Steine in der Dreieich
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Myriametersteine & mehr


Wir blieben im August 2020 wieder nicht in der Landschaft Dreieich, sondern suchten die Steine im hessischen Ried auf. Dieser Bericht handelt von Myriametersteinen, Hektometersteinen, Rottensteinen, Polygonsteinen und Fronsteinen. Allen gemeinsam ist, dass sie mit Flussläufen, Deichen und Hochwasserschutz zu tun haben. Eine kurze Erklärung: Myriametersteine wurden um 1870 bei der Rheinvermessung alle 10 km am rechten und/oder linken Ufer gesetzt. Hektometersteine stehen alle 100 Meter am Flussufer. Rottensteine begrenzen das Zuständigkeitsgebiet der Einwohner von bestimmten Orten für die Deichüberwachung. Polygonsteine sind Vermessungsmarken auf Deichen (in Süddeutschland auch als Dämme bezeichnet), insbesondere zur Überwachung von Höhenveränderungen. Fronsteine sind ähnlich wie Rottensteine Begrenzungsmarken für die Zuständigkeiten  frondienstleistenden Bewohner flussnaher Orte. Ich danke Herrn Manfred Drobnik aus Gernsheim für die umfangreichen Informationen und Lagebeschreibungen zu den in diesem Bericht beschriebenen Steinen. Hier können Sie die GPX-Datei der Standorte aller in diesem Kapitel genannten Steine finden.

Myriametersteine in Hessen

Nach der Begradigung des Oberrheins beschloss die Rhein-Central-Commission der Rheinanliegerstaaten 1863 die Vermessung des Rheins von der Mittleren Brücke in Basel bis zur Rheinmündung. Alle 10.000 Meter wurden Vermessungsmarken, die Myriametersteine, aufgestellt. -->Sehr guter Wikipedia-Artikel. Üblicherweise trugen sie auf der Flussseite eine fortlaufende römische Bezifferung, darunter die Höhe über dem Amsterdamer Pegel. Die hessischen Steine bildeten eine Ausnahme, auf der Flussseite war nur die Entfernung von Basel in Kilometer angegeben (arabische Ziffern). Auf der Landseite sind die Entfernungen nach Basel und Rotterdam zu lesen und auf den Seiten die Entfernungen bis bzw. von der Landesgrenze. Dabei gab es Inkonsistenzen: z.B. an der Badisch-Hessischen Grenze und an der Hessisch-Preußischen Grenze (linke Rheinseite) wurde Kilometerschild 447mit vollen Kilometern weitergezählt, obwohl noch 330 m bzw. 480 m fehlten: die "kurzen Kilometer". 1939 beschloss man die Rheinkilometrierung an der alten Brücke in Konstanz beginnen zu lassen. Die Brücke in Basel steht bei Kilometer 166,66. Jeder volle Stromkilometer wurde mit einer großen rechteckigen weißen Tafel mit schwarzen Ziffern markiert, der 500 m Punkt mit einer kleineren Tafel mit einem Kreuz. Schmale Schilder mit den Ziffern 1-4 und 6-9 bezeichnen die dazwischenliegenden 100 Meterpunkte. Vor oder hinter diesen Schildern  sind häufig/meist Vermessungsmarken angebracht. Es kann sich dabei um Hektometersteine verschiedenster Form handeln, aber auch z.B. um Metallmarken im Boden.

Die Ausführungen in Lit. Schmitt aus 1993 über die Geschichte der Rheinvermessung ist recht interessant. Er beschreibt die Komplexität des Projektes, die hauptsächlich der "autonomen Rheinstaaterei" geschuldet war. Die Staaten definierten unterschiedliche Nullpunkte. Baden an der badisch-schweizerischen Grenze, Bayern (Pfalz) an der französisch-bayrischen Grenze, Hessen an der Rheinbrücke in Basel, Preußen an der hessisch-preußischen Grenze. Es war daher sinnvoll, dies 1939 mit dem Konstanzer Nullpunkt zu vereinheitlichen, wobei es allerdings an den Grenzen  zu Fehlstrecken kam, da die einzelnen Länder ihre eigene Kilometrierung nicht aufgeben wollten. Diese "kurzen Kilometer" traten auf in Stein am  Rhein (Baden-Schweiz), Lampertheim (Baden-Hessen) und Bingen (Hessen-Preußen).

Die Mittlere Brücke in Basel befindet sich seit 1939 bei Rheinkilometer 166,66. Folglich stehen die alten Myriametersteine im Badischen nicht bei ganzzahligen Rheinkilometern, sondern bei xy6,66 (z.B. 416,66; 426,55; 436,66). An der Badisch-Hessischen Grenze bei Lampertheim wird der Kilometer 436,66 als 437 definiert (zweiter kurzer Kilometer).

So viel zur Einleitung. Wir wollen uns hier zunächst mit den Myriametersteinen auf dem heutigen hessischen Territorium auf dem rechtsrheinischen Ufer beschäftigen. Um es gleich zu sagen: Es bleibt eine Reihe von Ungereimtheiten und offenen Fragen. Ich habe die Steine im August 2020 per Auto und Fahrrad erkundet.

