Straßensteine
In diesem Kapitel wollen wir uns mit historischen und auch modernen Kilometersteinen und steinernen "Ruhen" beschäftigen. Den Meilensteinen haben wir 1/2020 ein neues Kapitel gewidmet. -->Hier geht es direkt zu den Ruhesteinen.
Kilometersteine in der Dreieich
Wir wissen nicht, ob es neben den oben genannten Stunden- oder Meilensteinen vor dem 19. Jahrhundert weitere Straßensteine gab; es ist zumindest wahrscheinlich, dass entsprechende Steine an den Territorialgrenzen standen. Zwischen 1780 und 1812 wurde die Straße zwischen Darmstadt und Frankfurt neu trassiert (zwischen Sprendlingen und Langen um 1793). Die neue Chaussee wurde sicherlich mit Meilensteinen bestückt. Die Straße verlief über drei Territorien. Es ist zu vermuten, dass jede Herrschaft eigene Meilensteine aufstellte.
1817 wurde im Großherzogtum Hessen ein neues Maßsystem beschlossen und 1821 eingeführt. Es definierte bestehende Einheiten auf Basis des metrischen Systems (z.B. 1 Fuß = 25 cm). Eine Postmeile entsprach jetzt 7500 m. Das Großherzogtum war ein ordentlicher Staat; es ist zu vermuten, dass die Meilensteine entweder neu oder umgesetzt wurden (). 1872 wurde das metrische System (Meter und Kilometer) in Deutschland eingeführt. Konsequenterweise sprach man jetzt nicht mehr von Meilen-, sondern von Kilometersteinen. Diese mussten allerdings nochmals neu- oder umgesetzt werden. In der Folge bestückte man alle übergeordneten Straßen systematisch mit Kilometersteinen, um Distanzen messen und bestimmte Straßenpositionen lokalisieren zu können. Bei der Kilometrierung stellt sich die Frage, wo der Stein mit der Nummer "0" steht. Hier wieder ein Beispiel der Straße Darmstadt - Frankfurt:
Anmerkung 10/2022: Clara Hartmann hat mich auf einen Flyer von HessenMobil aufmerksam gemacht. Danach wird das dreieckige Stationszeichen abgelöst durch zwei Aufkleber auf den Leitpfosten am Straßenrand.
Die Kilometerstein - Tour durch die Dreieich
Um die Kilometersteine in unserer Heimat kennenzulernen, unternehmen wir eine virtuelle Rundfahrt durch das Dreieichgebiet. Sie können dafür --> eine KML-Datei herunterladen, die sich in Google Earth öffnet. Darin erkennen Sie den Standort aller weiter unten beschriebenen Kilometersteine. Die meisten dieser Steine wurden übrigens von Frau Clara Hartmann entdeckt. Ich möchte ihr an dieser Stelle herzlich danken, auch für die intensive inhaltliche Diskussion. Wir starten unsere Fahrt an der südlichen Kreisgrenze bei Bayerseich und fahren die B 3 Richtung Norden. Wie bereits erwähnt, beginnt die Kilometrierung der Chaussee von Darmstadt nach Frankfurt am "Langen Ludwig" in Darmstadt. Der Stein Nr. 5 ist in Arheilgen noch zu sehen. Die meisten historischen Kilometersteine sind außerorts allerdings bei den Verbreiterungen der Straßen verschwunden, so auch zwischen Bayerseich und Langen.
Wir fahren weiter Richtung Langen. Wenn man die Straße vor der Feuerwehr rechts hineinfährt, kann man den oben beschriebenen Meilenstein anschauen, der früher nördlich von Sprendlingen an der Offenbacher Straße stand und dann vor der (jetzt aufgegebenen) Straßenmeisterei aufgestellt wurde.
Die Dieburger Straße verläuft weiter als B 486 Richtung Offenthal. Hier finden wir in der Offenthaler Ortsdurchfahrt wieder unsere Betonsteine mit der quadratischen Grundfläche (15 x 15 cm). Die Inschriften ergeben sich zwanglos aus der Entfernung zum Anfang der Straße in Langen: 4/8 Mainzer Str. 30, 5/2 Dieburger Str. 30, 5/4 Dieburger Str. 50. Vor den letzten Häusern rechterhand ist ein "OD-Stein" zu erkennen.
Anmerkung 7/2020: Achim Seibert machte mich auf einen kleinen Stein vor dem Haus an der Ecke Mainzer Straße / Bahnhofstraße aufmerksam, der durch die Umbaumaßnahmen zur Verkehrsberuhigung zutage kam. Er besteht aus Basalt. Auf seiner Vorderseite ist ein altertümliches "K" zu erkennen. Bisher haben wir noch keine Erklärung für Standort und Inschrift.
