Steine in der Dreieich
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Sühnekreuze


Im Dreieichgebiet, besonders in der Gemarkung Offenthal, gibt es - trotz beträchtlicher Verluste in den letzten Jahrzehnten - relativ viele Steinkreuze bzw. Sühnekreuze und Kreuzsteine, die allesamt gut beschrieben sind. Die ultimative Website in Deutschland für Informationen über diese Kulturdenkmäler ist http://www.suehnekreuz.de. Frau Gesine Weber von der Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach hat für den Kreis Offenbach eine Zusammenstellung aller Sühnekreuze erarbeitet, die --> hier zu finden ist. Daraus sind die Maße und Koordinaten sowie weitere Einzelheiten über diese Kleindenkmäler zu entnehmen. Eine KML-Datei für Google Earth ist -->hier aufzurufen.

Solche inschriftlosen steinernen Sühnekreuze wurden etwa zwischen 1200 und 1600 aufgestellt. Nach einem Totschlag wurde in einer Verhandlung zwischen der Obrigkeit, dem Täter und seiner Familie sowie der Familie des Opfers ein Vertrag ausgehandelt, der eine ganze Reihe von Bußen enthielt. Unter anderem sollte am Ort der Tat ein steinernes Kreuz aufgestellt werden, um an die Tat zu erinnern. Hintergrund war letztlich, die damals übliche Blutrache zu verhindern.

Es ist nicht sehr sinnvoll, die Sühnekreuze erneut detailliert zu dokumentieren. Dafür wird im Folgenden eine Fahrradtour beschrieben, bei der wir alle bekannten Sühnekreuze im erweiterten Dreieichgebiet "erfahren" können. Viel Spaß dabei !

Dreieichmuseum Die Tour beginnt im Dreieich-Museum in der Dreieichenhainer Burg. Hier stehen in einem
Seitenraum neben einigen schönen Grenzsteinen drei Sühnekreuze. Die beiden Kreuze auf dem linken Bild haben eine interessante Geschichte: Das unbeschädigte Kreuz (rechts im Bild) stand bis 1936 am Alten Berg bei Götzenhain unmittelbar an der Gemarkungsgrenze von Dreieichenhain. 1933 fand man neben diesem Kreuz in einem Schutthaufen das andere, stark beschädigte Kreuz, das man dann neben dem erstgenannten aufstellte. Bei Bauarbeiten im Jahr 1956 mussten die Kreuze versetzt werden. Dabei wurde das beschädigte Kreuz gestohlen. Karl Nahrgang entschied sich, das andere Kreuz im Dreieich-Museum zu sichern. Die Diebe des Steinkreuzes, offensichtlich angesehene, honorige Mitbürger (die Namen sind in Lit. Dittler nachzulesen), stellten das Kreuz in ihrem Garten auf. Nach ihrem Tod übergab die Tochter der Entwender dankenswerterweise das Kreuz dem Dreieich-Museum. Seitdem sind die Kreuze wieder vereint. 

Dreieichmuseum 2Das  dritte Kreuz im Dreieich-Museum stand zusammen mit einem ähnlich gestalteten Kreuz an der Straße von Götzenhain nach Dietzenbach (s. Abb.). Dieses zweite dort stehende Kreuz wurde 1974 bei Straßenbaumaßnahmen gestohlen. Um das andere vor einem gleichen Schicksal zu bewahren, wurde es dort fest einbetoniert. 1976 wurde es abgebrochen und herausliegend vorgefunden. Es wurde seltsamerweise in ein Museumsdepot nach Dieburg verbracht. Erst im Jahr 2000 wurde es auf Veranlassung von T. Seibert, Offenthal, in das Dreieich-Museum Neue Dauerausstellungüberführt, wo es von vornherein wegen der Nähe zum Standort  hingehörte.