Myriameterstein 27Auf der Landesgrenze zu Baden-Württemberg bei Lampertheim steht bei Rheinkilometer 437 der Myriameterstein 27  (-->Standort). Er ist nicht leicht zugänglich. Man fährt am südlichen Ortsende von Lampertheim die sog. Nato-Straße nach Westen. Vor einer 90 Grad Kurve geht es geradeaus zu einer Art Straußenwirtschaft "Zum Neurhein" direkt am Rheinufer. Hier kann man parken. Dann folgt man dem Weg parallel des Rheins nach Süden. Der Weg wird immer schmaler und endet im Gestrüpp und mannshohen Brennnesselbüschen. Hat man diese überwunden, erreicht man dann zerstochen das Schild mit der Aufschrift 437. Der weißgestrichene Myriameterstein steht ca. 20 m landeinwärts hinter dem Schild im Gebüsch. Auf der Flussseite ist in einem vertieften Feld "437" zu lesen. Auf der Landseite steht "440 km von Konstanz". Auf die Diskrepanz bei den Entfernungsangaben wird weiter unten eingegangen. Den unbeschrifteten Seitenteilen sieht man an, dass sie bearbeitet worden sind. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Stein um 1939 umbeschriftet wurde, die neue Rheinkilometrierung wurde vorne eingemeißelt und die Seitenbeschriftung entfernt. Ca. 100 m nördlich davon stolperte ich über einen roten Sandstein mit einer schwer entzifferbaren Inschrift. Fachleute lesen "SiE" (Antiqua). Ob es sich dabei um einen historischen Hektometerstein handelt oder nur um einen Güterstein?

MyriametersteinDen Myriameterstein 28 findet man auf der Maulbeeraue bei Nordheim/Biblis (-->Standort). Der weiß angemalte Stein steht sehr schön am Rheinufer am Kilometerschild 447. Die Inschriften entsprechen denen des Lampertheimer Steins: "447" und "450 Km von Konstanz". Man erreicht ihn mit einer schönen Fahrradtour vom Sportplatz am südlichen Ortsausgang von Nordheim. Nach dem Betrachten des Myriametersteins 447 kann man am Rhein entlang nach Norden fahren. Es gibt dort zwei Restaurants direkt am Rhein. Bei dem zweiten steht der hübsche Nordheimer Fährturm auf dem Rheindamm. Fährt man dem Winterdamm weiter nach Norden, kann man an einem Pumpwerk einen Rottenstein finden. In der Nähe liegen die Überreste der Burg Stein. Alternativ kann man das Auto am Ende der Altrheinstraße am Winterdeich parken und kommod zum Stein spazieren (1,6 km). Man passiert dabei einen schönen historischen Sandsteinbrunnen.

MyriametersteinDer nächste Myriameterstein Nr. 29 ist weniger leicht zu finden (-->Standort). In Groß-Rohrheim folgt man der Speyerstraße ins Feld. An der ersten größeren Kreuzung wendet man sich Richtung Rhein, überquert an einem Rottenstein den Winterdeich und folgt diesem Weg bis zum Altrheinarm. Dort wendet man nach links, folgt dem Weg ca. 450 m südwärts und biegt dann einen Pfad nach rechts ab, wo dann auch gleich der Stein zu finden ist. Er steht also nicht direkt am Rhein. Die Inschriften wie bei den anderen Steinen: "457" und "460 Km von Konstanz". Der Stein ist nicht weiß angestrichen, sondern steht sehr schön in seiner natürlichen Sandsteinfarbe unter einem großen Baum. Die Zahl ist in einem vertieften Feld eingeschlagen; die Seiten sind gestockt, wobei man noch eine Beschriftung erahnen kann.

Myriameterstein 467Der Stein Nr. 30 bei Biebesheim ist ein weißgestrichener Betonstein mit einer "467" auf der Flussseite. Die anderen Seiten sind leer (-->Standort). Man gelangt zu ihm, indem man am nördlichen Stadtausgang auf dem Neuen Weg (Natostraße) bis zur Rampe am Rhein fährt. Der Stein am Kilometerschild 467 steht ca. 1000 Myriameterstein 477m südöstlich dieser Rampe.

Der Stein 31 auf der Schusterwörth bei Leeheim (-->Standort), direkt am Kilometerschild  477, besteht ebenfalls aus weiß gestrichenem Sandstein. Eine "477" auf der Stromseite ist nicht zu erkennen. Überraschenderweise kann man auf der Landseite undeutlich lesen "480 Km von Konstanz". Man gelangt zu ihm, wenn man von Leeheim aus zu der Satellitenmessstelle am Winterdamm fährt, dann dem Weg nach Süden folgt und an der nächsten Abzweigung nach rechts abbiegt, bis man an den Rhein kommt.

Myriameterstein 487Beim Stein 32 in der Nähe von Trebur wird es wieder spannend (-->Standort). In Trebur fährt man den Riedweg bis zum Damm, der zur Insel Nonnenaue führt. Hier parkt man und schlägt sich per pedes ins Gebüsch bis man an den Sommerdamm kommt, den man dem Ginsheimer Altrhein ca. 100 m weiter folgt. Der Myriameterstein steht auf dem Damm leicht im Gebüsch und kann leicht übersehen werden. Er besteht aus Sandstein und ist nicht weiß angestrichen. der Korpus ist 47 x 47 x 80 cm groß. Er steht auf einem Fuß mit 60 x 60 cm Grundfläche. Auf dem flachzylindrischen Kopf (8 cm hoch) ist eine Eisenmarkierung eingelassen. Auf der Stromseite ist ein großes "320" zu lesen, auf der Landseite "320000 m von Basel". Auf der Südseite: "49971 m von der Landes Grenze" und auf der Nordseite: "14941 m bis zur Landes Grenze". Dieser Stein dürfte ein nicht umgearbeiteter Originalstein sein. Am Damm zur Insel Nonnenaue steht das Kilometerschild 487, darunter ein weißgestrichener Hektometerstein aus Beton mit der entsprechenden Inschrift "487".

Der Myriameterstein 33 am Rheinkilometer 497 auf der Maaraue bei Mainz-Kostheim besteht aus weißgestrichenem Beton am Kilometerschild 497 (-->Standort). Der Besuch dieses Steins rentiert sich aus anderen Gründen: Parkt man an der Straße "Mainufer" in Kostheim und fährt mit dem Fahrrad auf der Maaraue dem Treidelweg dem Main entlang, dann kommt man zum Nullpunkt der Mainkilometrierung. Vorher sieht man Hektometersteine die im 45 Grad-Winkel am Mainufer stehen. Auf den beiden dem Main zugewandten Seiten sind dann die einsprechenden 100 Meter Ziffern angebracht. N.B. Die Donau wird ebenfalls von der Mündung ins Schwarze Meer stromaufwärts kilometriert. Da das Delta aber kontinuierlich wächst, gibt es dort negative Kilometerangaben.