Dies wird bestätigt durch die Funde von vier historischen Kilometersteinen im Stadtgebiet von Mörfelden. Der erste mit der Inschrift "8,8" steht in der Gerauer Straße an der Kreuzung mit der Brückenstraße / Wilhelminenweg. Der interessanterweise ist die Umgehungsstraße 20 m kürzer als die alte Wegführung über den Dalles. Ob die Kilometersteine nach Norden alle um diese 20 m verrückt worden sind? Ein Kilometerstein mit der Inschrift "12,6" wurde am Mörfelder Waldborn aufgestellt. Er besteht aus Rotliegendem. Es ist zu vermuten, dass er früher ca. 600 Meter östlich der heutigen Autobahnauffahrt an der Straße Richtung Langen stand. Auf einer Landkarte von 1935 war die Straße von Rüsselsheim nach Mörfelden (heutigen B 846) über Mönchsbruch noch nicht eingezeichnet. Beim Bau wurde sie von Rüsselsheim aus kilometrisiert. Dadurch erklärt sich der Kilometerpunkt 10 westlich von Mörfelden. Der oben erwähnte Betonstein mit der Inschrift "12,01" in der Stadtmitte von Mörfelden (Langener Straße) und ein weiterer schmalerer Betonstein mit der Inschrift "12" und "4" vor dem Haus Langener Straße 52 passen in diese Zählung, da sie 2 bzw. 2,4 km von dem Kilometerpunkt 10 auf der B 846 entfernt sind. Zwei kleinere Betonsteine mit den Inschriften 11.2 und 11,725 vor den Häusern Rüsselsheimer Straße 14 und der Westendstraße 20 stehen in 1,2 und 1,725 km Entfernung vom Kilometerpunkt 10. Die Verbindung zwischen Rüsselsheim und Dieburg wurde erst Ende der 1960er Jahre als Bundesstraße 486 definiert. An der Ecke Westendstraße / Brückenstraße ist ein unbeschrifteter Stein aus Rotliegendem in die Ecke eines Hauses eingemauert. Es dürfte sich um einen Güterstein handeln. Wenn es ein Kilometerstein wäre, stünde er auf dem Kilometerpunkt 11,7. Die Distanz zu Kilometerpunkt 10 beträgt 1,7 km. |
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16/6 Darmstädter Straße 28, 16/8 Hauptstraße 1, 17/6 Frankfurter Straße 47, 17/8 Frankfurter Straße 73, 17/2 Offenbacher Straße 5, 17/4 Offenbacher Straße 27, 17/6 Offenbacher Straße 57
Auffallend ist, dass in der Offenbacher- und in der Frankfurter Straße Steine mit gleichen Nummern zu finden sind. Ähnlich wie in Egelsbach werden in beiden Straßen die Entfernungen nach Darmstadt angegeben. Neben dem Betonstein 17/8 in der Frankfurter Straße findet man einen historischen Stein mit rundem Kopf aus Rotliegendem (s. Abb. oben rechts). Dies ist ein starker Hinweis darauf, dass früher die Straßen innerorts alle 200 m mit rotliegenden Steinen (Durchmesser 20 cm, halbkugelförmiger Kopf) bestückt waren, die später durch die Betonsteine ersetzt wurden.
Später scheint der "Nullpunkt" vom Bahnhof zur Kreuzung Hauptstraße - Eisenbahnstraße verlegt worden zu sein, denn in Buchschlag gibt es 2 km von dieser Kreuzung entfernt einen großen quaderförmigen Betonstein Grundfläche 40 x 20 cm) mit der Aufschrift "2" vor dem Haus Buchschlager Allee 35. 200 bzw. 400 m von diesem entfernt stehen dann die bekannten Betonsteine mit quadratischer Grundfläche (15 x 15 cm) mit der Kennzeichnung 2/2 bzw. 2/4. Hier sind die "vollen" Kilometersteine deutlich größer als die dazwischenliegenden Steine. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass vor dem Bahnübergang an der Ecke des ehemaligen Forsthauses ein "OD-Stein" mit einem Stationszeichen davor steht.
Unsere Tour könnte uns jetzt nach Zeppelinheim weiterführen. Die Siedlung der Luftschiffer ist erst 1937 gegründet worden, daher finden wir dort nur zwei moderne Betonsteine. Einer mit der Inschrift "0/2" steht an der Flughafenstraße, 200 m von der ehemaligen Kreuzung mit der B 44 entfernt. Den anderen mit der Inschrift "1/4" findet man auf der westlichen Seite der Bahnlinie, ca. 300 m von der Bahnunterführung entfernt. Wir fahren jetzt zurück nach Sprendlingen.
Wir fahren auf unserer virtuellen Tour zurück Richtung Sprendlingen und biegen nach rechts in die Neuhöfer Straße (L 3317) ein. Am Ortseingang von Neu-Isenburg sehen wir einen "OD-Stein" und in der Nähe des Kreisverkehrs einen quaderförmigen Betonstein mit der Inschrift "1". Die L 3317 war demnach ebenfalls besteint, der Nullpunkt lag an der Einmündung der Neuhöfer Straße in die B 3 (alt) in Neu-Isenburg. Wir fahren zurück zur B 46 (alt). Wenn wir geradeaus in die jetzt gesperrte Straße über die Autobahnbrücke fahren würden, dann könnten wir einen großen quaderförmigen Betonstein mit der Beschriftung "2" im Wald finden, dort wo die ehemalige Straße verlief, die wegen der Autobahnbrückenauffahrt verlegt wurde. Weiter geht es über den Neuhof nach Götzenhain. An der "richtigen Stelle", vor dem Haus Bleiswijker Straße 4, steht ein Betonstein mit der Aufschrift "6,4" und 200 m weiter, vor dem Haus Dietzenbacher Straße 3, einer mit der Aufschrift "6" an den Seiten. Die Frontseite ist nicht beschriftet. Eigentlich müsste dort eine "6" stehen.
