Steine in der Dreieich
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Meilensteine


In diesem Kapitel wollen wir uns mit Meilensteinen in der Landschaft Dreieich, in Südhessen und in der Wetterau beschäftigen, d.h. im Gebiet des Großherzogtums Hessen. Diese Kleindenkmäler wurden von Riebeling in "Historische Verkehrsmale in Hessen" (1981) beschrieben. Ich selbst hatte die Meilensteine im Dreieichgebiet auf dieser Website unter dem Kapitel "Straßensteine" dokumentiert. Auf meinen Motorradtouren fielen mir weitere Meilensteine auf. Ich plante, auf Basis der Publikation von Riebeling, die Meilensteine außerhalb der Landschaft Dreieich aufzusuchen, um auch sie zu dokumentieren. Bei der Recherche im Internet stieß ich auf zwei Publikationen von Schröter und Grell im MEILENSTEIN JOURNAL, das von der Forschungsgruppe Meilensteine herausgegeben wird. In den Ausgaben Nr. 76 (Dez. 2018), S. 50 und Nr. 78 (Dez. 2019), S. 38, wird das Thema recht erschöpfend abgehandelt. Olaf Grell hat sein Einverständnis gegeben, dass beide Publikationen  -->hier abgerufen werden können. Für mich neu war die Tatsache, dass zumindest bei den Steinen außerhalb der Landschaft Dreieich (bis auf den Sprendlinger Meilenstein) es ein System gibt, nach dem sie an den Straßenrändern aufgestellt wurden. Anzumerken ist noch, dass ich in der folgenden Abhandlung vieles von Schröter und Grell übernommen habe, insbesondere bei den Meilensteinen außerhalb des Dreieichgebietes. Einige Steine hätte ich ohne die Informationen aus der Publikation nicht finden können. Den beiden Autoren sei an dieser Stelle herzlich gedankt für ihre engagierte Arbeit. Olaf Grell hat freundlicherweise den folgenden Text kritisch kommentiert.

Im 18. Jahrhundert gab es eine Unzahl von Entfernungsdefinitionen. Als Beispiel: in dem Grenzbegehungsprotokoll der Y-HD Grenze wurden die Entfernungen sowohl in Hainer Ruten als auch in Langener Ruten angegeben, die eine unterschiedliche Länge hatten. Auch die Meilen waren territorial unterschiedlich definiert. In der Französischen Revolution wurde der Standard-Meter definiert (zehnmillionster Teil der Entfernung vom Äquator zum Nordpol). Auch im neugegründeten Großherzogtum Hessen (1803) erkannte man die Notwendigkeit der Vereinheitlichung von Entfernungsmessungen. Man führte 1818 allerdings nicht das französische Dezimalsystem ein, sondern definierte die alten Einheiten neu, allerdings auf Zentimeter-Basis. Ein Zoll entsprach 2,5 cm (ein vierhundertmillionsten Teils des Erdmeridianquadranten).  In der folgenden Tabelle sind die abgeleiteten Maße zusammengestellt (Wikipedia). Dabei ist anzumerken, dass eine "Wegstunde" einer halben Meile ( = 3750 Meter) entspricht. Das metrische System, wie wir es kennen, wurde erst 1872 deuschlandweit verbindlich.

Linie 1/10 Zoll 0,0025 m= 2,5 mm
Zoll (Basiseinheit) 0,025 m = 2,5 cm
Dezimalfuß 10 Zoll = 0,25 m 
Werkfuß 12 Zoll = 0,3 m
Elle 24 Zoll = 0,6 m
Klafter 100 Zoll = 2,5 m
Meile = 7500 m = 7,5 km 

Über das Alter der Meilensteine in Hessen gibt es keine gesicherten Informationen. Viele von Ihnen wurden nach 1872 in 10 km-Abständen an den wichtigsten Straßen im Großherzogtum aufgestellt, von denen eine Reihe nicht mehr vorhanden sind. Es gibt um Darmstadt noch zwei Steine, die im Abstand von einer Stunde vom "Nullpunkt", dem Louisenplatz in Darmstadt standen. Auch die Inschrift des Meilensteins bei Effolderbach bezieht sich auf Stunden als Entfernungsangabe. Es kann davon ausgegangen werden, dass viele dieser Steine vor 1872 in Abständen von einer Stunde (1/2 Meile = 3750 m) an den damaligen  Verbindungsstraßen gestanden haben. Der Ausdruck Stundenstein hat hier seine Berechtigung.

Insgesamt wurden 34 Steine für das ehemalige Großherzogtum nachgewiesen. Riebeling hat 31 davon in seiner Übersicht erwähnt. Es fehlen dort die Steine in Lampertheim, Stallenkandel und einer der beiden in Wolfsgarten. Von den 34 Steinen wurden von Schröter und Grell sechs nicht gefunden. Mit etwas Glück konnte ich drei dieser Steine auffinden. Das entspricht jetzt einem nachgewiesenen Bestand von 31 Steinen.