Anmerkung 5/2017: Am 21. Mai 2017 wurde die neue Dauerausstellung im Dreieich-Museum eröffnet. Es gibt dort eine sehr schön gestaltete, informative Abteilung, die sich mit den Sühnekreuzen in der Landschaft Dreieich beschäftigt. In dieser "Koje" werden auch die drei Sühnekreuze gezeigt, die oben beschrieben wurden.


Dreieichenhainer BurgMarktkreuzWir verlassen die Burg und erkennen gegenüber der Burgbrücke das im August 2014 aufgestellte "Marktkreuz" (Abb. rechts). Es ist kein Sühnekreuz, sondern soll an die seit dem Mittelalter bestehenden Marktrechte im Hain erinnern. Es wurde im Rahmen eines Bildhauersymposiums am Hainer Burgfest 2013 gestaltet. Die dort eingemeißelte Jahreszahl 1180 ist allerdings historisch nicht belegt. Wir gehen weiter Richtung Untertor. Von der Fahrgasse aus erkennen wir im Stützpfeiler der Palasmauer ein schräg eingemauertes Sühnekreuz, das mit seinen gleichlangen Armen an ein Andreaskreuz erinnert (Abb. links). Über dessen ursprünglichen Standort ist nichts bekannt. -->Standort

LangenWeiter geht es am Dreieichenhainer Friedhof vorbei durch den Wald über den Paddelteich in die Langener Altstadt. In der Bachgasse entdecken wir zwei dicht beieinander in den Boden eingelassene Sühnekreuze. Sie sind unterschiedlich groß. Im kleineren ist eine hakenförmige Vertiefung zu sehen (= Pflugsech), wahrscheinlich ein Hinweis auf die Herkunft des Opfers. Früher lag zwischen beiden Kreuzen ein Steinblock, der bei der Platzumgestaltung 1970 entfernt wurde (s. Abbildung von der Website des Kreises Offenbach) Leider wurden bei diesem Anlass die beiden Kreuze vertauscht. Man sollte sich dies für die nächste Platzumgestaltung merken. -->Standort

Kreuzstein DHKreuzstein PEWir fahren zurück durch das Naherholungsgebiet am Paddelteich an den großen Grenzsteinen der ehemaligen Ysenburgisch - Hessen Darmstädtischen Grenze vorbei Richtung Götzenhain. Ca. 50 Meter vor der Einmündung der Breite Haagwegschneise in die Langener Straße (bzw. Im Haag) steht ca. 5 Meter südlich der Schneise ein Kreuzstein (Abb. links) über den nicht viel bekannt ist.
UTM:  -->Standort
Im Philippseicher Wald im Distrikt Lauxensee steht ein ähnlicher Kreuzstein (rechts). Rätselhaft an diesem war die Tatsache, dass an dieser Stelle noch niemals eine Grenze verlief. Ein zufälliges Gespräch mit einem Bewohner von Philippseich brachte die Aufklärung: Er fand diesen Stein abgelegt auf einem Steinhaufen hinter Philippseich. Er stellte ihn in den Wald auf die andere Seite der Philippseicher Straße und begrub an dieser Stelle seine Hunde! Eine ungewöhnliche Umwidmung eines historischen Grenzsteines. -->Standort

Offenthal 1Offenthal 2An den Tennisplätzen vorbei kommen wir ins offene Feld. Ca. 30 Meter hinter dem letzten Tennisplatz weist ein Schild zu den beiden mittelalterlichen Sühnekreuzen. Ein drittes Kreuz, das dort gestanden haben soll, ist seit langem nicht mehr vorhanden. Das größere Kreuz hat einen verkürzten Arm.  Auf einer Seite ist ein Kreuz eingemeißelt. Das andere ist deutlich kleiner. Auf dem Kopf befindet sich eine Vertiefung. Beide Kreuze stehen vor knorrigen, am Boden verzweigten Eichen. Es ist faszinierend, diesen geschichtsträchtigen Ort im Verlauf der Jahreszeiten aufzusuchen: Immer wieder erlebt man andere Stimmungen und Impressionen. Nur die Hochspannungsleitungen stören das romantische Bild. -->Standort