Wenn man auf der Landkarte mit den Entfernungen spielt, dann kann man folgende Überlegungen anstellen: der "1,6er Stein" steht ca. 1600 Straßenmeter von der Einmündung der K 172 in die B 486 (Langen - Offenthal), entfernt. Misst man von dem "1,6er Stein" 600 m weiter durch die Fahrgasse, dann müsste der "2,2er Stein" am Dreieichenhainer Untertor gestanden haben. Die Entfernung zum historischen Stein in Götzenhain beträgt 1200 m. Wenn diese Theorie korrekt ist, dann müsste dessen Inschrift "3,4" sein. Wenn man genau hinschaut, kann man mit gutem Willen "3,4" erkennen.
Zum Abschluss fahren wir die Hainer Chaussee hinunter nach Sprendlingen. Am ersten Haus links (Dreieichplatz 1) steht ein Betonstein mit der Inschrift "5,2". Nach der Einmündung des Hagenrings sehen wir links einen "OD-Stein" mit Stationsschild. Weiter unten finden wir in der Grünanlage dicht am Zaun zur Dreieichbahn den Betonstein mit der Inschrift "4,2" und nahebei, hinter einem Gebüsch, einen Stein mit der Inschrift "St" (s. unten).
Wir sind am Ende unserer virtuellen Kilometersteintour angelangt. Sicherlich haben wir nicht alle Kilometersteine entdeckt. Bei Vorliegen neuer Erkenntnisse wird diese Seite entsprechend ergänzt werden.
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Nachtrag 10/2019: Wieder einmal hat Frau Clara Hartmann Kilometersteine in Dietzenbach entdeckt. Sie stehen dort im Eingangsbereich eines Anwesens am Wingertberg. Interessant ist die Tatsache dass sie mit je "4,6" und "5,6" im Winkel von ca. 120 Grad doppelt beschriftet sind. Somit konnte man die Kilometerangabe von beiden Richtungen aus gut erkennen. Ich versuche z.Z. herauszufinden, ob sie von der Straße Dietzenbach-Götzenhain stammen (s. obige Karte aus 1940).
Nachtrag 4/2020: Wiederum war es Clara Hartmann, die mich darauf aufmerksam machte dass in der Dietzenbacher Frankfurter Straße vor dem Haus Nr. 80 ein Betonstein mit einer eingeprägten 7 steht, genau da, wo nach dem Messtischblatt von 1941 der Kilometerpunkt 7 engetragen war. 200 Meter weiter Stadteinwärts steht ein kleinerer Betonstein mit einer 7 vorne und einer 2 auf der Seite. Der im Nachtrag 2/2013 genannte 10er Kilometerstein 10 wurde zwischenzeitlich wahrscheinlich von Anwohnern aufgehübscht.
Die Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Rödermark, Patricia Lipps, bestätigte, dass der Stein in der Bahnhofsstraße etwa auf Höhe der Hausnummer 8 stand. Um 2000 haben Aktive des HGV mit Hilfe der Stadt den Stein an das Museum umgesetzt, um ihn langfristig zu sichern.
St-Steine
Oben auf dem östlichen Abhang des "Ohres" der Autobahnauffahrt Langen stehen eine Reihe von St-Steinen aus Granit, dergleichen am Ende der A 661 in Egelsbach (Info C. Hartmann). Die Steine wurden demnach auch noch in den 1970er Jahren gesetzt. Einer dieser modernen St-Steine lag heraus und wurde von mir im Lapidarium am Langener Forsthaus neu aufgestellt.
Anmerkung 10/22: Rudolf Wild machte mich darauf aufmerksam, dass in der ehemaligen bayerischen Pfalz es Straßensteine mit der Inschrift SSt für Staatsstraßen und DStr für Distriktstraßen existieren.
Zollstein
In Heppenheim gibt es noch einen Streitstein und einen Schlangenstein, die ich aber noch nicht aufgesucht habe -->Link
Die Form des Kopfes ist ähnlich der des "Meilensteins Büttelborn/Worfelden", der aber mit einer Höhe von ca. 65 cm deutlich kleiner. Dieser weist ebenfalls auf einem quadratischen Fuß einen säulenförmigen Sockel mit ähnlichen Maßen auf.
Geleitstein
Streitstein
Poststein
Daneben stehen nüch einige weitere Steine (Prellsteine, Grenzstein No XIII mit Mainzer Rad und der Jahreszal 1801) und es gibt noch die Überreste einer römischen Pflasterung zu sehen. Nach Zeitungsberichten soll dies an das Landratamt verlegt werden.
Steinerne Wegweiser
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Der andere Stein (Abb. rechts) steht an der Straße zwischen Trebur und Rüsselsheim (-->Standort). Er trägt die Inschrift Nach Königstädten. Die andere Beschriftung ist nicht oder kaum zu entziffern (Nach Schönau?).
Riebeling schrieb von drei Wegweisern bei Trebur. An dem angegebenen Standort direkt an der L 3012 zwischen Geinsheim und Trebur verlief ein dichtbewachsener Graben, der im Sommer 2019 so undurchdringlich war, dass ich nichts erkennen konnte. Ich wiederholte den Besuch im März 2020 und konnte im Graben den umgestürzten Wegweiser finden. Die Beschriftung: Nach Leheim und Nach Grisheim?. Die Schrift auf den anderen beiden Seiten konnte ich nicht lesen. Herr D. Braks teilte mit, dass vor dem Bau der Straße Trebur - Geinsheim 1898 dort ein Feldweg verlief und dass an dieser Stelle ein Weg Richtung Wallerstädten/Leeheim abzweigte (s. historische Karte, D. Braks). Es ist zu hoffen, dass die Stadt Trebur oder die Gesellschaft für Heimat & Geschichte Trebur sich des Steines annimmt und ihn an der alten Stelle wieder aufstellen lässt.