Ein Meilenstein besteht aus vier Elementen: ein quaderförmiger Block, eine kurze Rundsäule als Fuß (mit oben abgerundeter Kante), ein Schaft, der sich meist nach oben etwas verjüngt und ein flachkegliger obiger Abschluss (5 - 12 cm hoch). Von den 31 Steinen besitzen 19 einen Schaft mit einer Länge von 135 - 154 cm, bei 9 Steinen beträgt die Schaftlänge zwischen 100 und 110 cm, einer fällt voll aus dem Schema (Stallenkandel) und einer ist (wahrscheinlich) zerbrochen und verkürzt wieder aufgestellt worden (Urberach)

10 Steine sind gut lesbar beschriftet, davon ist die Beschriftung bei 6 Steinen eingeschnitten. Es handelt sich bei letzteren ausschließlich um 10-Kilometersteine aus rotem Sandstein. Bei drei Steinen sind Reste einer Beschriftung zu erkennen. Ein Abgleich mit älteren Abbildungen legt nahe, dass die Bemalung eines Steins maximal 30 Jahre überdauert und dann erneuert werden muss.

TabelleMit einem Klick auf die nebenstehende Abbildung kann man eine Tabelle mit den Maßen der großherzoglichen Meilensteine aufrufen. Die Daten stammen mehrheitlich aus Unterlagen, die mir Olaf Grell zur Verfügung gestellt hat. Die Analyse der Steinfarbe ist besonders  interessant: Aus rotem Sandstein bestehen alle 10-Kilometersteine. Alle Steine, die keine 10-Kilometersteine sind (vorwiegend in der erweiterten Landschaft Dreieich), bestehen aus hellem Sandstein. Weiter unten wird die Hypothese aufgestellt, dass die Meilensteine aus hellem Sandstein von der Mitteldicker Allee stammen.

Römischer MeilensteinWir beginnen mit den Meilensteinen, welche an bestimmtem Entfernungspunkten stehen bzw. standen. Die Bezeichnungen entsprechen den Gemarkungen in denen sie stehen oder gestanden haben (leichte Unterschiede zu Schröter und Grell). -->Hier geht es direkt zu den Meilensteinen im erweiterten Dreieichgebiet.

Es existiert viele römische Meilensteine in den Museen des Rhein-Main-Gebietes. Besuchenswert ist die Nachbildung eines solchen Meilensteins: In der Bulau bei Urberach (Standort) hat die Regionalpark Südwest GmbH einen "Keltenzug" geschaffen, ein Kunstwerk, das die keltische Begräbniskultur darstellen soll. Es ist dort auch ein kurzer Abschnitt einer römischenStraße rekonstruiert worden. Eine Kopie eines römischen Meilensteins, der zwischen Altheim und Kleestadt gefunden wurde, ist dort aufgestellt worden.
 
Die nachfolgende Abbildung (adaptiert nach Schröter und Grell) zeigt die Position der Zehnkilometer-Steine in Südhessen. Ausgangspunkt war der Louisenplatz in Darmstadt. Aus der Skizze ist ersichtlich, dass es drei Meilensteine gibt, die 1981 (bei Riebeling) noch vorhanden waren und jetzt nicht mehr aufgefunden werden konnten (Lorsch, Pfungstadt und Lengfeld). Ich selbst konnte drei Meilenstene entdecken, die Schröter und Grell 2018/19 nicht gefunden hatten Karte Meilensteine(Wolfskehlen, Ober-Ramstadt, Krumbach). Drei der Steine wurden an einem weiter entfernten Ort neu aufgestellt (Sprendlingen, Heppenheim, Krumbach). Zwei Steine sind "1 Stunde" (3,75 km) vom Louisenplatz entfernt Weiterstadt, Darmstadt- Böllenfalltor). Schröter und Grell haben die Standplätze der Steine älteren Messtischblättern entnommen, in denen die Kilometerstein-Punkte eingetragen sind. Es ist zu vermuten, dass an den oben definierten Straßen weitere Zehnkilometer-Steine standen. Riebeling hatte keine dieser Steine erwähnt. Schröter und Grell suchten diese Punkte an den bekannten Straßenzügen auf sie konnten keine weiteren dieser Steine finden. Im folgenden werden die auf der Karte dargestellten Steine beschrieben, danach folgen die Steine im erweiterten  Dreieichgebiet, die nicht in das Schema passen.
Eine GPX-Datei mit den Koordinaten aller hier beschriebenen Steine kann man -->hier abrufen.