Sühnekreuz unter AstNachtrag 7/2013: Das linke, sehr fragil wirkende Sühnekreuz steht direkt unter einem mächtigen waagrecht gewachsenen Ast der Eiche, von dem bereits ein Nebenast abgebrochen ist. Es dürfte nur eine Frage der Zeit zu sein, bis dieser schwere Ast abbricht und das Sühnekreuz zerstört. Ich habe die Stadtverwaltung Dreieich gebeten, diesen Ast zu entlasten. Es sind daraufhin einige periphere Zweige entfernt worden. M. E. besteht immer noch die Gefahr, dass der Ast bei einem Sturm abbricht und das Sühnekreuz beschädigt.

GötzenhainWeniger romantisch ist die Umgebung des nächsten Sühnekreuzes auf unserer Tour, das wir erreichen, wenn wir nach Götzenhain hineinfahren und uns an der Agip Tankstelle Richtung Dreieichenhain bewegen. Kurz hinter der Einmündung des Goetherings in den Hainer Weg steht rechts am Straßenrand an einer Mauer das recht lieblos einbetonierte Sühnekreuz. Ein Arm ist zur Hälfte abgebrochen. Auf dem Kopf findet man eine Vertiefung. Das Kreuz müsste sich nachSK Hainer Weg Nahrgang ungefähr am alten Standort befinden.  UTM: -->Standort
Anmerkung 10.18: Der Hainer Weg wurde 2018 neu gestaltet. Das Sühnekreuz wurde deshalb von mir "eingehaust", damit es keinen Schaden nimmt. Vor dem Kreuz wurden andere Gehwegplatten verlegt und die Mauer hinter dem Kreuz verputzt. Neben dem Kreuz wurde eine Infotafel mit einem QR-Code angebracht. Im Zusammenhang mit der Eröffnung des neugestalteten Dalles in Götzenhain hatte ich die Gelegenheit zu einem Kurzvortrag unter dem Titel "Altes Sühnekreuz - neu erklärt".
 
Kreuzstein PH2Wir wenden uns zurück durch die Rheinstraße zum Götzenhainer Ortskern und fahren der Bahn entlang Richtung Offenthal, biegen aber hinter Philippseich an der schönen Eiche rechts ab folgen dem Weg nach links und biegen ca. 30 m von der Kurve entfernt rechts ab und gelangen dann zum Südrand des Fasaneriewäldchens. Dort wo der Weg einen Graben überquert (erkennbar auch an einem Kanaldeckel) steigen wir ab und gehen ca. 40 m dem Graben entlang in den Wald Richtung Norden. Hier finden wir ca. 15 m westlich einen zweiten relativ großen Kreuzstein, auf dem 2011 ein umgestürzter Baum lag. Dieser Kreuzstein ist bisher in der Heimatliteratur m. W. noch nicht beschrieben. Ähnliche Steine gibt es an der Grenze zwischen Offenthal und Urberach. Vielleicht ist er von dort ins Fasaneriewäldchen versetzt worden. Eine Grenze verläuft an dieser Stelle nicht.  -->Hier können Sie ein Bild der anderen Seite des Steins vom Dezember 2014 abrufen, das mir Frau Eva Miller zur Verfügung stellte.
--> Standort