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Nachtrag 10/2024: Diese These wird durch eine historische Karte aus Lagis Hessen gestützt. Auf dem Kartenausschnitt rechts sind der Standort des Wegweisers und die Wege nach Geinsheim und Leeheim markiert. Interessant ist auch ein Ausschnitt aus dem Messtischblatt von 1900 (ca.) in dem der Standort des Wegweisersteins mit "Zollstock" bezeichnet wird. Üblicherweise steht ein "Zollstock" an einer Grenzlinie; die Gemarkungsgrenze von Trebur verläuft etwas südlicher. Trebur war hessisch, während Geinsheim bis 1815/16 zum Fürstentum Isenburg gehörte. Hier sind die lokalen Heimatforscher gefordert.
Straßenbau-Monumente
Sonstiges
An dieser Stelle befindet sich, von einer dünnen Flugsandschicht bedeckt, eine alte Straße. Sie führte von der Rheinstraße als ein alter Fernverbindungsweg hierher und endete am Jagdschloss Philippseich. Man erkennt den mittig auf das Schloss zuführenden Straßenverlauf als leicht hohlwegartigen Einschnitt in der Flugsanddüne. Die Straße wurde wahrscheinlich im späten 18. Jahrhundert befestigt: Man pflasterte sie mit Bruchsandsteinen auf einer Breite von 6,50 Meter. Regenwasser floss durch das Quergefälle zu den Rändern ab, die mit Rechtecksteinen gefasst wurden. Ursprünglich war entlang der Straße eine Allee aus Eichen gepflanzt.
Anmerkung 3/20: Der Sturm am 19. August 2019 hat den Philippseicher Wald im Lauxensee zerstört. Den Rest haben ihm die Harvester gegeben, die unvermeidlicherweise die umgestürzen Stämme verarbeiten und abtransportiern mussten. Tiefe Furchen charakterisieren nun die Barockstraße vom Kühtor bis zum Schlosstor Philippseich. Die oben erwähnte Regionalparkstele liegt umgestürzt an der Seite und wird wohl nimmermehr benötigt. Es sind Aufforstungsarbeiten vor Ort imgange. Leider hat man die neuen Bäume in die Flucht der Barockstraße gepflanzt und hat sich somit die Chance verbaut, den Alleencharakter der historischen Straße wiederherzustellen. Schade.
Das Bild rechts zeigt ein Schnitt durch die Eisenbahnstraße in Höhe der Einmündung August- Bebel-Straße. Sie wurde1878 gebaut. Hier erkennt man wieder die Packung aus rotliegenden Steinen, den Schotter und darüber gleich die Asphaltschicht. Die Eisenbahnstraße war nie gepflastert.
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Straßenbauten in der Dreieich
Bayerseich - Langen: 1790 - 1812. Es existiert ein Plan von 1790, der -->hier aufgerufen werden kann
Sprendlingen - Langen: 1785 - 1795, Lit. Nahrgang (4)
Sprendlingen - Neu-Isenburg: 1802 - 1811, Lit. Jost
Sprendlingen - Offenbach: 1818/19 (Baubeginn), Lit. Nahrgang (4)
Sprendlingen - Dreieichenhain: 1790 -1792, Lit. Nahrgang (4)
Sprendlingen - Buchschlag: 1878, Lit. Heil
Buchschlag - Mitteldick: 1935-36 Stadtarchiv Dreieich, Findbuch Sprendlingen (alt), XXVI, Abt. 3, Konv. 18, Fasz. 7
Dreieichenhain -Langen (K 173): 1873-75, Lit Lütkemann (4), ehem. Engasshügelschneise, Lit. Lütkemann (5)
Neu-Isenburg - Heusenstamm: 1923 - 1924, Lit. Nahrgang (4)
Neu-Isenburg - Götzenhain: 1791 als "Neue Schneise, verbreitert 1958/59, Lit. Nahrgang (4)
Langen - Mörfelden: 1829 - 1832, Lit. Neusel (5), ehem. Franzosen-Schneise, Lit. Lütkemann (5), S. 74
Egelsbach - Mörfelder Chaussee: 1899, ehem. Luderschneise, Lit. Lütkemann (5), heute Prinzessin Dingsbums-Allee
Langen - Offenthal: 1841 - 1845, Lit. Neusel (5)
Offenthal - Messel: 1901, Lit. Raffius (2)
Mörfelden - Gehspitz: 1866 - 1870, Lit. Nahrgang (4)
Frankfurt - Neu-Isenburg: 1728 gehauen, Lit. Scharff (2)
Oberforsthaus - Neu-Isenburg: 1736 gehauen, Lit. Scharff (2)
Groß-Gerau - Mörfelden: 1829/31, Lit. Hoferichter
Rüsselsheim - Mörfelden: 1953, ausgebaut 1968, Lit. Hoferichter
Umgehungsstraße Mörfelden: 1936, Lit. Hoferichter
Die Frankfurter Straße (Sprendlingen - Neu-Isenburg), wurde zwischen 1730 und 1740 angelegt. Sie war schon 1728 fertig abgesteckt, aber erst in den 1780er und 1790er Jahren wurde sie südlich von Sprendlingen weiter ausgebaut. Der Ausbau des letzten Abschnittes bei Neu-Isenburg erfolgte erst 1810 (Lit. Nahrgang (4)).
