem Punkt im Wald östlich der Kreisstraße K 172 (in der Nähe der Dreieichenhainer Sportanlagen) mit insgesamt 115 Grenzsteinen neu markiert. Es gab immer wieder Grenzstreitigkeiten, speziell bei der Verfolgung von Wild während der Jagd der hohen Herren. Die Kosten der Steinsetzung mussten selbstverständlich die Anwohner der umliegenden Gemeinden tragen. Im Jahr 1816 wurde beim Wiener Kongress das Fürstentum Ysenburg dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen. Die neu ausgesteinte Grenze hatte demnach nur 33 Jahre Bestand. Im Folgenden habe ich die verfügbaren Informationen über diese Grenzsteine zusammengestellt. Es ist sehr interessant, diese Grenzlinie mit einer Fahrradtour vom Dreieichmuseum bis zur Gehspitz zu erkunden.

Diaschau

Diese Picasa Diaschau zeigt die noch existierenden Steine dieser Grenze. Sie erhalten hier einen ersten, kleinen Eindruck von diesen historischen Kleindenkmalen. Die Fotos wurden im Frühjahr 2010 gemacht. Sie können sich die Bilder  durch Anklicken auch einzeln und in größerer Auflösung anschauen 
 
 Grenzverlauf

Y-HD GrenzsteinkarteDurch das Klicken auf die nebenstehende Abbildung kann eine Karte mit dem Grenzverlauf und der Position der einzelnen Grenzsteinen heruntergeladen werden. Die Nummerierung begann bei der Gehspitz mit 1 und endete mit 88 an dem „Hainer Bürgeracker“ an der alten B 3 (= nördlicher Abschnitt). Hier beginnt sie wieder mit 1 bzw. 2 und endet mit 27 am „Hanauer Koberstadt Feld“ (= südlicher Abschnitt). Die nebenstehende Karte (vergrößerbar) zeigt den Grenzverlauf mit den noch existierenden Steinen. Auf dieser Karte ist auch eine Fahrradtour entlang der Grenzlinie vorgeschlagen. Eine ausführliche Beschreibung der Tour ist in der "Landschaft Dreieich" 2011 erschienen.

Google EarthBei unserer Grenzbegehung haben wir die Position der Steine mit einem GPS Gerät (Garmin Oregon 400) bestimmt. Die GPX Datei kann hier heruntergeladen werden und auf der Festplatte gespeichert werden. Ggf. müssen Sie die Daten über die Zwischenablage in einen Texteditor kopieren und dann als *.gpx Datei abspeichern. Sie kann dann in Google Earth / Maps und anderen ähnlichen Programmen importiert werden. Die Daten können auch in ein GPS Gerät überspielt werden. Damit können die Steine leichter aufgefunden werden. Bitte beachten Sie, dass auch Steinpositionen einiger verlorengegangener Steine dargestellt werden.

 
Publikationen


Ysenburger GrenzsachenMit einem Klick auf das nebenstehende Bild können Sie die Publikation des verstorbenen Dreieicher Heimatforscher Rolf K. Nieß "Ysenburgische Grenzsachen zwischen Ysenburg und Hessen Darmstadt - Eine Beschreibung des Grenzverlaufes und der Neuaussteinung im Jahr 1783" in Stadt und Landschaft Dreieich, Band 9 (1984) als PDF Datei herunterladen. Dies erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Frau Schickedanz (geb. Nieß). Darin gibt er detaillierte historische Hintergrundinformationen. Das transkribierte Steinsetzungsprotokoll von 1783 wurde dort abgedruckt. Es sind darin die Abstände und die Winkel zwischen benachbarten Steinen beschrieben. Eine Kartenskizze und eine tabellarische Information zu den einzelnen Grenzsteinen ergänzten die Aufstellung. Von den ursprünglich 115 Steinen waren 1984 leider 43 Steine nicht mehr vorhanden. Die Publikation ist vergriffen, sie kann aber hier hochgeladen werden. Rolf K. Nieß hat für die Denkmalbehörde 1994 die Grenze nochmals dokumentiert, was allerdings nicht publiziert wurde. 

In der "Landschaft Dreieich" (2010) hat Martin Kaltenbach diese Grenzsteine erneut beschrieben. Auf seine dankenswerte Initiative hin sind einige Steine neu gesetzt worden. Er beklagt den Verlust von weiteren Steinen seit 1984. Glücklicherweise konnten wir bei intensiver Suche einige der von ihm vermissten Steine wieder auffinden. Weiterhin konnten einige Steine in Privatgärten identifiziert werden.