Wenn wir mit dem Wagen rheinabwärts fahren, passieren wir an der Gemarkungsgrenze von Mainz-Amöneburg und Wiesbaden-Biebrich die ehemalige Grenze zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Herzogtum Nassau, das 1866 in das Königreich Preußen einverleibt wurde. Der nächste Myriameterstein westlich des Schiersteiner Hafens (-->Standort) am Rheinkilometer 507 stünde auf preußischem Gebiet. Das Kilometerschild steht auf einer Steinbuhne. Ich habe darauf verzichtet, 300 m auf wackeligen Steinen diese Stelle zu erreichen. Vom Ufer aus war kein Myriameterstein zu erkennen. Am Rheindamm und dessen Vorfeld: kein historischer Stein weit und breit.

Zorn, Myriameterstein 35Myriameterstein HattenheimAm Myriameterstein 35 am Stromkilometer 517 bei Hattenheim aus gelblichem Sandstein (-->Standort) hat der Zahn der Zeit heftig genagt. Er ist stark verwittert. Eine Inschrift ist nur auf der Landseite zu erahnen. Der Stein ist in Lit. Zorn erwähnt: Danach war die  Landseite wie folgt beschriftet: "350 ooo K.M. von Basel - 474 450 K.M. bis Rotterdam". Auf den Seiten stand zu lesen:"15,227 K.M. von der Landes Grenze" und "336.703 K.M. bis zur Landes Grenze". Die letzte Aussage belegt, dass der Stein in preußischer Zeit gefertigt wurde. Die Stromseite ist mit "XXXV" beschriftet, wie aus einer Abbildung von R. Letzner von 2006 hervorgeht. Diese Inschrift war noch gut zu erkennen. Auch die anderen Seiten waren noch erheblich besser lesbar als heute. ie Höhenangabe über Pegel Amsterdam fehlt auf diesem Stein.

Auf dem Stein in Trebur sind es 14,941 km bis zur Landesgrenze. Addiert man dazu 15,227, erhält man als Summe 30,141. Dies ist die Entfernung zwischen beiden Steinen. Die 141 m Differenz zu vollen 30 km sind möglicherweise der Biegung des Rheins bei Mainz geschuldet, da die Kilometrierung in der Mitte der Fahrrinne definiert ist.

Myriameterstein RüdesheimIn Rüdesheim, jenseits des berüchtigten Bahnübergangs, ca. 30 m östlich des Rheinkilometerschildes 527 findet man am Bahndamm Myriameterstein 36 (-->Standort). Er ist aus Granit gefertigt und ist dementsprechend gut erhalten. Auf der Stromseite steht: "XXXVI. / 360,ooo K.M. von Basel / 464,450 K.M. bis Rotterdam" und an den Seiten: "25.227 K.M. von der Landesgrenze" und "326.703 K.M. bis zur Landesgrenze". Diese Zahlen sind eigentlich kompatibel zu denen, die Zorn bei Stein 35 dokumentierte. Die Landseite ist unbeschriftet. Die Höhenangabe über Pegel Amsterdam fehlt auch auf diesem Stein.

Myriameterstein LorchDer letzte Myriameterstein auf (heutigem) hessischem Gebiet stand bis vor kurzem bei Lorch am Rheinkilometer 537,48 (-->Standort) an der östlichen Seite der Bundesstraße 42 (-->Bild aus Wikipedia). Der Stein aus rotem Sandstein ist unbeschriftet. Als ich ihn aufsuchen wollte, stand ich vor einem Haufen Abrisstrümmer. Dort wird die Straße wegen des Baus eines Fahrradwegs erneuert. Eine Nachfrage beim örtlichen Kultur- und Heimatverein ergab, dass der Stein aufgrund der Baumaßnahmen umgestoßen wurde. Ein Bürger meldete dies der Gemeindeverwaltung; diese verwies auf die Zuständigkeit von HessenMobil. Kurz darauf war der Stein verschwunden. Ich habe HessenMobil angeschrieben mit der Bitte nachzuforschen, was mit dem Stein geschehen ist. Ich werde an dieser Stelle berichten.

Die linksrheinischen Myriametersteine des Großherzogtums Hessen habe ich im September 2020 per Auto, Pedes, Fahrrad und Motorrad aufgesucht und beschrieben. Der Stein Nr. 27 am Rheinkilometer 437 steht gegenüber dem von Lampertheim in Myriameterstein PetersauMyriameterstein Petersauder Nähe des Hofguts Petersau südlich von Worms (-->Standort). Das Hofgut hat eine eigene Abfahrt von der B 9. Von dort geht/radelt man der Rheinbegleitweg ca. 1000 flussabwärts. Der Stein befindet sich am Weg hinter dem Rheinkilometerschild. In einem vertieften Feld, das weiß angelegt ist, wurde "437" eingemeißelt. Darüber kann man noch undeutlich die römische Zahl XXVII erkennen. Die Seiten sind nicht (mehr) beschriftet; man erkennt jedoch Bearbeitungsspuren an der Oberfläche. Die Rückseite ist mit der Inschrift "440 Km von Konstanz" versehen. Man erkennt, dass die ursprüngliche Beschriftung eine andere war. Die römische Ziffer weist darauf hin, dass es sich um keinen großherzoglichen, sondern um einen bayrisch/pfälzischen Myriameterstein handelt. Die Grenze zwischen Hessen und Baden auf der rechtsrheinischen Seite stieß bei Rheinkilometer 437 an den Rhein. In der Rheinmitte traf sie auf die Grenze der Bayrischen Pfalz. Die hessisch - bayrische Grenze verlief dann ca. 1,5 km rheinabwärts und wendete sich dann nach Westen. Das ist in der -->Skizze angedeutet. Von dem Stein kann man sehr schön den "kurzen Kilometer" auf der anderen Rheinseite erkennen.