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Die Ruhesteine in Hessen besitzen seit 11.2020 -->eine eigene Seite
Die Steintische an der Sprendlinger Landstraße in Offenbach und am Wolfstock bei Dietzenbach
Vorbemerkung:Der folgende Bericht über die beiden Steintische ist chronologisch aufgebaut, er beschreibt meinen Erkenntnisgewinn bei den Recherchen, Untersuchungen und vielen persönlichen Gesprächen über diese Kleindenkmäler: von der ersten Begegnung mit dem Offenbacher Steintisch über dessen Dokumentation und Sanierung zu den Leserreaktionen auf eine Artikel in der Offenbach-Post. Diese führten schließlich zu dem Steintisch am Wolfstock bei Dietzenbach (in der Götzenhainer Gemarkung) und zu dem ehemaligen Standort eines Steintischs im Offenbacher Polackengarten. Schließlich wird eine Hypothese über die Herkunft der beiden Steine aufgestellt.
Der Tisch selbst besteht aus zwei halbkreisförmigen 10 cm dicken Sandsteinplatten (festes Rotliegendes), der Durchmesser beträgt 189 cm. Die Platten werden durch Eisenklammern zusammengehalten. Diese sind mit Blei in den Steinplatten befestigt. Die Höhe der Tischplatte über Bodenniveau variiert von 66 cm (NW) bis 38 cm (O). Die Platten liegen auf einem runden Podest mit einem Durchmesser von ca. 150 cm. Es ist aus Natursteinen gemauert und verputzt. An einigen Stellen ist der Verputz abgeplatzt. Auf der Westseite ist das Podest stark beschädigt. Schaut man sich die Platte genauer an, dann erkennt man in der Mitte vier mit Mörtel verfüllte Löcher in rechteckiger Anordnung (Seitenlänge 38x30 cm). Weiterhin ist auf dem südlichen Plattensegment ein mit einem Eisenstab (?) mit quadratischem Querschnitt gefülltes Loch zu sehen. Das Loch auf der Gegenseite ist mit Mörtel verfüllt. Die Klammer auf der Ostseite, weist mittig über der Fuge Bearbeitungsspuren auf. Ein Blick in die beschädigte Westseite des Podestes zeigt einen senkrechten Eisenstab, der oben an einer der beiden Klammern befestigt ist. Wie passt das alles zusammen?
Nachdem ich Kontakt mit der unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Offenbach aufgenommen hatte, erlaubte ich mir, am 14.7.2019 den Müll und die Scherben rund um den Steintisch aufzusammeln und den Efeu zu entfernen. Wenn man das Ensemble nachhaltig schützen möchte, sollten die dicht an dem Kleindenkmal stehenden Bäume entfernt werden. Ich habe mit Hessenforst in dieser Sache Kontakt aufgenommen.
Nachtrag 9/2019: Nach Rücksprache mit der Offenbacher Denkmalschutzbehörde habe ich zusammen mit einem Maurer den Sockel des Steintischs ausgebessert. Zunächst wurde der Fuß des Sockels freigelegt. Es zeigte sich, dass die Wurzel eines der Bäume die Rundmauer stark beschädigt hatte. Die losen Putzteile wurden entfernt, das Loch zugemauert und die schadhaften Stellen verputzt. Darüber hinaus wurde der zerbrochene Sandsteinblock mit gefärbtem Spezialkleber repariert. Weiterhin haben wir nochmals mehrere Eimer Müll aufgesammelt und das Unterholz um den Tisch gelichtet.
Am Tisch selbst waren an der dem zerbrochenen
Sandsteinblock
zugewandten Seite frische Schleifspuren zu erkennen. Das lässt
darauf schließen, dass kürzlich dort ein Fahrzeug
von der
Straße abgekommen sein muss und die Beschädigung
hervorgerufen hat. Bemerkenswert ist auch, dass auf der Tischoberseite
flächenhafte Teerspuren zu erkennen sind, was die Historie
dieses
Kleindenkmals noch rätselhafter macht. Der zuständige
Revierfötster hat im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht
die Bäume um den Tisch fällen lassen.
Nachtrag 11/2019: Die Offenbach-Post hat am 15.11.2019 einen Artikel über den Steintisch publiziert, in dem die Leser gebeten werden, Informationen über den Tisch - falls vorhanden - an mich weiterzuleiten. Hier die Kommentare:



Zwei Bürger aus Dietzenbach machten mich auf einen vergleichbaren Steintisch am Wolfsstock im Götzenhainer Wald aufmerksam. --> Standort . Eigentlich kannte ich diesen Tisch, ich hatte sogar ein Foto im Kapitel Wolfstock in dieser Website publiziert. Aber ich brachte ihn gedanklich nicht mit dem Offenbacher Steintisch in Verbindung. Die 10 cm dicke rote Sandsteinplatte hat einen Durchmesser von 175 cm. Auch sie ist zweigeteilt. Beide
Hälften
werden von Eisenklammern
zusammengehalten, die ebenfalls mit Blei in den Platten
befestigt
sind. Sie besitzen im Gegensatz zu dem
Offenbacher Pendant keine Löcher, in
denen Unterstützungsstäbe hätten
befestigt sein
können. Sie ruhen auf
einem Schleuderbetonrohr mit einem Durchmesser von 100 cm. Um den Tisch
herum
stehen zwei
gerundete Steinbänke, die aus je zwei
Betonsegmenten und einem Sandsteinsegment bestehen. Beide
Sandsteinsegmente sind in zwei Teile zerbrochen. Die Sitzbänke
sind 35 cm breit und 15
cm dick und ruhen auf
insgesamt 10 Steinblöcken aus Rotliegendem. Der
Innenradius
beträgt ca. 130 cm. Die Innenseiten der vier
Betonsegmente sind 60 und 70, die der Sandsteinsegmente
125 und 110 cm lang. Auf den
Sandsteinsegmenten erkennt man je drei teils mit Blei
versehene Löcher, mit
denen die Segmente mittels Eisendübeln auf den sie tragenden
Steinen
befestigt waren. Ich habe die Lochabstände (62. 52, und 54, 51
cm) mit den Abständen der Löcher bzw.