 
GrenzbegehungIm Jahr 1984 - praktisch zum 200. Steinsetzungsjubiläum- wurde von den Freunden Sprendlingens und den Langener Altstadtinitiative eine Grenzbegehung organisiert, das sehr lustig und erfolgreich gewesen sein soll. Durch Anklicken der nebenstehenden Grafik können Sie das Protokoll von dieser Veranstaltung herunterladen. Viel Spaß beim Lesen. Zum 100. Steinsetzungsjubiläum erschien im Langener Wochenblatt vom 22.12.1883 ein Artikel "Selbstgespräch eines Hundertjährigen", in dem einer der Grenzsteine die letzten hundert Jahre kommentiert. Der Artikel wurde von Wolfgang Deißler zur Verfügung gestellt.


Grenzstein-Update 2010

TabelleMit einem Klick auf die nebenstehende Abbildung kann eine Tabelle geöffnet werden, die zweierlei Informationen enthält: Zum Ersten werden die Bestandsaufnahmen von Nieß (sowohl aus seiner Tabelle als auch aus seiner Karte), Kaltenbach und Ott tabellarisch gegenübergestellt. Zum Zweiten sind in der Tabelle die Distanzen zwischen den Steinen und der entsprechende Grenzwinkel aus dem Grenzprotokoll von 1783 dargestellt. R steht für Rute, S für Schuh und Z für Zoll. Der Umrechnungsfaktor in Meter betrug im nördlichen Grenzabschnitt 470 (1 Langener Rute entspricht 4,70 Meter) und im südlichen Abschnitt 458 (1 Hainer Rute entspricht 4,58 Meter). Schuhe und Zoll sind metrisch definiert. Der Winkel ist in Grad und Minuten dargestellt, Y oder D steht für die Richtung des Innenwinkels.

Grenzstein-Update 2011
Karte HaufHerr Uwe Hartig aus Dreieichenhain hat mir freundlicherweise die Handrisse der Dreieichenhainer Flurgrenzen von 1852 elektronisch überlassen. Am Beispiel der Gemarkungsgrenze zum Langerner Mühltal hin, wird es deutlich, dass die Grenze früher enger besteint war. Glücklicherweise konnten die Steine von 1783 zum größten Teil erhalten bleiben, während die "Zwischensteine" meist verschwunden sind.  Auf der Abbildung rechts sind die existierenden Y-HD Steine und die Lage der Zwischensteine zu erkennen. Einer davon ist südlich von YHD 13 noch existent.

Grenzstein-Update 2012

Hainer TriftAuf der links abrufbaren Karte von 1663, die ich in Arcinsys entdeckte, steht die Kreuzung der Hainer Trift mit der Straße zwischen Sprendlingen und Langen im Mittelpunkt (Westen ist oben). Angehängt ist eine Legende mit der Beschreibung der Bedeutung der in der Karte benutzen Buchstaben. Die hier beschriebene Grenze ist 1783 neu besteint worden. Die Karte beweist, dass es den heute noch existierenden Grenzgraben in der Rostadt (H) bereits damals gegeben hat. "Die Hain" (E) dürften die Reste der Dreieicher Ringlandwehr sein (eigentlivch müsste sie auf der rechten Bildseite zwischen dem Weg und dem Graben verlaufen). Die gestrichelte Linie zwischen dem Langener und Sprendlinger Feld entspricht dem heutigen Rossertgraben. Der Grenzstein A liegt auf dieser Grenzlinie und dürfte dem heutigen Stein Nr. 88 entsprechen. Der Grenzstein B befindet sich auf der Karte mittig zwischen Grenzstein A und der Trift-Kreuzung. Auch er steht auf einer noch gültigen Gemarkungsgrenze zwischen Sprendlingen (=Ysenburg) und Dreieichenhain (= gemeinsamer Besitz von Ysenburg und Hanau).