Der Stein Nr. 28 am Rheinkilometer 447 existiert nicht mehr. Am Rheinkilometerschild im Wormser Industriegebiet Nord (In der Hollerhecke) findet man nur einen Metallmarke mit "447,0".

 Der nächste Myriameterstein (Nr. 29) ist der auf der Ibersheimer Wörth bei Worms-Ibersheim Myriameterstein IbersheimMyriameterstein Ibersheim(-->Standort). Er steht nicht direkt am Rheinufer, sondern auf einem Parallelweg ca. 100 m weiter westlich. Man erreicht ihm am besten von Hamm aus (Landdamm Richtung Rhein, links, rechts, rechts, links bis zu einem Wochenendhaus, dann noch ca. 200 m nach rechts). Interessant ist, dass er auf der Flussseite mit "460"  beschriftet ist, obwohl er bei Rheinkilometer 457 steht. Auf der Rückseite ist "460 Km vom Konstanz" zu lesen. Die Seitenteile sind unbeschriftet. Der Stein besteht aus rotem Sandstein. Die Oberflächen sind deutlich bearbeitet. Wahrscheinlich wurden 1939 die alten Beschriftungen dadurch entfernt, indem man die Oberfläche ca. 1 cm abspitzte und glättete. Das kann man am Fuß des Oberteils erahnen. Der Steinmetz ging dann wohl davon aus, dass die Entfernung von Konstanz 460 km beträgt (wie auf der Landseite angegeben). Und dann hat er fälschlicherweise vorne anstatt einer "457" eine "460" eingemeißelt.

Myriameterstein EichMyriameterstein EichDiese recht plausible Erklärung wird gestützt durch den Myriameterstein Nr. 30 bei Eich. Man erreicht ihn von Eich aus, indem man in der Ortsmitte dem Hinweisschild zum Wochenendgebiet folgt. Die Straße führt direkt zu dem Stein am Kilometerschild 457 (-->Standort). Er besteht aus rotem Sandstein und ist weiß angestrichen. Eingemeißelt ist die Zahl "470", jedoch ist sie mit "467" übermalt. Hier hat man den Fehler erkannt und korrigiert. Die Seitenteile sind unbeschriftet. Auf der Rückseite ist nichts zu lesen. Beim Befühlen der dick überstrichenen Oberfläche kann man an den Unebenheiten Buchstaben erahnen. Wenn man die Farbe vorsichtig entfernen würde, käme wahrscheinlich "470 Km von Konstanz" zum Vorschein.

Der Stein am Kilometerschild 477 besteht  aus Beton und ist mit der Inschrift 477 auf der Stromseite versehen. Man findet ihn in der Nähe des Oppenheimer Flugplatzes.

Myriameterstein NackenheimMyriameterstein NackenheimMyriameterstein NackenheimDer nächste linksrheinische Myriameterstein (Nr. 32) steht in Nackenheim an der Rheinstraße auf dem Damm hinter einer Sandsteinmauer (-->Standort). Er ist neu angemalt. Am Fuß erkennt man sehr schön, dass er aus rotem Sandstein besteht. 1939 wurden nur die Ziffern auf der Flussseite beseitigt und in das vertiefte Feld etwas ungelenk der Stromkilometer "487" eingemeißelt. Die drei anderen Flächen blieben unverändert: Entfernungen von Basel und nach Rotterdam sowie nach den Landesgrenzen. Es ist der einzige Stein im ehemaligen Großherzogtum mit dem Hinweis auf Rotterdam. An dem Stein steht eine interessant gestaltete Infotafel.

Am linksrheinischen Stromkilometer 497 auf dem Winterhafendamm von Mainz findet sich nur ein moderner, etwas lädierter  Betonstein mit der entsprechenden Beschriftung unter dem Kilometerschild. 

Myriameterstein BudenheimMyriameterstein BudenheimInteressant wird es wieder mit dem Myriameterstein Nr. 34 am Rheinkilometer 507 bei Budenheim (-->Standort). Nach der Brücke über die Eisenbahn in Budenheim geht es nach rechts in die Uferstraße und über die Mainzer Straße und Backhausstraße kommt man dann an die Straße "Am Rhein", wo das Rheinkilometerschild nicht zu übersehen ist. Der weißgestrichene Stein ist wie der in Trebur noch in seinem originalen Zustand. An der Stromseite ist "340" eingemeißelt (schludrig mit schwarzer Farbe nachgesprayt). Auf der Landseite ist "340000 m von Basel", letzteres nur sehr undeutlich, zu lesen. Westseite: "22133 m bis zur Landes Grenze", Ostseite: "68600 m von der Landes Grenze". Die Grundfläche des Steins beträgt die üblichen 47 x 47 cm. Das Material besteht aus rotem Sandstein. Der Stein wurde 1939 nicht bearbeitet, es gibt keine Zahlen auf vertieften Feldern.