Meilenstein Sprendlingen

MeilensteinKBL SteinAm Eingang der Kommunalen Betriebe in Langen (Standort) befindet sich ein Meilenstein, der früher östlich des Straßengrabens der B 46 etwas nördlich der Kreuzung mit der Ernsten Schneise auf Sprendlinger Gemarkungsgebiet zu finden war. Er stand dicht an dem  Punkt, der 20 km vom Louisenplatz in Darmstadt entfernt lag. Er war weiß gestrichen und zeigte auf der der Straße zugewandten Seite die Aufschrift "Neu-Isenburg" und darunter das Wappen der Stadt. Eine begradigte Fläche mit zwei quadratischen Löchern deuten auf ein Metallschild hin, das mit Holzdübeln am Stein befestigt war. Ein Abbildung des Steins wird in der Publikation von Baeumerth (3) aus dem Jahr 1977 gezeigt. Der Autor berichtete, dass der Stein verschwunden sei. 2011 wurde ich auf einen Meilenstein vor der ehemaligen Straßenmeisterei in Langen aufmerksam gemacht. Die viereckigen Vertiefungen belegten eindeutig, dass es sich um den Sprendlinger Meilenstein handelt. Allerdings wurde die Farbe unsachgemäß mit einem Meißel entfernt. Das Sandsteinrot ist jetzt  sehr schön zu erkennen, aber die Oberfläche ist rauh und uneben. Schade. Im Zuge der Neugestaltung des Areals für den neuen Bauhof der Stadt Langen wurde er mittels eines Krans mitsamt dem Betonfuß direkt vor der Einfahrt des Neubaus der Kommunalen Betriebe Langens aufgestellt (s. Bild von R. Werner). Am 10.08.2018 zum Tag der Offenen Tür wurde auch der Meilenstein öffentlich vorgestellt. Die "Heimatkundigen im VVV" haben ein Infoschild in der oben erwähnten Vertiefung angebracht. Ein Hinweis auf den früheren Standort fehlt leider ;-)


Meilenstein Weiterstadt

Meilenstein WeiterstadtDer relativ kleine, unbeschriftete Meilenstein in Weiterstadt, Stadtteil Riedbahn steht auf der südwestlichen Seite  der Riedbahnstraße / Ecke Sandstraße (Standort). Die Riedbahnstraße ist eine Fortsetzung der Mainzer Straße in Darmstadt, der ehemaligen B 42. Der Stein ist unbeschriftet und besteht aus hellem Sandstein. Die gemessene Entfernung auf kürzestem Weg bis zum Luisenplatz beträgt 3,61 km. Er sollte wahrscheinlich 1 Stunde (= 3,75 km) vom Ortzentrum stehen. Es ist möglich, dass der Stein beim Straßenbau an diese Stelle versetzt worden ist. Auf jeden Fall passt seine Lage nicht ins (kilo-)metrische System.




Meilenstein Wallerstädten

GeinsheimBeschriftungZwischen Wallerstädten und Geinsheim, westlich von Groß-Gerau, steht ein großer  Meilenstein am südlichen Straßenrand (Standort). Er ist sicherlich einmal umgesetzt worden, denn die Beschriftung steht auf der Seite, die der Straße abgewandt ist. Die weißen Buchstaben sind nur schwer zu erkennen: ....heim...Km / ..stadt 20 Km / .. Gerau .. Km. Das könnte Leeheim, Darmstadt und Groß-Gerau sein. Schröter und Grell zitieren, dass es sich bei "heim" um "Ginshein 3 km" handeln soll. Der Buchstabe vor ..heim ist definitiv kein "s" (Geinsheim) und die Zahl dahinter keine "3". Beim Umsetzen wurde er nicht sehr tief eingesetzt, man sieht noch den Grundkubus (oben 60 x 56 cm). Er stand wahrscheinlich ca. 120 Meter weiter östlich am Kilometerpunkt 20 der Straße Darmstadt / Groß-Gerau /  Kornsand, die erst kurz vor 1900 fertiggestellt wurde. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Stein nach dem 2. Weltkrieg bei dem Ausbau der Straße an den neuen Standort versetzt worden ist. 
Der Zustand der Säule ist schlecht. Der Fuß ist gerissen und z. T. abgeplatzt. Der Säulenkörper ist auf der Südwestseite oben beschädigt, als ob auf ihn geschossen worden wäre. Die Oberfläche im oberen Teil ist großflächig abgeplatzt. Daher fehlt ein Teil der ersten Beschriftungszeile. Dies bedeutet, dass die Beschädigung erst nach der letzten Erneuerung der Beschriftung stattfand.


Meilenstein Wolfskehlen

Meilenstein WolfskehlenDer Meilenstein zwischen Griesheim und Wolfskehlen (Standort)  ist 10 km vom Louisenplatz entfernt. Er konnte von Schröter und Grell nicht gefunden werden. Ich kontaktierte den Heimat- und Geschichtsverein Wolfskehlen. Frau Fraikin hatte ihn daraufhin vor Ort gesucht und auch gefunden. Wenn man ihn aufsuchen möchte, dann sollte man an der Ampel an der östlichen Abzweigung der Umgehungsstraße nach Wolfskehlen in den Feldweg auf der südlichen Seite der Straße einbiegen und bis zum Wald parallel der Bundesstraße nach Osten fahren. Dann kann man vorsichtig 50 m der Straße entlanglaufen. Der Meilenstein steht einige Meter von der Straße entfernt. Er besteht aus rotem Sandstein und  ist unbeschriftet. Riebeling hat ihn 1981 als "herausliegend" bezeichnet.



Meilenstein Gernsheim

Meilenstein GernsheimIn einer kleinen Alage am Kreisverkehr Pfungstädter Straße / Otto-Hahn-Straße steht ein Meilenstein aus rotem Sandstein (Standort). Er dürfte im Zusammenhang mit dem Bau des Verkehrskreisels dorthin versetzt worden sein. Die Beschriftung ist nicht mehr erkennbar. Schröter und Grell wollen auf dem rechteckigen aufgemalten Feld "von Darmstadt" gelesen haben.