Grenzstein-Update 2015

Alter GrenzwegIm März 2015 wurde auf Initiative von Martin Kaltenbach ein bisher noch nicht mit einem Namen versehener Verbindungsweg zwischen dem Pirschweg und dem Karl-Duchmann-Weg in Buchschlag mit dem Namen "Alter Grenzweg" bezeichnet. In einer kleinen Eröffnungsveranstaltung dankte Bürgermeister Zimmer (und ich als Vertreter des Amtes für Bodenmanagement und Geoinformation) Martin Kaltenbach für sein Engagement bei der Erhaltung dieser stummen Zeugen der Vergangenheit. An einer Infotafel hatte ich Gelegenheit, einige Informationen zur Geschichte dieser Grenze im Allgemeinen und der dort stehenden Grenzsteine im Besonderen zu geben. Erfreulich war, dass bei dieser Gelegenheit der bisher in einem Privatgarten aufgestellte Stein Nr. 21 der Öffentlichkeit wieder übergeben wurde. Lesen Sie -->hier einen Bericht aus op-online. Stein Nr. 21 wurde in der folgenden Woche an seinem alten Platz provisorisch (weil ohne Neuvermessung) wieder aufgestellt.

In dem Artikel in der Landschaft Dreieich beschrieb ich, dass der Stein 67 am Eingang der Trift bei Waldarbeiten umgestoßen wurde. Da dort die geplante Südumgehung von Buchschlag und Sprendlingen  verlaufen sollte, beschloss man, den Stein ins Dreieich-Museum zu verbringen. Allerdings wurde der Stein nächtens gestohlen. Die Freunde Sprendlingens appellierten  in der Offenbach-Post an den "Finder", den Stein wieder Herauszugeben. Und tatsächlich: kurz darauf lag der Stein wieder an seiner Stelle. Kürzlich erzählte mir Herr O.G. aus R. bei einem Gespräch, dass er der Bösewicht war. Er habe gedacht, bevor ein anderer ihn stiehlt, sichert er ihn in seinem Garten. Der Stein steht jetzt wie geplant im Dreieich-Museum und die Südumgehung wurde nicht gebaut.

Übersichtstabelle mit Abbildungen

Nördlicher Bereich
x x 3 4 5 6 7 x x 10 x x x x x x 17 18 xx 20
21 22 23 24 25 26
xx 28 29 30 31 32 33 34 xx 36 x 38 39 40
41 42 43 x 45 x x 48 49 x x x x x x x x x x x
x 62 x x 65 x 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80
x 82 83 84 85 86 87 88
Südlicher Bereich
x 2 3 x 5 x 7 8 9 10 11 x 13 14 15 16 x x 19 20
21 x 23 24 x 26 27

x = vor 1983 verlorengegangene Steine

xx = nach 1983 (bis März 2010) verlorengegangene Steine


Der Stein 67 (nördlicher Abschnitt) steht im Dreieich-Museum (Durchgang zum Restaurant)
Der Stein 8 (südlicher Abschnitt) befinden sich im Lapidarium der Hainer Burg.
Die Steine 24 (südlicher Abschnitt) und 18 (nördlicher Abschnitt) stehen im Langener Lapidarium
Der Stein 10 (südlicher Abschnitt) dient als Breitengrad-Denkmal in Dreieichenhain.
Die Steine 26 (2 Teile) und 43 (nördlicher Abschnitt) stehen in Privatgärten.
Der Stein 20 (nördlicher Abschnitt) wurde im Mai 2012 in einem Forstschuppen im Neu-Isenburger Wald wiedergefunden.
Der Stein 29 (nördlicher Abschnitt) wurde von einem Fahrzeug angefahren und im Dez. 2014 wieder aufgerichtet.

Schmiererei

Diese Abbildung des Steines 39 (nördlicher Abschnitt, Aufnahme 12/2014) beweist entweder die Dummheit oder Ahnungslosigkeit von Leuten, die offensichtlich eine Laufstrecke im Wald markierten. Nicht nur dass Bäume mit grüner Farbe besprüht wurden, es dienten auch historische Grenzsteine für diese Schmierereien. Der Stein ist auf der anderen Seite ebenfalls mit einem Pfeil versehen (wahrscheinlich für den Rückweg der Laufstrecke).



Details

Die ehemalige Grenze zwischen Ysenburg und Hessen Darmstadt ist heute noch eine aktuelle Grenzlinie, sie trennt Fluren und Gemarkungen. So ist sie die Grenze zwischen Neu-Isenburg und Buchschlag, Buchschlag und Sprendlingen, Langen und Sprendlingen sowie Langen und Dreieichenhain. Neben den typischen, großen Steinen von 1783 gibt es auf dieser Grenzline weitere Steine, die später gesetzt wurden. Wen es interessiert kann --> hier eine Beschreibung dieser zusätzlichen Besteinung herunterladen. Weiterhin gibt es detaillierte Informationen über verlorengegangene Steine, die ich auf Anfrage zur Verfügung stellen kann.