Myriameterstein IngelheimMyriameterstein IngelheimDas ist bei Myriameterstein 35 am Rheinkilometer 517 bei Ingelheim etwas anders. Den weißgestrichenen Sandstein erreicht man am besten von der Fähre nach Östrich-Winkel aus, indem man  gut 2 km den Rhein entlang ostwärts geht/radelt (-->Standort). Der Weg von Osten ist wenig attraktiv. Auf der Stromseite ist "350" eingemeißelt, auf der Landseite steht "350000 M. von Basel." Auf der Ostseite ist zu lesen: "78600 m von der Landes Grenze" und auf der  Westseite: "12133m bis zur Landes Grenze". Das ist die übliche Beschriftung eines originalen großherzoglichen Myriametersteins. Die Überraschung: Die "350" und die Entfernungsangaben zu den Landesgrenzen befinden sich in einem vertieften Feld. Die Inschrift "350000 M. von Basel." auf der Landseite befindet sich nicht in einem vertieften Feld. Unter dieser Inschrift - verdeckt durch das untere der beiden Eisenbänder, mit denen der Stein stabilisiert wurde - erkennt man ein weiteres vertieftes Feld. Eine neue Inschrift ist nicht zu erkennen. Dieser Befund ist nicht einfach zu interpretieren. Wenn die Entfernungsangebe von Basel ebenfalls erneuert worden wäre, hätte man vermuten können, dass es sich um einen umgearbeiteten Myriametersten handelt. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass etwa die Ziffer 5 aus einer 6 umgearbeitet wurde (dann hätte der Stein vorher in Bingen gestanden). Hat sich der Steinmetz bei der Arbeit vertan und musste die korrekten Zahlen in den vertieften Feldern nachtragen? Wir werden es wohl nie erfahren. Die Eisenbänder wurden zwischen 1997 und 2006 angebracht (Information: R. Letzner)

Bei Stromkilometer 527 müsste der letzte großherzogliche Myriameterstein stehen (Nr. 36). Das entsprechende Kilometerschild steht auf dem Damm des Binger Hafens. Dort steht ein etwas lädierter moderner Stein mit "527" auf der Nordseite. S. dazu bei einem Myriameterstein-Artikel von Reiner Letzner, der im Internet verfügbar ist.

Laut Wikipedia ist der nächste linksrheinische Myriameterstein  Nr. 40 erst wieder bei Rheinkilometer 567,48 in Boppard-Bad Salzig zu finden. Die hessisch-preußische Grenze verlief bei Bingen in der Mitte der Nahe. Dort (bzw. in der Verlängerung bis zur Strommitte) war offensichtlich der Ausgangspunkt der preußischen Kilometrierung. Dieser Punkt befindet sich 520 Meter stromabwärts von Rheinkilometer 529. Dort wird mit Rheinkilometer 530 weitergezählt. Daher steht/stand der nächste Myriameterstein in Lorch nicht bei Rheinkilometer 537 sondern bei km 537,480.

Die Übersicht ergibt ein recht inhomogenes Bild der großherzoglichen Myriametersteine.

Nr./Rhein-km/Ort Stromseite Landseite Seite stromaufwärts Seite stromabwärts
RECHTSRHEINISCH
27/437/Lampertheim 437 440 Km von Konstanz
28/447/Nordheim 447 450 Km von Konstanz
29/457/Groß-Rohrheim 457 460 Km. von Konstanz
31/477/Leeheim 480 Km. [von Konstanz]
32/487/Trebur 320 320000 m von Basel 48971 m von der LG 14941 m bis zur LG
LINKSRHEINISCH
29/457/Ibersheim 460 460 Km. von Konstanz
30/467/Eich 470 [470 Km. von Konstanz]
32/487/Nackenheim 487 320000 M. von Basel.
505165 M. bis Rotterdam
48600 m von der LG 14133 m bis zur LG
34/507/Budenheim 340 340000 m von Basel 68600 m von der LG 28600 m bis zur LG
35/517/Ingelheim 350 350000 m. von Basel. 78600 m von der LG 18600 m bis zur LG

Fett = Ziffern in vertieftem Feld, LG = Landes Grenze

Es gibt demnach mehrere Steinvariationen
Sandstein mit Kilometernummer von B. nicht vertieft, Hinweis auf Basel und Landesgrenzen (Trebur, Budenheim)
Sandstein mit Kilometernummer von B. vertieft, Hinweis auf Basel und Landesgrenzen (Ingelheim)
Sandstein mit Kilometernummer von K. vertieft, Hinweis auf Basel und Rotterdam sowie Landesgrenzen (Nackenheim)
Sandsteine mit Kilometernummer von K. vertieft, Hinweis auf Konstanz (Lampertheim, Nordheim, Groß-Rohrheim)
Sandstein ohne Kilometernummer, Hinweis auf Konstanz (Leeheim)
Sandsteine mit falscher Kilometernummer von K. nicht vertieft, Hinweis auf Konstanz (Ibersheim, Eich)
Betonsteine mit Kilometernummer von K, nicht vertieft, nur Rheinkilometernummer (Biebesheim, Kostheim, Oppenheim, Mainz)                                                            B. = Basel, K. = Konstanz

Soweit die Beschreibung der Hessischen Myriametersteine. Diskutieren wir im Folgenden einige offenen Fragen und Inkonsistenzen. Der Literatur ist zu entnehmen, dass die Myriametersteine ab 1863 gesetzt worden sind. Ab 1883 führten die Rheinuferstaaten eigene Kilometrierungen ein, beginnend an der Landesgrenze mit Null. Ausnahme war Hessen, das die Kilometrierung weiterhin an der Baseler Rheinbrücke ausrichtete. Es ist anzunehmen, dass die vorhandenen historischen hessischen Myriametersteine eine Beschriftung wie die des Treburer Steins aufwiesen. Die Inschriften der hessischen Steine unterscheiden sich von denen der üblichen Myriametersteinen: Statt der Stein-Nummer in römischen Zahlen ist die Entfernung von Basel in arabischen Ziffern eingemeißelt. Die Höhenangabe in Bezug auf Rotterdam fehlt. Trotzdem ist anzunehmen, dass es sich um die Original-Myriametersteine handelt und nicht etwaige Ersatz-Steine aus 1883. Die Steine sind aus rotem Neckarsandstein gefertigt. Die Steine bei Lampertheim, Nordheim, Groß-Rohrheim, Ibersheim, Eich und Nackenheim wurden 1939 in verschiedener Weise umgearbeitet; die neue Kilometrierung wurde - vertieft - auf der Stromseite eingemeißelt, ebenso die Entfernung von Konstanz. Die Hinweise auf die Landesgrenzen wurden eliminiert.  