Offenthal 3aHistorisches FotoWir fahren einige Meter zurück und biegen nach rechts in einen Pfad nach Süden Richtung des Neubaugebietes. Vor der Bebauungsgrenze biegen wir nach rechts ab, wo wir dann an der Straßenverzweigung (Langen - Götzenhain) einige Meter in Richtung Offenthal ein weiteres Kreuz entdecken können. (Nachtrag 6/2014: Durch die Umgestaltung der Straßeneinmündung muss man jetzt von der östlichen Fußgängerampel ca. 30 m. dem Wirtschaftsweg Richtung Offenthal folgen, um das Kreuz links im Fichtengebüsch zu finden). Ursprünglich standen hier drei Kreuze, wovon eines schon lange nicht mehr existiert. Von den beiden anderen wurde eines  im Jahr 1969 gestohlen. Auf dem historischen Foto rechts (Archiv Timo Seibert) ist zu erkennen, dass in dem Kreuz ein kleineres Kreuz (52:43:5 cm) eingemeißelt war, durch das es eindeutig in Nachbars Garten zu identifizieren wäre. Das an jetzt dieser Stelle stehende Kreuz wurde bei Straßenbauarbeiten im Jahr 1979 ebenfalls gestohlen, wurde aber nach einem Presseaufruf heimlich wieder zurückgebracht und neu eingesetzt. -->Standort
abgebrochenes SühnekreuzAnmerkung 8/2018: Ein aufmerksamer Spaziergänger machte die Stadtverwaltung per Mängelmelder darauf aufmerksam, dass das historische Sühnekreuz an der Einmündung der Philippseicher Straße in die B486 sich bewegen lässt und auch schief steht. Er vermutete, dass das Kreuz möglicherweise gestohlen werden sollte. Die Stadt informierte mich darüber. Meine Überprüfung ergab, dass das Kreuz unten am Schaft unten abgebrochen war und nur locker auf dem Stumpf stand. Schleifspuren am Kreuzschaft beweisen, dass das Steinkreuz mit Gewalt umgestoßen und dann provisorisch wieder aufgerichtet wurde. Spuren am Betonsockel legen den Verdacht nahe, dass Absicht dahinterstand. Der Ressortleiter Infrastruktur und Umwelt, Karl Markloff, bei dem die Meldung einging, veranlasste unverzüglich, dass der Dienstleistungsbetrieb das Kreuz sicherte und zum Steinmetzbetrieb Burkard brachte. Es wurde von dieser Firma in den wieder fachmännisch befestigt.  Lesen Sie hier die Berichte aus FNP-online, FAZ-net und OP-online.

Offenthal K1Offenthal K3Offenthal K3Die nächste Station ist die evangelische Kirche in Offenthal. Hier sind drei Kreuze in die drei Außenmauern des um 1400 erbauten Kirchturms eingelassen. Über deren ursprünglichen Standort ist nichts bekannt. -->Standort



Urberach 1Wir können jetzt direkt über den neuen Fahrradweg zum Dietzenbacher Friedhof fahren, empfehlenswert ist jedoch die Weiterfahrt entlang der Dreieichbahn in den Urberacher Stadtkern, wo wir am Häfnerplatz auf ein sehr schön in eine Bruchsteinwand eingefügtes Sühnekreuz stoßen. Wir können auf den kreuz das Symbol einer Axt erkennen. Auf dem ursprünglichen Standort in der heutigen Wiesenstraße standen früher drei Kreuze, die ebenfalls alle mit diesem Symbol versehen waren. Das Kreuz vom Häfnerplatz war lange Zeit in einer Scheunenwand eingemauert, das andere ist seit langem verschollen und das Dritte steht heute im Hessenpark. 
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Urberach 2Das zweite Sühnekreuz in Urberach steht nur 200 Meter weiter südlich in der Darmstädter Straße hinter einem geschweiften Sockel, auf dem eine Madonna vor einem Hochkreuz steht. Es ist klein und unscheinbar mit kurzen Armen und gedrungenem Kopf. Über den ursprünglichen Standort ist nichts bekannt.
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Dietzenbach 1Wir fahren zurück Richtung Langen und biegen am Ortausgang von Urberach nach Norden Richtung Dietzenbach, an dem "Keltenzug" vorbei bis zur Kreisquerverbindung. Dieser folgen wir nach Westen bis zur Ampelanlage, dann Richtung Dietzenbach Innenstadt. An der nordwestlichen Ecke des Dietzenbacher Friedhofs erkennt man auf der Straßenseite ein in die Mauer eingelassenes Sühnekreuz, das nur zur Hälfte zu sehen ist. Die Friedhofsmauer wurde 1825 errichtet. Weitere Informationen liegen nicht vor. -->Standort