Meilenstein Lampertheim

Meilenstein LampertheimDer Meilenstein in der Lampertheimer Gemarkung steht auf der Nordseite der B 47 zwischen Bürstadt und Rosengarten vor einem Einzelhaus  (Standort). Am Kopf des roten Sandsteins ist ein Schild mit der Straßenbezeichnung "47" angebracht. Die Beschriftung in schöner Schreibschrift ist eingraviert: "von Darmstadt 40 Kilometer". Unten am Fuß erkennt man "160". Es dürfte sich dabei um 160.000 Fuß (á 0,25 m) handeln, was den oben angezeigten 40 km entspricht. 






Meilenstein Darmstadt (Böllenfalltor)

Meilenstein DarmstadtDer Meilenstein am Böllenfalltor in Darmstadt ist nicht leicht zu finden, denn die Straße nach Nieder-Ramstadt wurde offensichtlich etwas nach Norden verlegt (Standort). Man parkt auf dem Patz des Restaurants und läuft zwischen Bundesstraße und dem östlich davon laufenden Parallelweg. Der Stein ist ca. 50 m vom Parkplatz entfernt. Der Hohlweg der alten Straße ist noch gut zu erkennen. Der Stein besteht aus hellem Sandstein und ist mit einer Eisenklammer auf einem Betonfundament (oder Sandsteinfuß?) befestigt. Vom Louisenplatz ist er 3,2 km entfernt. Zur "Stunde" (3,5 km) fehlen eigentlich noch 300 Meter. Es gibt dazu auch einen Eintrag in Wikipedia.




Die Straßen, an denen die drei Meilensteine rund um Roßdorf stehen (alle 10 km von Darmstadt entfernt), haben zwischen Darmstadt und den Straßenkreuzungen an der evangelischen Kirche in Roßdorf eine gemeinsame Streckenführung. An dieser Kreuzung führen die Straßen Richtung Hainstadt (Dieburger Straße -->Meilenstein Gundernhausen), Richtung Rehbach (Erbacher Straße --> Meilenstein Roßdorf) und Richtung Krumbach (Wilhelm-Leuschner-Straße --> Meilenstein Ober-Ramstadt), s. Abbildung.

Meilenstein Gundernhausen

Meilenstein GundernhausenDer Meilenstein in der Gundernhausener Gemarkung steht ca 300 m entfernt von der Kreuzung der B 38  mit der Straße von Ober-Ramstadt nach Gundernhausen auf der südöstlichen Straßenseite dicht hinter einer Leitplanke am Böschungsabhang (Standort). Auf weißem Grund ist eine "26" auf dem roten Sandstein aufgemalt, ein Hinweis, dass es sich bei dieser Straße um die Bundesstraße 26 handelte, bevor die vierspurige B 26 neu diese Rolle übernahm. Um den Stein aufzusuchen, sollte man auf der nördlichen Straßenseite in einer Feldwegeinfahrt parken, den Fahrradweg bis zur Höhen des Steins entlanglaufen und dann die Straße queren (nicht ganz ungefährlich).
Die Straße geht dann weiter über Dieburg und Höchst i.O. Richtung Hainstadt. Von den 20er und 30 er Meilensteine findet sich nichts bei Riebeling.


Meilenstein Hainstadt

Meilenstein BreubergZwischen Neustadt-Rosenbach und Hainstadt unterhalb der Burg im Odenwald steht der 40 km-Meilenstein aus rotem Sandstein auf der Südseite der B 426  (Standort). Die schwarz unterlegte Inschrift "Von / Darmstadt / 40 Klm."  ist eingraviert. Der Meilenstein ist vor mindestens 10 Jahren renoviert worden, die Säule steht auf einem neuen Fuß und der Standplatz um den Stein ist gepflastert. Wenige Kilometer hinter dem Stein beginnt der Freistaat Bayern.






Meilenstein Roßdorf

Meilenstein RossdorfDer Meilenstein auf Roßdorfer Gemarkung steht an der Einmündung der Erbacher Straße in die B 38 (Standort). Er besteht aus rotem Sandstein und ist unbeschriftet. Die Entfernung nach Darmstadt beträgt 10 km.  Die Meilensteine nach 20 und 30 km Richtung Rehbach wurden von Riebeling nicht erwähnt.








Meilenstein Rehbach

Meilenstein RehbachDieser 40-Kilometer-Meilenstein steht gut sichtbar auf der nordöstlichen Seite der B 47 zwischen Rehbach und Steinbach, beide sind Stadtteile von Michelstadt (Standort). Er besteht aus rotem Sandstein. Die eingeschlagene Beschriftung lautet "Von Darmstadt 40 Klm". Unten am Fuß erkennt man die ebenfalls eingeschlagene Zahl "160". Dies steht wohl für 160.000 Fuß, entsprechend 40 km. Ähnlich wie bei dem Sprendlinger Meilenstein ist eine Fläche aus der Rundung herausgehauen worden. Zwei Dübellöcher weisen darauf hin, dass dort wohl ein Schild angebracht war. Die Böschung hinter dem Meilenstein ist mit einer runden Mauer stabilisiert.