Soweit ist alles verständlich. Kehren wir nochmals zum Myriameterstein bei Lampertheim bei Kilometer 437 zurück. Auf der Stromseite steht die Zahl 437 das bedeutet, dass es 437 km von besagter Rheinbrücke in Konstanz entfernt ist (die kurzen Kilometer außeracht lassend). Auf der Landseite steht jedoch, dass er 440 km von Konstanz entfernt sei. Wie ist die Differenz von 3 km zu erklären? Der Stein wurde 1939 umgearbeitet. Das bedeutet, dass die Differenz nichts mit einer Rheinbegradigung zu tun haben kann. Interessant in dem Zusammenhang ist ein Artikel in Wikipedia über die Rheinkilometrierung. Dort ist u.a. zu lesen: Auf der deutsch-schweizerischen Rheinstrecke zwischen Stein am Rhein und Basel (Hochrhein) misst die Zählung das deutsche Rheinufer ab. Dasselbe Prinzip findet auf der deutsch-französischen Rheinstrecke zwischen Basel und Lauterbourg Anwendung. Auf der übrigen Strecke zählt man die Länge der Strommittellinie. Ob die deutsche Uferlinie möglicherweise kürzer ist als die Linie in der Strommitte? Aber das kann nicht die Differenz von 3 km erklären.

Konstanzer TrichterAuf Basis der Recherchen von Manfred Drobnik kamen wir des Rätsels Lösung etwas näher. Der Konstanzer Trichter ist der einzige Bereich des Obersees, in dem eine Hoheitsgrenze (Deutschland - Schweiz) existiert. Im anderen Teil des Obersees behilft sich mit technischen Grenzdefinitionen. In einer Karte aus https://www.bodensee-geodatenpool.net/file/15.pdf wird ein "letzter Staatsgrenzpunkt im Konstanzer Tricher" genannt. Bestimmt man die Entfernung vom "letzten Staatsgrenzpunkt" zur Konstanzer Brücke, erhält man einen Wert von ca. 2235 (+) m.  Addiert man nun die 756 m der "kurzen Kilometer" hinzu, kommt man recht genau auf die vermissten 3 km Differenz. Das passt.

Rottensteine im hessischen Ried

Meinen ersten Kontakt zu Rottensteinen hatte ich 2013 als ich einen Rottenstein in Egelsbach beschrieb. Im Rahmen meiner Erkundungen im hessischen Ried suchte ich auf Basis der Informationen von Manfred Drobnik eine Reihe dieser Steine auf, fotografierte sie und dokumentierte ihre Standorte, die in den meisten Fällen nicht die Originalstandorte sein dürften.  Die folgende Aufstellung ist natürlich nicht vollständig.

Rottenstein GustavsburgGustavsburg, zwischen Eisenbahnbrücke und Autobahnbrücke auf Maindamm (-->Standort). Beschriftung:  "Rotten Stein", "Bischofsheim", "Gustavsburg", quadratische Grundfläche


Rottenstein GinsheimGinsheim, am Altrheindamm  (-->Standort). Beschriftung: "Rotten Stein", "Ginsheim", "Bauschheim", quadratische Grundfläche


Rottenstein Astheim 1Astheim 1, am Winterdamm westlich von Astheim (-->Standort). Beschriftung: "Rotten Stein", "Astheim I", "Trebur", quadratische Grundfläche.


Rottenstein AstheimAstheim 2, an der Straße nach Trebur hinter der Leitplanke, Schwarzbachdamm, (-->Standort). Beschriftung: "Rotten Stein", "Astheim II", Trebur II", quadratische Grundfläche


Rottenstein BauschheimBauschheim, an der Dammwache am Schwarzbach-Pumpwerk (-->Standort). Beschriftung: "Rotten Stein", "Bauschheim", "Astheim I", quadratische Grundfläche


Rottenstein TreburTrebur, an der Straße zur Nonnenau auf dem Schwarzbach-Damm (-->Standort). Beschriftung: "Rotten Stein", "Trebur I", Geinsheim II", "Dornheim", quadratische Grundfläche


Rottenstein Hessenaue nördlicher SteinHessenaue, nördlich am Winterdamm (-->Standort). Beschriftung: "Rotten Stein", "Trebur", "Hessenaue", quadratische Grundfläche


Rottenstein Hessenaue südlicher SteinHessenaue, südlich am Winterdamm (-->Standort). Beschriftung: "Rotten Stein", "Geinsheim", "Hessenaue", quadratische Grundfläche


Rottenstein Leeheim, LanggässerWegLeeheim, am Damm am Langgässer Weg (-->Standort). Beschriftung: "Rotten Stein", "Leeheim I.", "Leeheim  II.", quadratische Grundfläche (wurde falsch herum eingesetzt)


Rottenstein LeeheimErfelden, am Damm an der Straße nach Leeheim (-->Standort). Beschriftung: "Rotten Stein", "Leeheim", "Erfelden", quadratische Grundfläche


Rottenstein Stockstadt, DammdurchlassStockstadt, am Dammtor zum Kühkopf (-->Standort). Beschriftung Westseite: "Rotten Stein", sonst unbeschriftet, rechteckige Grundfläche


Stockstadt, WaldmühleStockstadt Modau, an der Umfassungsmauer der Waldmühle (-->Standort). Beschriftung Vorderseite "Rotten Stein", Seitenteile unbeschriftet, rechteckige Grundfläche


Rottenstein Biebesheim 1Biebesheim 1, am Winterdamm südlich des Kühkopfs (-->Standort). Beschriftung: "IIte Dammwache der Gemeinde Biebesheim", Nordseite "II", rechteckige Grundfläche