Sühnekreuz DietzenbachNachtrag 10/2013: Die Stadt Dietzenbach hat auf meine Anregung hin den unteren Teil des Kreuzes freigelegt, damit es vollständig dokumentiert werden konnte: die Gesamthöhe beträgt 59 cm, die Breite der Arme 43 cm und die Breite des Stammes 16 cm. Die Tiefe konnte nicht Sühnekreuz DietzenbachSühnekreuz Dietzenbachfestgestellt werden. Nach der Vermessung wurde das Pflaster wiederhergestellt. Das Bauamt erwägt, eine Lösung zu finden, durch die das Kreuz permanent sichtbar bleibt. Der Heimat- und Geschichtsverein Dietzenbach hat über dem Sühnekreuz eine Infotafel anbringen lassen.
 
Dietzenbach KircheDas nächste Sühnekreuz finden wir eingemauert in der Kirchhofsmauer bei der evangelischen Kirche in der Dietzenbacher Altstadt. Es ist leicht zu übersehen; es befindet sich auf der Innenseite der östlichen Mauer rechts neben einem Zaun. Es ist z.Z. von einem Rosenbusch versteckt und etwas schwer zu fotografieren, auch weil es recht unprofessionell flach verputzt ist. Im Kreuz ist ein weiteres Kreuz mit gleichlangen Armen eingemeißelt. Auf der Straßenseite der Mauer ist ein Stein mit der Aufschrift Anno 1767 C S zu sehen. Es ist anzunehmen, dass das Sühnekreuz in diesem Jahr (wahrscheinlich von C. Schäferle) dort eingemauert wurde.
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SK in ArbeitSühnekreuz Dietzanbach Kirchhofsmauer
Nachtrag 8/2013: In Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Geschichtsverein Dietzenbach und in Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde der Kreises Offenbach und der ev. Kirchengemeinde hatte ich das Privileg/Vergnügen, diese Sühnekreuze von dem alten Zementputz zu befreien und mit einem gefärbten Spezialmörtel (Fa. Axel Kaufmann) neu zu verfugen, so dass die Form des Kreuzes insbesondere bei dem an der Kirchhofsmauer jetzt plastisch hervortritt.

PatershausenWir fahren zum Dietzenbacher Rathaus; von dort der S-Bahn entlang nach Norden zum Waldrand, dann durch die Unterführung. Nach knapp 300 Meter biegen wir zum ehemaligen Kloster Patershausen nach Norden ab. Nach eine kurzen Besichtigung des Hofgutes finden wir 300 Meter weiter nördlich an der Brücke über den Liliengraben das vorletzte Sühnekreuz unserer Tour. Es ist relativ klein und asymmetrisch; der Fuß ist deutlich breiter als der Kopf. Es scheint, dass der Steinmetz keine Lust mehr hatte, das Kreuz ordentlich fertigzustellen.
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Heusenstamm 1Um das letzte Sühnekreuz zu erreichen fahren wir die Patershausener Straße Richtung Westen,  überqueren die Straße Heusenstamm - Dietzenbach und kommen - geradeaus auf schlechten Wegen - auf die Alte Babenhäuser Schneise, der wir nach Norden folgen. Südlich des Gravenbrucher Wegs, kurz hinter der Kreisgrenze gegen die Stadt Offenbach, finden wir wenige Meter rechts im Wald das sog. Gambrechtskreuz. Es hat leicht modellierte Kanten. An dieser Stelle soll eine Heusenstammer Judenfrau von ihrem Sohn erschlagen worden sein.
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In der Nähe des Gambrechtkreuzes befindet sich ein kleiner Kreuzstein, über den im Kapitel Gedenksteine berichtet wird. Wir überqueren die L 3117, fahren am Wildhof vorbei bis zur Müllverbrennungsanlage und wenden uns an der Bushaltebucht nach rechts, immer am Zaun der Schlackendeponie entlang.