Meilenstein Ober-Ramstadt

Meilenstein Ober-RamstadtDer dritte 10 Km-Meilenstein hinter Roßdorf steht an der Ostseite der Straße von Roßdorf nach Ober-Ramstadt, einige Meter abseits von der Straße (Standort). Von Roßdorf kommend macht die Straße nach dem Eintritt in den Wald eine Linkskurve. Den Stein findet man am Beginn der Linkskurve auf der linken Seite. Schröter und Grell hatten ihn 2019 nicht gefunden. Ich suchte ihn ebenfalls zunächst vergeblich. Erst ein Hinweis von Clara Hartmann half mir, den Standort zu identifizieren. Sie hatte den Stein bei einer Radtour durch den Odenwald gesehen und fotografiert und mich darauf aufmerksam gemacht. Der Meilenstein besteht aus rotem Sandstein. Man sieht eine rechteckige weiße Grundierung (?). Die Beschriftung ist nicht mehr zu erkennen.



Meilenstein Ernsthofen

Meilenstein Ernsthofen20 km von Darmstadt entfernt steht der Meilenstein am nördlichen Ortsrand von Ernsthofen auf der  östlichen Straßenseite (Standort). Er besteht aus rotem Sandstein und ist kleiner als die üblichen Meilensteine. Die eingeschlagene Beschriftung ist nur undeutlich zu erkennen: "Von / Darmstadt / 20 Kilometer".







Meilenstein Gadernheim

Meilenstein GadernheimAm südlichen Ortsausgang von Gadernheim im Odenwald steht der 30-Kilometer-Meilenstein (Standort). Auch er besteht aus rotem Sandstein und ist unbeschriftet. Er stand früher einige Dutzend  Meter weiter südlich. In den 1960er Jahren wurde er durch Straßenbauarbeiten zerbrochen, wieder restauriert und an der neu erbauten Einmündung der Krehbergstraße in die Nibelungenstraße (B 47) wieder aufgestellt (Info: Meilenstein-Journal, Dez. 2018). Das Besondere an diesm Stein ist, dass sich der Korpus sich nicht nach oben verjüngt, wie es bei den anderen Meilensteinen im Großherzogtum der Fall ist. Interessant ist die Beschriftung einer Informationstafel: "Es handelt sich ... um einen alten Meilenstein der Provinzstraßen des Großherzogtums Hessen-Darmstadt. Der Rundsockelstein wurde 1843 ... errichtet. ... Im Großherzogtum Hessen-Darmstadt wurde 1843 in Klafter (ca. 1,90 m) und Meile (=4.000 Klafter, ca. 7.600 m) gemessen. Die Entfernung betrug demnach 4 Meilen nach Darmstadt. ..."  Dies ist nicht ganz korrekt. Wie oben ausgeführt betrug im GH Hessen seit 1818 eine Meile 7.500 Meter. Ein Klafter entsprach 2,50 Meter. S. dazu den Eintrag in Wikipedia. 1 Meile = 3000 Klafter. Die Entfernung nach Darmstadt war demnach 9000 Klafter. S. dazu auch die Inschrift des Meilenstein Effolderbach.


Meilenstein Krumbach

Meilenstein RossdorfDer 40-Kilometer-Meilenstein steht in Krumbach. Schröter und Grell konnten ihn nicht finden, weil er von seinem ursprünglichen Standort ca. 1 km nördlich des Ortes an den nördlichen Ortseingang in eine kleine Anlage neben einem Wartehäuschen versetzt wurde (Standort). Durch den Bewuchs ist er leicht zu übersehen. Er besteht aus rotem Sandstein. Seine Oberfläche ist nicht geglättet. Die eingeschlagene Beschriftung lautet "Von / Darmstadt / 40 KM". Den Hinweis auf den jetzigen Standort gab mir Jens Eder vom dortigen Odenwaldclub. Er verwies mich auch an Albert Emig. Dieser teilte mit folgendes mit: Der Stein stand bis vor ca. 6-7 Jahren an der Straßenböschung Richtung “Gumpener-Kreuz. Unterhalb des Steines bewirtschaftete ich damals eine Wiese. Eines Tages lag der oberirdische Teil dieses Steines in meiner Wiese. Der hydraulische Arm eines Böschungsmähers hatte ihn von seinem unterirdischen Teil getrennt und in die Wiese kullern lassen. Da ich als ehemaliger Ortvorsteher von Krumbach an seinem jetzigen Standort eine kleine “Anlage” unterhielt, konnte ich den zuständigen Herrn von Hessen Mobil überzeugen, dass das denkmalgeschützte Reststück dort am besten vor Mähmaschinen geschützt ist.


Meilenstein Nieder-Ramstadt

Meilenstein Nieder-RamstaftDieser 10-Kilometer-Meilenstein stand früher an der Einmündung der Straße "An der Papiermühle" in die Rheinstraße (B426). Der Standort wurde durch den Ausbau der Bundesstraße überbaut und der Stein erhielt wenig entfernt auf der anderen Seite der Modau an einem wenig repräsentativen Ort vor einer blechernen Löschwasserpumpstation einen neuen Platz (Standort). Er ist aus rotem Sandstein gefertigt und unbeschriftet. Die Oberfläche ist relativ rauh. Es zieht sich ein Längsriss durch den Korpus. Ein Sockel ist nicht zu erkennen.