Befestigungseisen der Trageblöcke an der Sprendlinger
Landstraße verglichen: keine
Übereinstimmung. Die Bänke
können nicht von dem
Tisch an der Sprendlinger Landstraße stammen.
Der Platz am Wolfstock wurde 1999 neu gestaltet. Der Revierförster Andreas Keller berichtete, dass dieser Steintisch bei dem vierstreifigen Ausbau der Sprendlinger Landstraße im Wege stand. Er wurde daher in den Garten des Neu-Isenburger Forstamt an der Alicestraße versetzt. Als das Forstamt verkauft wurde, konnte der Tisch mit den Bänken auf Initiative von Förster Keller den Platz an dem Wolfstock bereichern.
Ich hatte Gelegenheit, mich intensiver mit Frau Baumann aus Offenbach (Jahrgang 37) zu unterhalten, die sich an die Offenbach-Post gewendet hatte. Sie erzählte sehr detailreich, dass sie 1943 oft mit ihrer Großmutter im Wald spazieren gegangen ist. Sie kann sich noch sehr genau an einen großen Steintisch an der Kreuzung Pechschneise/Sprendlinger Weg erinnern. --> Standort. Er habe eine dünnere Mittelsäule gehabt und wurde mit Eisenstäben gestützt. Nach dem Krieg sei er verschwunden. Es blieben nur noch Steine am Standort, die zwischenzeitlich auch nicht mehr vorhanden sind sind.
Das Ganze ist sehr verwirrend: die von Frau Baumann beschriebene Tischplatte entspricht wegen der Stützeisen wahrscheinlich der von der Sprendlinger Landstraße, folglich müsste dieser Tisch erst nach dem Krieg dort aufgestellt worden sein. Wenn die Aussage von Förster Keller korrekt ist, dass der Wolfstock-Tisch von der Sprendlinger Landstraße stammt, dann müssten vor dem Straßenausbau zwei Steintische dort gestanden haben. Das ist aber in keiner Weise schriftlich belegt !
Ein
Hinweis auf zwei Steintische kann einer Karte entnommen werden, die aus
dem Fundus von Frau Luise Hubel stammt, in der sie die Grenzen und
Grenzsteine des Offenbacher Forstes eingetragen hat. An der
Sprendlinger Landstraße erkennen wir auf beiden Seiten zwei
rechteckige Ausbuchtungen mit je einem Punkt. Diese könnten
die
beiden Steintische symbolisieren. Leider ist das Erscheinungsdatum der
Karte nicht bekannt; nach der Bebauung dürfte die
Karte um
1970 entstanden sein. Im aktuellen
Alkis sind diese Ausbuchtungen (rot markiert) ebenfalls zu
erkennen.
Zwei weiterei Aspekte verdienen erwähnt zu werden. Die Landstraße zwischen Sprendlingen und Offenbach wurde um 1818 erbaut. Vorher gab es eine Verbindung zwischen beiden Orten: den Sprendlinger Weg, der über die Rosenhöhe führte. Es liegt nahe, dass ein "Ruckstein" dort aufgestellt wurde. Aber wieso zwei gleichartige Tische?
Frau H. machte darauf aufmerksam, dass das Waldstück südlich der Rosenhöhe auch als Polackengarten bezeichnet wird. Der Name kommt von dem "Offenbacher Messias", einem polnischen Juden mit dem Namen Frank, der seit 1788 in Offenbach mit seinen Anhängern residierte. Im Polackengarten sollen er und seine Gefolgsleute biwakiert und gefeiert haben. Ob die beiden Steintische Relikte dieser Anlage waren? Wenn dem so ist, müsste zunächst der Wolfstock-Tisch an die Sprendlinger Landstraße versetzt worden sein und nach dem Krieg der Tisch, von dem Frau H. berichtete.
Nochmals diese These zusammenfassend: Die Anhänger von Frank haben um 1788 im Polackengarten gefeiert. Dafür wurden zwei Steintische (A ohne und B mit Eisenstützen) mit Bänken dort aufgestellt. Als die Chaussee von Sprendlingen nach Offenbach 1818 fertiggestellt war, wurde Steintisch A an die Ostseite der Chaussee gestellt, auch um den Marktfrauen die Möglichkeit zur Rast zu geben. Steintisch B blieb am Sprendlinger Weg stehen. Nach dem Krieg versetze man Steintisch B an den jetzigen Standplatz an der Westseite und verdeckte die Eisenstützen mit einem massiven gemauerten Unterbau. Die Buswendeschleife wurde um ihn herumgebaut. Beim vierspurigen Ausbau der Sprendlinger Landstraße um 1960 kam Steintisch B in das Forsthaus nach Neu-Isenburg und von dort aus 1999 zum Wolfstock. Die Bänke um den Tisch A wurden nach 1983 gestohlen. - Natürlich ist das eine Spekulation, aber hat jemand eine bessere Erklärung für die Herkunft und das Schicksal dieser beiden historischen Kleindenkmäler?