Sühnekreuz OffenbachDas links abgebildete Kreuz hat eine interessante Geschichte: Es wird in Lit. Riebeling erwähnt (5918.13, 1976). Der Standort: Wenige Meter von der aus Heusenstamm kommenden alten Straße im Distrikt 25 B. Das kleine, unbeholfen gearbeitete Steinkreuz hat keilförmigen Kopf und Arm; der andere ist abgebrochen. Der Fuß ist einseitig ausladend. Es ist fast völlig im Erdreich versunken. Es ist vorgesehen, dieses Steinkreuz im Freilichtmuseum "Hessenpark" bei Neu-Anspach im Taunus aufzustellen.
Ich hatte sehr intensiv nach diesem Steinkreuz an der angegebenen Stelle gesucht. Bei weiteren Recherchen (auch im Hessenpark) konnte ich niemanden finden, der etwas darüber wusste, so dass ich vermutete, es sei abhanden gekommen (Wegebaumaßnahmen?). Ich beschrieb es auf dieser Website unter dem Kapitel "Vermisste Steine".
Sühnekreuz OffenbachIch war mehr als überrascht und erfreut, als Herr Ulrich Theis mir Ende Juli 1913 per E-Mail berichtete, dass er das vermisste Kreuz gefunden habe. Natürlich war ich unverzüglich an dem angegebenen Ort, den ich zwei Jahre vorher intensiv, aber vergeblich absuchte. Nur der mit Moos bewachsene Kopf schaute aus dem Waldboden heraus. Ich legte das Kreuz zu Dokumentationszwecken frei und reinigte es. Es schaut jetzt 32 cm aus dem Boden. Die Breite beträgt 27/32 cm (ein Arm ist unregelmäßig abgebrochen). Das Kreuz ist aus einer keilförmigen Platte gearbeitet. Es ist am rechten Arm 20 cm stark und verjüngt sich auf 15 cm auf der linken Korpusseite. Auf dem Kopf erkennt man eine Bruchlinie. Im Gegensatz zu den meisten anderen Sühnekreuzen in unserer Gegend ist es nicht aus Rotliegendem, sondern aus Sandstein gefertigt.
Man findet das Kreuz, wenn man von der Müllverbrennungsanlage kommend, den Zaun der Schlackendeponie bis zum Ende entlangläuft. Der Weg macht dann eine flache Biegung nach rechts. Auf der rechten Seite ist der Graben kurz verrohrt. Von der Mitte der Verrohrung aus geht man 7 m nach Süden in den Wald hinein und dann 4 m nach Osten (links). Der -->Standort liegt gefühlt auf Heusenstammer Gemarkung bzw. im Kreis Offenbach (da südlich der Autobahn), de facto handelt es sich um das Waldgebiet der Stadt Offenbach, das aber vom Forstamt Langen betreut wird. Dieser Wald um den Wildhof (Deutschherrenwald) war früher im Besitz der Deutschordenscommende in Frankfurt. Er wurde 1806 säkularisiert und kam 1964 durch Kauf in den Besitz der Stadt Offenbach.

Wer möchte, kann noch das "Weiße Kreuz" östlich der nördlichen Rampe über die Autobahn A 3 führenden Brücke (bei der Müllverbrennungsanlage) besuchen. -->Standort. Über die Bestewiesenschneise und ggf. Holländerbornschneise können wir wieder zurück an unseren Ausgangspunkt fahren. 

Am südlichen Rand der Gebückswiese (östlich der Holländerbornschneise) stand übrigens bis vor dem 2. Weltkrieg ein Sühnekreuz, das den Besitzer der Wiese immer beim Mähen störte. Bei einer solchen Gelegenheit grub er das Kreuz aus und schaffte es in den Vorgarten seines Hauses in Sprendlingen. Irgendwann wurde der Garten und Hof neu gestaltet, seitdem ist das Kreuz verschwunden. Auch die "Freunde Sprendlingens" konnten es bei einer intensiven Durchsuchung (mit Grabungen) nicht auffinden. Wir werden hier berichten, falls es doch einmal auftauchen sollte. Der Grundstücksbesitzer hat sich für diesen Fall bereit erklärt, das Kreuz dem Dreieich-Museum zu überlassen.