Meilenstein Heppenheim

Meilenstein RossdorfDieser 30-Kilometer-Meilenstein stand an der B 460 östlich von Heppenheim am Ortseingang von Fischweiher. Er wurde wahrscheinlich wegen Straßenausbauarbeiten n den Eingang der Straßenmeisterei in Bensheim, Amperestraße 6 gestellt (Standort). Er besteht aus rotem Sandstein und ist unbeschriftet. Sehr schön kann man den vierteiligen Aufbau erkennen: Ein quaderförmiger Fuß, ein kurzer Säulenförmiger Sockel, ein sich nach oben verjüngender Korpus und ein flacher Kegel als oberer Anschluss..





Den Meilenstein Stallenkandel konnte ich in der Motorradsaison 2019 nicht mehr aufsuchen. Das wird im Frühjahr 2020 erfolgen..

Es existieren noch drei weitere Meilensteine im Großherzogtum Hessen, welche die frühere Poststraße von Friedberg nach Ortenberg bemessen. Sie stehen noch im "echten" Meilenabstand. Ausgangspunkt ist der Burghof der Friedberger Burg (Schröter und Grell)

Meilenstein Nieder-Florstadt

Meilenstein Nieder-FlorstadtDieser Meilenstein steht ca. 700 m westlich der Ortsgrenze von Nieder-Florststadt auf der nördlichen Straßenseite (Standort). Die Entfernung nach Friedberg soll 1 Meile betragen. Er besteht aus rotem Sandstein und hat bis auf eine leicht eingeschlagene "30" keine Beschriftung. Es ist nicht bekannt, was diese Inschrift bedeutet.







Meilenstein Nieder-Mockstadt

Meilenstein Nieder-MockstadtRund 7500 m (= 1 Meile) weiter östlich wurde hinter dem neugestalteten Ortseinfahrtskreisel sehr prominent dieser Meilenstein (Standort) auf der nördlichen Straßenseite aufgestellt. Er ist aus rotem Sandstein gefertigt und ist nicht beschriftet. Er wurde sicherlich vor der Neuaufstellung gesäubert bzw. restauriert.








Meilenstein Effolderbach

Meilenstein EffolderbachMeilenstein EffolderbachNach weiteren (ca.) 7500 m erreicht man ca. 500 m vor dem Straßenabzweig nach Effolderbach den dritten Meilenstein dieser Serie (Standort). Er steht auf der nördlichen Straßenseite an einer mit Steinen befestigten Böschung. Er besteht aus rotem Sandstein und ist sehr schön restauriert. Die umfangreiche Beschriftung ist eingraviert: Nach -- Selters -- 1/2 Stunde  // Von -- Friedberg -- 6 Stunden //  Von -- Ranstadt -- 3/4 Stunde -- Von -- Staden -- 2 1/2 Stunden. Am Sockel ist zu lesen: 9000 -- Klafter. Diese Angabe Bezieht sich auf die Entfernung nach Friedberg. Ein Klafter im Großherzogtum Hessen entsprach 2,5 m. Das multipliziert mit 9000 ergibt 22500 = 3 Meilen = 6 Stunden. Das Bild rechts zeigt deutlich, dass der Stein mit rötlicher Farbe grundiert ist und dass Fuß und Korpus zusammengefügt worden sind.



Meilenstein Stockstadt am Main

Meilenstein StockstadtPer Zufall geriet ich auf den "Dorfplatz" von Stockstadt am Main (Bayern), einem Freizeitgelände etwas außerhalb der Stadt an der Autobahn A3 (Standort). Zu meiner Überraschung entdeckte ich dort einen Meilenstein vom gleichen Typ wie die oben beschriebenen großherzoglichen Steine. Er ist mit folgendem eingeschnittenen Text beschriftet: 10 Kilometer / 10,0 nach Aschaffenburg / 1,6 bis zur Landesgränze.
Ich recherchierte ein wenig: In der Website des Geschichts- und Heimatvereins Mainhausen wird er als Mainflinger Kulturdenkmal bezeichnet. Eine Rücksprache mit dem Vereinsvorsitzenden ergab, dass der Stein an der Straße Seligenstadt-Stockstadt (B 469) südwestlich der Ausfahrt von der A45 gestanden haben soll. Bei dem Straßenausbau hätten ihn die Stockstädter für den Dorfplatz gesichert.
Der Stein muss laut Inschrift entweder 1,6 km vor (von Aschaffenburg aus gesehen) oder 1,6 km hinter der Landesgrenze. Folglich muss die Landesgrenze entweder 8,4 km oder 11,6 km von Aschaffenburg entfernt sein. Das kann man einfach ausmessen. Von der Landesgrenze im Norden Bis zur Mainbrücke sind es 11 km, bis zum Kreisel an der Wembacher Straße 11,6 km. Das passt. Eine Alternativrechnung: Die Entfernung von der Landesgrenze im Westen Richtung Babenhausen zur Mainbrücke beträgt 8,6 km. Das passt nicht. Der Meilenstein stand demnach rund 850 m nördlich des jetzigen Standplatzes an der alten Chaussee von Stockstadt nach Seligenstadt.