Rottenstein Biebesheim 2Biebesheim 2, am Winterdamm am Ende der Dammstraße  (-->Standort). Beschriftung auf der Westseite: "Rotten Stein. der Gemeinde Biebesheim." Der untere Teil der Fläche wurde in jüngster Zeit glattgeschliffen, wobei "der Gemeinde" fast vollständig eliminiert wurde. "Biebesheim" wurde wahrscheinlicherneuert. Auf der südlichen Schmalseite ist "II" zu erkennen, sonst ist der Stein unbeschriftet, rechteckige Grundfläche

Rottenstein Klein- Groß-RohrheimKlein-Rohrheim, Grenze zu Groß-Rohrheim an einem historischen Sperrwerk südlich der B44-Brücke über B44 alt und Bahnlinie gegenüber Kröhnke-Denkmal. (-->Standort). Beschriftung: "IIte Rottenbezirk der Gemeinde Grosrohrheim?", rechteckige Grundfläche

Rottenstein RohrheimGroß-Rohrheim, am Winterdamm (-->Standort). Beschriftung: kaum lesbar, wahrscheinlich "I. Rottenbezirk der Gemeinde Grosrohrheim", rechteckige Grundfläche


Rottenstein Nordheim-BiblisNordheim, am Pumpwerk in der Nähe der Weschnitzmündung (-->Standort). Beschriftung: "Dammwache der Gemeinde Nordheim", rechteckige Grundfläche


Rottenstein LampertheinLampertheim am Bootshaus des Wassersportvereins (-->Standort). Beschriftung ist schwer lesbar:
"I Dammwache der Gemeinde Lampertheim", rechteckige Grundfläche.


Rottenstein EgelsbachDer oben erwähnte Rottenstein in Egelsbach soll der Vollständigkeit halber hier nochmals aufgeführt werden (-->Standort). Beschriftung: "Rotten Stein." Auf einer Schmalseite: "III", rechteckige Grundfläche.


In der Deichmeisterei in Biebesheim, Dammstraße 32, werden weitere Rottensteine aufbewahrt:
"Rotten Stein" "Geinsheim" "Leeheim II."(quadratisch, in Grünanlage aufgestellt)
"2 ter Rottenbezirk der Gemeinde Nordheim", "(1ster?) Rottenbezirk der Gemeinde Nordheim" (rechteckig, in Grünanlage aufgestellt)
"III te Dammwache der Gemeinde Biebesheim" (rechteckig, im Schuppen liegend)
"Rottenbezirk der Gemeinde Bürstadt" (rechteckig, im Schuppen liegend)

 
Polygonsteine im Hessischen Ried

Polygonstein DeichmeistereiPolygonsteine LampertheimPolygonsteine sind Vermessungssteine in einem Polygonnetz, oft entlang von Wegen und Straßen. Die Polygonsteine, über die hier berichtet werden soll, dienten früher insbesondere zur Höhenbestimmung von Deichkronen. Dies ist relevant, um möglichen Setzungen entgegenzuwirken. Durch die Fortschritte in der Vermessungstechnik sind sie überflüssig geworden. Da sie bei der Deichpflege störten, wurden sie häufig entfernt. In der Deichmeisterei in Biebesheim ist ein Stein mit der Nummer 1382 aufbewahrt. Sie bestehen aus einem vierkantigen Fuß von ca. 60 cm Länge, einer 20 cm hohen Säule mit einem Durchmesser von 30 cm. Auf einer Seite ist ein 5 cm dicker Metallbolzen als Höhenmarke angebracht, auf der anderen Seite ist eine Zahl zu lesen, die nicht die Höhe über NN angibt. Das Material ist Basalt. Am Altrhein bei Lampertheim (Restaurant Fährhaus), am Ende der Biedensandstraße (-->Standort) sind vier solcher Polygonsteine aufgestellt. Während meiner Ried-Erkundungen ist mir eine Reihe von weiteren Polygonsteinen aufgefallen. Auf Anforderung stelle ich gerne die Koordinaten zur Verfügung. Bei Ingelheim (zwischen Rhein-Schänke und der Fähre) haben wir vier Polygonsteine gefunden, die sich offensichtlich noch an den Originalstandorten befanden. Die Nummerierungen: 395, 397, 399 und 407. Dies weist darauf hin, dass die Nummerierung am Flussufer in fortlaufender Weise erfolgte. In Lampertheim stehen Polygonsteine mit Nummern über 1000 (1190, 1192, 1254, 1318). Offensichtlich sind die geraden Nummern der rechtsrheinischen und die ungeraden Nummern der linksrheinischen Seite zugeordnet. Manfred Drobnik fand bei Eich auf der linksrheinischen Seite direkt am Rheinufer eine Serie mit den Nummern 135, 137, 139, 143, 145 und 149 undin Biebesheim Steine mit den Nummern 120 und 122. Interessant ist die Information aus Lit. Schmitt, dass ein solcher Stein mit der Nummer 1 ca. 43 m nördlich des Myriametersteine Nr.27 bei dem Hofgut Petersau steht. Alle linksrheinischen Polygonsteine, die ich gefunden habe, besitzen auf dem Kopf ein Zentrierloch, was bei den rechtrheinischen Polygonsteinen nicht der Fall war (Ausnahme: Trebur).


Fronsteine an der Weschnitz

Vier interessante Steine stehen am Weschnitzwehr in der Nähe von Lorsch (-->Standort). Es handelt sich um Frondienst-Abschnittsteine an der Weschnitz, die um 1780 gesetzt wurden. Auf der Infotafel ist folgendes zu lesen:

FronsteineZum Schutz vor Überschwemmungen mussten die Kurmainzer Untertanen Jahr für Jahre die Weschnitz säubern das Bett auf die gehörige Weite und Tiefe ausheben, die Dämme ausbessern, erhöhen und befestigen. Zu dieser harten Fronarbeit wurden die arbeitsfähigen Männer des Oberamtes Starkenburg und des Amtes Gernsheim Fronsteineherangezogen. Jede Gemeinde hatte, je nach Mannschaftsstärke, seinen durch mächtige Steine gekennzeichneten Abschnitt. Je Mann wurde eine Arbeitsleistung von 3,70 m pro Tag gefordert.