In der Offenbach-Post vom 11.12.2019 wird in einem kleinen Artikel über die Leser-Reaktionen und deren Schlussfolgerungen berichtet. Im Dezember untersuchte ich die Stelle auf der anderen Seite der Sprendlinger Landstraße, die dem Steintisch gegenüber liegt. Erwartungsgemäß fand ich keine Relikte des zweiten Steintischs, sondern ein Grenzstein aus
Rotliegendem
mit der Inschrift "GH / Ch", die zunächst rätselhaft
war. Ein
Koordinatenabgleich zeigte, dass dieser Stein auf dem
südöstlichen Eckpunkt der oben beschriebenen
rechteckigen
Ausbuchtung des Straßengrundstücks stand. Bei einem
erneuten
Besuch dieser Stelle fand ich ca. 15 m weiter
nördlich einen
zweiten Stein aus Rotliegendem. Er war zerbrochen. An einem Bruchstück
war wieder die Inschrift "GH / Ch" zu erkennen. Jetzt lag die
Erklärung auf der Hand: "GH" bedeutet Großherzogtum
Hessen
und "Ch" steht für Chaussee. Als um 1820 die Chaussee zwischen
Offenbach und Sprendlingen gebaut wurde, musste das
Großherzogtum
das Gelände für den Bau dem Fürsten von
Isenburg-Birstein abkaufen, denn die Straße führte
zum Teil
durch den Forst Dreieich, Revier Offenbach, der dem Isenburger
Fürsten
gehörte.
An der Stelle, an der die Chaussee die Offenbacher Feldgemarkung
erreichte, wurde ein kleiner Platz abgegrenzt, auf dem später
die
beiden Steintische standen. Die beiden Grenzsteine auf der
östlichen Seite dieses Platzes wurden jetzt gefunden und
dokumentiert. Den zerbrochenen Stein habe ich wieder
zusammengefügt. Die beiden Steine auf der anderen
Straßenseite sind wahrscheinlich beim Bau der
Buswendeschleife
entfernt worden. Interessant an der Tatsache, dass die Grenze
des
Fürstlich Isenburger Waldes zur Feldgemarkung Offenbach durch
diesen Platz führt. Ein relativ hoher Granit-Grenzstein steht
in
der Nähe des restaurierten GH/Ch-Steins, ein weiterer ca. 30 m
weiter in Richtung der diesseitigen Buswendeschleife. Die anderen
historischen Steine dieser Grenze werden in einem separaten Kapitel
dieser Website behandelt werden.
Am 27.11. ist ein weiterer Artikel in der OP
erschienen, in dem über den Umgang mit dem Steintisch im
Zusammenhang mit der Neuanlage eines Radwegs berichtet wird. Im
März 2022 war der Radweg schon lange fertig. Der Steintisch ist
mit einem runden Stahlband umgeben, der den Asphalt von dem Splitt
trennt. Mal Schauen, was hier noch geplant ist.
Nachtrag 11/2019: Die Offenbach-Post hat am 15.11.2019 einen Artikel über den Steintisch publiziert, in dem die Leser gebeten werden, Informationen über den Tisch - falls vorhanden - an mich weiterzuleiten. Hier die Kommentare:
- Nach "Chaussierung" der Sprendlinger Landstraße in 1818 wurde dieser Tisch für die Marktfrauen aus Sprendlingen angelegt. Diese kamen mit ihren Kiepen über den Wald und an der Stelle, wo sie erstmals Offenbach sahen, nahmen sie mit einem "Hau-Ruck" ihre Kiepen ab , um erst mal zu rasten, bevor sie auf den Offenbacher Wochenmarkt weiterzogen. Deshalb wurde im Volksmund dieser Tisch "Ruckstein" genannt.
- Mein Großvater - Jahrgang 1899 - erzählte immer, dass der Tisch von den aus dem Kreis kommenden marktbeschickenden Bauern als Rastplatz benutzt wurde.
- In den 1920er Jahren wurde Schulkindern bei Ausflügen wohl erzählt, dass an diesem Platz Napoleon gerastet hätte.
- Der Platz sei als Ruckstein bekannt – ein Ruckstein habe dazu gedient, dass Markthändler oder sonstige Reisende dort ihre Last (Rucksäcke) hätten abstellen können.
- In einer Ravenstein-Markierungskarte (publiziert um 1870) sind auf der Höhe des Standplatzes des Steintisches links und rechts der Straße zwei rote Punkt eingetragen. Die Legende: "Bänke der Verschönerungsvereine in Frankfurt und Offenbach".
- Der Platz um den Tisch könnte eine Thingstätte der katholischen Pfadfinderschaft gewesen sein.
- Dieses Foto von der Buswendeschleife ist auch in dem Buch "Obusse in Deutschland" Bd. 2 abgebildet.
- Das Foto unten wurde am 30.10.1955 anlässlich der Einweihung der O-Busline Rumpenheim - Buchrainweiher aufgenommen. Die Bildrechte liegen beim Archiv VDVA, von dem ich freundlicherweise die Abbildungsrechte erhielt:
- Ich konnte Anfang 2023 eine historische Postkarte mit dem Offenbacher Steintisch erwerben ("Am Rondell"). Der Ausschnitt mit dem Tisch ist untel rechts abgebildet.