ErinnerungssteinBetrachtet man auf dem Messtischblatt von 1953 diesen Straßenabschnitt, dann fällt auf, dass die Bayrisch-Hessische Grenze auf der Westseite verlauft. Am 30.3.2020 bin ich auch aufgrund eines Hinweises von der Unteren Denkmalschutzbehörde diesen Teil der Grenze abgelaufen. Im Dickicht und Astgewirr stieß ich plötzlich auf einen großen aufrecht stehenden Granitstein mit einer Bronzetafel, worauf zu lesen war: Standort des  Meilensteines Stockstadt - Seligenstadt 2001 versetzt an die alte Chaussee. Das war natürlich sehr interessant. An dieser Stelle stößt die alte Straße, deren Trassierung im Gelände gut sichtbar ist, auf die vierspurige Bundesstraße. Der Erinnerungsstein steht auf der Westseite der Trasse, also genau auf der Grenze. Demzufolge ist die Aussage, dass es sich bei dem Meilenstein um ein Mainflinger Kulturdenkmal handelt, nicht ganz unberechtigt. Allerdings muss die Vermutung, dass es sich um einen hessischen Meilenstein handelt, kritisch hinterfragt werden. Es ist eine auch für Bayern typische Kilometersäule, die an vielen Orten zu finden ist (Auskunft O.G. von der Forschungsgruppe Meilensteine). Aus dem Vergleich von Ausschnitten des Messtischblatts von 1953 mit einer modernen OpenTopoMap kann man links den Verlauf der alten Chaussee erkennen, Standorteder in dem rechten Abschnitt blau eingezeichnet ist. Die Grenze ist rechts als gestrichelte Linie zu erkennen. Wenn man diesen Stein aufsuchen möchte, parkt man am besten vor der schmalen Straßenunterführung (blauer Pfeil). Hinter der Unterführung erkennt man die Trasse der alten Chaussee parallel zur Bundesstraße. Man folgt der Trasse im Wald nach Norden, bis man den Stein erreicht. Manfred Traub aus Stockstadt informierte auf Anfrage, dass der damaligen Bürgermeister von Stockstadt den Meilensten mit einem Kranwagen abtransportieren ließ. An dieser Stelle wurde ein mit einem Bronzeschild versehenen abgeräumten Grabstein (eines Stockstädter Arztes) aufgestellt. Der Heimatforscher bestätigte, dass der Meilenstein auf der Westseite der Straße, d.h. auf der bayrisch-hessischen Grenze stand.
Insgesamt gesehen ist das damals gewählte Vorgehen positiv zu bewerten: Ein Kulturdenkmal wie dieser Meilenstein wurde von einem unzugänglichen Ort an eine öffentlich zugängliche Stelle versetzt, die zudem am Verlauf der gleichen (aufgegebenen) Straße liegt. Der ehemalige Standort wurde dauerhaft markiert. Da es sich um einen Bayrischen Meilenstein handelt, ist die Neuaufstellung in der bayrischen Gemarkung Stockstadt sicherlich gerechtfertigt.


Vermisste Meilensteine

Drei der von Riebeling erwähnten Meilensteine konnten weder von Schröter und Grell noch von mir gefunden werden. Einzelheiten zu diesen Meilensteinen sind in der Publikation von Schröter und Grell zu finden.

Der Meilenstein Lorsch war weder im Kulturverein, der Stadtverwaltung Lorsch, noch dem Forstamt Lampertheim bekannt.

Sehr intensiv recherchierte ich, um den Meilenstein Pfungstadt zu finden: Stadtarchivarin von Pfungstadt, Straßenbauverwaltung Hessen Mobil, Standortkommandatur Major Karl Plagge Kaserne in Pfungstadt, Bezirksverwalter Eberstadt, Untere Denkmalschutzbehörde. Niemand kennt dieses Kleindenkmal. Natürlich habe ich selbst an Ort und Stelle gesucht.

Der dritte vermisste Stein ist der Meilenstein Lengfeld. Er stand an der Straße von Lengfeld nach Zipfen. Der dort ansässige Heimatkundige Gerd Grein berichtete, er sei in den 1980er Jahren gestohlen worden, was eigentlich ob des Gewichtes des Steines recht zweifelhaft ist. Der zuständige Leiter der Straßenmeisterei in Groß-Umstadt hat auf meine Bitte hin intensiv, aber vergeblich nach dem Stein gefahndet. Er vermutet, dass dieser irgendwo in einem Garten steht. Bei der Unteren Denkmalschutzbehörde ist der Meilenstein als "verschwunden" kategorisiert.