FeldkreuzMan kann alternativ vom Sühnekreuz bei Patershausen weiter Richtung Heusenstamm fahren. Ca. 170 m südlich der Ringstraße an einer Kreuzung des Niederröder Wegs kommen wir an das Heusenstammer Feldkreuz. Daneben steht eine Stele des Regionalparks, auf der wir lesen können: 
Dieses Feldkreuz am Niederröder Weg stammt aus dem Jahr 1722. Datum und Initialen sind im Sockel eingearbeitet. Das in einfacher Handwerksarbeit ausgeführte Kreuz aus Sandstein wurde im Verhältnis zu anderen Feldkreuzen früh aufgestellt und hatte daher Seltenheitswert. Sein Ursprünglicher Standort war aber an der Straße nach Rembrücken. Die Materialien, aus denen Feldkreuze gefertigt wurden, waren vor allem Sandstein, aber auch andere Gesteinsarten, Holz oder Metall. Fels- oder flurkreuze waren als Zeichen des christlichen Glaubens von der Bevölkerung errichtet. Ähnlich wie Sühnekreuze stehen sie an Wegen und Straßen, an denen ein Unfall oder Verbrechen geschah. -->Standort
Man fährt dann durch Heusenstamm durch, um an das oben beschriebene Sühnekreuz an der Alten Straße am Schlackenberg der Müllverbrennungsanlage zu kommen. 


DudenhofenDer Vollständigkeit halber sollen hier noch Repliken zweier Sühnekreuze erwähnt werden, die in der Einhardstraße in Rodgau-Dudenhofen stehen. Die Originale standen auf der Fläche der heutigen Nieupoorter Straße und wurden 1959/1960 beim Ausbau dieser Straße zerschlagen.
1988 wurden auf Veranlassung des Förderkreises für kulturelle Projekte diese beiden Repliken an der Rodaubrücke in einer Grünanlage aufgestellt. -->Standort

 


EpperthausenIn Eppertshausen findet man an der Seitenwand der Valentinuskapelle ein weiteres Sühnekreuz. Diese Kapelle wurde, wie aus der Jahreszahl über der Eingangspforte zu entnehmen ist, 1440 erbaut. Sie war eine Sühneleistung von Leonhard Richarts für einen von ihm begangenen Totschlag an Henne Vitter im Jahr 1438. Im Staatsarchiv Darmstadt wird die Sühneurkunde aufbewahrt, die in Lit. Runkel (6) transkripiert und mit Hintergrundinformationen erläutert wurde. -->Standort



SteinheimVor dem Eingang des Südfriedhofs in Steinheim steht dieses sehr gut erhaltene Sühnekreuz aus Granit. Auf der Oberfläche des Kopfes erkennt man eine runde Vertiefung, die wahrscheinlich zur Aufnahme einer Kerze diente. -->Standort







Sachsenhäuser WarteReiffenstein 1863In seiner Publikation "Die inschriftlosen Steinkreuze in der Landschaft Dreieich und den angrenzenden Randgebieten" aus dem Jahr 1932 hat Nahrgang vier Sühnekreuze in der Mauer der Sachsenhäuser Warte beschrieben. Er bezog sich dabei auf "Die Baudenkmäler in Frankfurt a.M., Bd. II, S. 93 (Lit Nahrgang (1)). Es gibt eine Federzeichnung von Reiffenstein aus dem Jahr 1856 (www.lagis-hessen.de), auf der deutlich vier Sühnekreuze zu sehen sind. Ich kenne die Sachsenhäuser Warte nur in verputzen Zustand. Meine früheren Versuche, die Kreuze zu finden, waren daher vergeblich. Es war für mich elektrisierend zu sehen, dass die Warte bei einer Restaurierung (Sommer 2017) auch z.T. neu verputzt werden sollte. Genau an der Stelle, an denen die Sühnekreuze eingemauert sein sollten, wurde der Putz abgetragen. Allerdings konnte ich beim besten Willen keine Steinkreuze entdecken!