Zwei Bürger aus Dietzenbach machten mich auf einen vergleichbaren Steintisch am Wolfsstock im Götzenhainer Wald aufmerksam. --> Standort . Eigentlich kannte ich diesen Tisch, ich hatte sogar ein Foto im Kapitel Wolfstock in dieser Website publiziert. Aber ich brachte ihn gedanklich nicht mit dem Offenbacher Steintisch in Verbindung. Die 10 cm dicke rote Sandsteinplatte hat einen Durchmesser von 175 cm. Auch sie ist zweigeteilt. Beide
Der Platz am Wolfstock wurde 1999 neu gestaltet. Der Revierförster Andreas Keller berichtete, dass dieser Steintisch bei dem vierstreifigen Ausbau der Sprendlinger Landstraße im Wege stand. Er wurde daher in den Garten des Neu-Isenburger Forstamt an der Alicestraße versetzt. Als das Forstamt verkauft wurde, konnte der Tisch mit den Bänken auf Initiative von Förster Keller den Platz an dem Wolfstock bereichern.
Ich hatte Gelegenheit, mich intensiver mit Frau Baumann aus Offenbach (Jahrgang 37) zu unterhalten, die sich an die Offenbach-Post gewendet hatte. Sie erzählte sehr detailreich, dass sie 1943 oft mit ihrer Großmutter im Wald spazieren gegangen ist. Sie kann sich noch sehr genau an einen großen Steintisch an der Kreuzung Pechschneise/Sprendlinger Weg erinnern. --> Standort. Er habe eine dünnere Mittelsäule gehabt und wurde mit Eisenstäben gestützt. Nach dem Krieg sei er verschwunden. Es blieben nur noch Steine am Standort, die zwischenzeitlich auch nicht mehr vorhanden sind sind.
Das Ganze ist sehr verwirrend: die von Frau Baumann beschriebene Tischplatte entspricht wegen der Stützeisen wahrscheinlich der von der Sprendlinger Landstraße, folglich müsste dieser Tisch erst nach dem Krieg dort aufgestellt worden sein. Wenn die Aussage von Förster Keller korrekt ist, dass der Wolfstock-Tisch von der Sprendlinger Landstraße stammt, dann müssten vor dem Straßenausbau zwei Steintische dort gestanden haben. Das ist aber in keiner Weise schriftlich belegt !
Zwei weiterei Aspekte verdienen erwähnt zu werden. Die Landstraße zwischen Sprendlingen und Offenbach wurde um 1818 erbaut. Vorher gab es eine Verbindung zwischen beiden Orten: den Sprendlinger Weg, der über die Rosenhöhe führte. Es liegt nahe, dass ein "Ruckstein" dort aufgestellt wurde. Aber wieso zwei gleichartige Tische?
Frau H. machte darauf aufmerksam, dass das Waldstück südlich der Rosenhöhe auch als Polackengarten bezeichnet wird. Der Name kommt von dem "Offenbacher Messias", einem polnischen Juden mit dem Namen Frank, der seit 1788 in Offenbach mit seinen Anhängern residierte. Im Polackengarten sollen er und seine Gefolgsleute biwakiert und gefeiert haben. Ob die beiden Steintische Relikte dieser Anlage waren? Wenn dem so ist, müsste zunächst der Wolfstock-Tisch an die Sprendlinger Landstraße versetzt worden sein und nach dem Krieg der Tisch, von dem Frau H. berichtete.
Nochmals diese These zusammenfassend: Die Anhänger von Frank haben um 1788 im Polackengarten gefeiert. Dafür wurden zwei Steintische (A ohne und B mit Eisenstützen) mit Bänken dort aufgestellt. Als die Chaussee von Sprendlingen nach Offenbach 1818 fertiggestellt war, wurde Steintisch A an die Ostseite der Chaussee gestellt, auch um den Marktfrauen die Möglichkeit zur Rast zu geben. Steintisch B blieb am Sprendlinger Weg stehen. Nach dem Krieg versetze man Steintisch B an den jetzigen Standplatz an der Westseite und verdeckte die Eisenstützen mit einem massiven gemauerten Unterbau. Die Buswendeschleife wurde um ihn herumgebaut. Beim vierspurigen Ausbau der Sprendlinger Landstraße um 1960 kam Steintisch B in das Forsthaus nach Neu-Isenburg und von dort aus 1999 zum Wolfstock. Die Bänke um den Tisch A wurden nach 1983 gestohlen. - Natürlich ist das eine Spekulation, aber hat jemand eine bessere Erklärung für die Herkunft und das Schicksal dieser beiden historischen Kleindenkmäler?
In der Offenbach-Post vom 11.12.2019 wird in einem kleinen Artikel über die Leser-Reaktionen und deren Schlussfolgerungen berichtet. Im Dezember untersuchte ich die Stelle auf der anderen Seite der Sprendlinger Landstraße, die dem Steintisch gegenüber liegt. Erwartungsgemäß fand ich keine Relikte des zweiten Steintischs, sondern ein Grenzstein aus

In Lit. Riebeling (3) wird von Steintischen im Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Rechtswesen berichtet. In der Wetterau gibt es den Gerichtsplatz von Kaichen, auf dem ein Steintisch steht, sowie den Steintisch von Bingenheim.
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es sich bei unserem Offenbacher Steintisch um einen mittelalterlichen Gerichtssitz handelt.
<-- Kaichen Bingenheim -->
Standort Standort
Wohl nicht zu diesem Thema passen die Steinsessel von Hainhaus bei Vielbrunn im Odenwald. Sie waren wahrscheinlich Sitzgelegenheiten für gräfliche Jagdgesellschaften (s. DenkXweb)
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