Zwölf dieser Steine standen am so genannten oberen Abschnitt (von Biblis-Kleinhäuser Grenze Bach aufwärts bis zum Zusammenfluss der alten und der neuen Weschnitz bei Lorsch) unverrückbar auf dem Damm eingegraben. Auf den Distriktsteinen wurde der Name der Gemeinden eingehauen und somit der jeweilige Arbeitsabschnitt festgelegt. Nach 1803 verloren diese Steine ihre Bedeutung. Man entfernte sie vom Weschnitzdamm. Beim Ausheben des neuen Landgrabenbettes kamen im August 1971 vier ehemalige Abschnittssteine zum Vorschein. Sie waren offensichtlich zur Verfüllung verwendet worden. Im Jahr 1880 wurden die Steine im Rahmen des Heimatkundlichen Lehrpfades hier aufgestellt. Als seltene Flurdenkmäler sollen sie der Nachwelt erhalten bleiben und erinnern, wie hart unsere Vorfahren mit der unbändigen Weschnitz gerungen haben.

Vermessungssteine bei Gernsheim

Stein Nord mit Manfred DropnikStein Mitte an der WallfahrtskapelleStein SüdDrei Steine und eine Informationstafel bei Gernsheim erinnern an die historische Landvermessung 1908. Der nördliche Stein steht an der Straße von Gernsheim nach Pfungstadt (-->Standort), Bild links mit Manfred Drobnik, der mich zu den Steinen führte. Der mittlere befindet sich an der kleinen Kapelle "Maria Einsiedel" südöstlich von Gernsheim (-->Standort) und der südliche an der Umgehungsstraße von Groß-Rohrheim (-->Standort). Sie wurden 2008 zum 100. Jubiläum der zweiten Basismessung im Großherzogtum Hessen gesetzt. Eine Messingtafel ist auf ihnen befestigt.
Für eine Triangulation benötigt man Winkel und Entfernungen. In dieser Basismessung bei Gernsheim wurde die Entfernung zwischen zwei ca. 5 km voneinander entfernten Eichpunkten genau vermessen. Somit konnte ein Dreieck zum Melibokus und zu anderen Messpunkten genau bestimmt werden. Die Eichpunkte bei Gernsheim sind in Form von unterirdischen Betonwürfeln markiert. Die beiden äußeren Gedenksteine liegen in nördlicher und südlicher Verlängerung der Basislinie an zugänglicheren Orten; die Lage des mittleren Steins an der Kapelle entspricht der eines historischen Zwischensteins. Die erste Basismessung fand 1808 zwischen dem Turm der Darmstädter Stadtkirche und dem Kirchturm in Griesheim statt (Lit. Heckmann und Will). Im Friedensplatz in Darmstadt war eine runde Bronzeplakette eingelassen, die an die erste Basismessung erinnern soll. Ich werde gelegentlich nachschauen, ob sie nach der Neugestaltung des Platzes noch vorhanden ist.

Auf der Infotafel am südlichen Gedenkstein ist folgendes zu lesen:

Historische Landesvermessung
Die Basis bei Gernsheim von 1808

Unsere Erdoberfläche wurde schon lange vor der Verfügbarkeit von satellitengestützten Verfahren vermessen. Seit dem frühen 17. Jahrhundert wendete man dazu die sog. Triangulation an. Dabei wurde die Landschaft mit Dreiecksnetzen überzogen, deren Winkel man mit Theodoliten ausmaß. Die ermittelte Lage der Dreieckspunkte bildete die geodätische Grundlage für die Erstellung von Landkarten. Kennt man in einem Dreiecksnetz die Länge einer Dreiecksseite (der „Basis"), dann lassen sich auch die Längen aller anderen Dreiecksseiten mit trigonometrischen Formeln (Sinussatz) berechnen. Die genaue Bestimmung einer Basis ist jedoch kompliziert.

In Hessen sind lediglich zwei Basismessungen durchgeführt worden. Die erste erfolgte 1808 zwischen Darmstadt und Griesheim. Diese Basis war rund 7.750 m lang und legte den Maßstab der „Alten Triangulation" des Großherzogtums Hessen fest.

Die zweite Basis wurde 100 Jahre später unter der Leitung des Wasserbaugeometers Karl Blaß gemessen. Sie verlief östlich von Gernsheim etwa in Nord-Süd-Richtung. Ihre Länge wurde mit drei exakt geeichten Metalldrähten zu 4.952,135 m bestimmt Die Vermarkung des Anfangspunkts „Basis Nord“, des Endpunkts „Basis Süd“ sowie der vier Zwischenpunkte erfolgte unterirdisch mit Betonwürfeln, die bis heute erhalten geblieben sind.

Die Gernsheimer Basis wurde durch Winkelmessungen mit den Punkten „Melibocus“ und „Eich“ der „Neuen Hessischen Triangulation“ verbunden, sodass sich die Länge dieser fast 17 km langen Strecke unabhängig kontrollieren ließ. Die Abweichung betrug 0,141 m (weniger als 1 cm pro km), was innerhalb des Unsicherheitsbereiches der damaligen Bestimmung lag.

Zum 100-jährigen Bestehen wurde die Basis durch das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation neu vermessen. Danach war die 1908 ermittelte Länge nur 31 mm zu kurz gewesen. Die Basismessung bei Gernsheim war eine bemerkenswerte geodätische Präzisionsarbeit.

Zur Erinnerung wurde der Streckenverlauf an drei Stellen (Exzentrum Basis Nord, Zwischenpunkt 4 und Exzentrum Basis Süd) durch Granitpfeiler mit Metallbolzen örtlich sichtbar gemacht. Zwischenpunkt 4 befindet sich 3.304,168 m vom alten Anfangspunkt „Basis Nord“ und 1.647,998 m vom alten Endpunkt „Basis Süd“ entfernt.



 

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