 Nahrgang schrieb: In der Hofmauer der 1470/71 erbauten Sachsenhäuser Warte sind nach der Darmstädter Landstraße  zu nebeneinander vier steinerne Kreuze eingemauert. Das Linke (nördliche) Kreuz hat eine Höhe von noch 58 cm, die Arme ragen beiderseits 15 cm über den Kreuzstamm hinaus. Das darunter vermauerte 47 cm lange Sandsteinstück scheint die Sühnekreuze Sachsenhäuser Warteuntere Fortsetzung des Kreuzschaftes zu sein. Das rechts anschließende 2. Kreuz hat eine Höhe von 85 cm; die Kreuzarme ragen beiderseits 14 cm über den Stamm hinaus. Das 3. Kreuz von links mißt in der Höhe 97 cm, der linke Kreuzarm ist 14 cm, der rechte 20 cm lang. Das 4. Kreuz (ganz rechts) hat eine Höhe von 38 cm, der linke Kreuzarm ist 16 cm, der rechte 14 cm lang. Das Material der Kreuze ist roter Sandstein. Es ist anzunehmen, dass die Kreuze auch vor der Bebauung der Warte schon an gleicher Stelle standen. Der Überlieferung nach sollen die Kreuze zur Erinnerung an gefallene Landsknechte gesetzt worden sein.

Die naheliegende Erklärung ist, dass die Kreuze bei der Teilzerstörung der Warte im 2. Weltkrieg verloren gegangen sind.
Sachsenhäuser Warte



















Wenn man die Steinkreuze aus der Reiffenstein'schen Zeichnung auf ein aktuelles Foto überträgt, erkennt man die ungefähre Lage der Steine. Es fällt auf, dass die Mauer zur Landstraße auf der Zeichnung ohne den Heutigen Rücksprung dargestellt ist. Dieser Rücksprung soll wohl die Grenze zwischen der Wartmauer und des Gebäudes mit dem Pultdach markieren. Interessant ist das Detailbild: Dort ist eine schräg verlaufende Bruchlinie zu erkennen (roter Pfeil). Weiterhin ist die Kante des Rücksprungs mit weißen Kalksteinen gemauert. Die zurückgesetzte Wand ist im oberen Bereich mit roten Backsteinen gemauert. Der untere Bereich ist noch verputzt. Obwohl mir die Kriegsschäden an der Warte nicht bekannt sind, ist die folgende Hypothese naheliegend:
DetailDie Nebengebäude der Warte wurden durch die Bombenangriffe zerstört, ebenso ein Teil der Mauer zur Landstraße hin, in der die Steinkreuze eingemauert waren. Der linke, schräg abgekantete Teil der Mauer blieb stehen (s. Bruchlinie). Es ist auf dem Bild deutlich zu erkennen, dass die Steinkreuze nicht in dem linken, historischen Teil der Mauer eingelassen waren, sondern in dem rechten, zwischenzeitlich erneuerten Teilstück. Sie wurden wahrscheinlich der Frankfurter Trümmerverwertungsgesellschaft zugeführt worden sein. Trotzdem: Eine Anfrage im Spoliendepot des Historischen Museums verlief leider negativ.
In Frankfurt wird z.Z. die Altstadt rekonstruiert. Es wäre sicherlich reizvoll, auch die Steinkreuze wieder in der Mauer der Warte als Replik sichtbar zu machen. Man kennt dank Nahrgang die Maße. Die Kreuze könnten aus einer ca. 7 cm dicken Sandsteinplatte herausgeschnitten werden und an den ursprünglichen Orten befestigt und dann eingeputzt werden. Die Stadt Frankfurt hat dankenswerterweise auch eine prächtige Sandsteinspolie des Frankfurter Adlers auf der Südseite der Warte angebracht. 


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