Baeumerth berichtet 1977 von einem Mörfelder Meilenstein, der der Verbreiterung der Kreuzung der Bundesstraßen 486 und 44 einige Jahre zuvor „weichen musste“. Er markierte mit seiner Aufschrift “Mörfelden“ und dem Mörfelder Wappen den östlichen Ortseingang aus Richtung Langen kommend. Wohin der Stein weichen musste, wurde nicht thematisiert. Dieser Vermissten MS MörfeldenStein in der Abbildung auf der linken Seite zu sehen. Das Bild in der Mitte zeigt den Meilenstein Mörfelden aus der Publikation von Baeumerth 1977, rechts ist ein rezentes Bild (2010) dieses Steines zu sehen. Die heutige Verbindung zwischen Mörfelden und Rüsselsheim am Schloss Mönchbruch vorbei wurde erst 1953 realisiert. 1968 wurde sie in den heutigen Zustand ausgebaut und dann als Bundesstraße 486 definiert. Der Meilenstein Mörfelden, der jetzt westlich der Stadt an der Bundesstraße steht, dürfte sich demnach nicht immer dort befunden haben. Könnte es sein, dass der verschwundene Meilenstein vom östlichen Ortseingang der ist, der jetzt am westlichen Ortseingang steht? Ein Vergleich der Proportionen spricht nicht dagegen. Allerdings ist dieser Meilenstein in einem Messtischblatt von 1966 bereits mit einem Symbol gekennzeichnet.

Der ehemalige Standort an der Kreuzung am östlichen Ortseingang entspricht dem Kilometerpunkt 10 der Straße Groß-Gerau / Mörfelden-Innenstadt (Dalles) / Langen. Siehe dazu die Abbildung im Kapitel Straßensteine.

Am 21.2.2020 erschien ein Artikel im Mörfelder Freitagsanzeiger, in dem ich die Bevölkerung um Informationen zu diesem Meilenstein bitte. Leider gab es keine Rückmeldungen dazu.


Meilensteine in der erweiterten Dreieich

Meilensteine DreieichgebietWir wollen uns im folgenden Abschnitt mit den Meilensteinen im erweiterten Dreieichgebiet (Landkreise Offenbach-West, Groß-Gerau West und Dieburg Nord) befassen. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie offensichtlich nicht in das oben beschriebene 10-Kilometer-Schema passen. Ausnahme ist der Sprendlinger Meilenstein, der jetzt in Langen steht und oben beschrieben wurde. Wir beginnen mit den vier  Meilensteinen im Umfeld des landgräflichen/ großherzoglichen Jagdschlosses Wolfsgarten. Die meisten Bilder stammen übrigens aus dem Jahr 2010.

Wolfsgarten1Etwas  südlich des Hauptgebäudes steht der Meilenstein Wolfsgarten Süd (Standort). Er ist aus hellem Sandstein gefertigt und trägt die Inschrift "Nach / Darmstadt / 4 Stunden". Sie ist mit weißer Farbe aufgetragen. Wenn man die Strecke über Erzhausen (Wolfsgartenallee), Wixhausen und Arheilgen nachmisst, kommt man recht genau auf 15 km (= 4 x 3,75 km). Das passt.

Nördlich des Hauptgebäudes findet man den Meilenstein Wolfsgarten Nord (Standort). Er besteht ebenfalls aus hellem Sandstein, ist aber unbeschriftet. Im Staatsarchiv wird eine schöne Fotopostkarte des Steins aufbewahrt. Das Tor, an dem er steht, wird dort das Frankfurter Tor genannt. Die Herrschaften sind durch dieses Tor Wolfsgarten2über die Mitteldicker Allee und die Oppenheimer Straße (jetzt B 44) nach Frankfurt gefahren. Die Mitteldicker Allee verband das landgräflichen/ großherzogliche Jagdschloss Wolfsgarten mit dem Forsthaus Mitteldick, von dem aus des landgräflichen/ großherzogliche Forstrevier Mitteldick verwaltet wurde. Der Weg führte durch den Langener und Egelsbacher Eigenwald (ab 1730 Gemeindewald Langen und Gemeindewald Egelsbach). Die Mitteldicker Allee schneidet das rechtwinklige Schneisensystem in einem spitzen Winkel. Die Entfernung vom Frankfurter Tor zum Forsthaus Mitteldick beträgt 5900 schnurgerade Meter.

Den nächsten Stein, den Meilenstein Egelsbach, findet man auf der Mitteldicker AlleeWestseite der Mitteldicker Allee nur wenig nördlich von Wolfsgarten, ca. 100 Meter nördlich der Kreuzung mit der Burgschneise (Egelsbacher Gemarkungsgebiet, Standort). Er ist aus hellem Sandstein gefertigt und ist unbeschriftet. Lütkemann hat darauf hingewiesen, dass er 625 Meter vom Stein Wolfsgarten Nord entfernt steht. 625 m sind 1/12 einer Meile von 7500 m. Literatur: Lütkemann (2)

MS WaldseeNach weiteren 3125 Metern (5 x 625) erkennt man den Meilenstein Langen, dieses mal auf deren Ostseite der Mitteldicker Allee (Standort). Er steht ca. 20 m südlich des Fußgängertunnels unter der Betriebsstraße der Firma Sehring. Auch er ist aus hellem Sandstein hergestellt und ist unbeschriftet. Er wird in alten Messtischblättern als "Denkm." bezeichnet. Trotz seiner Größe ist er leicht zu übersehen. Er ist am Korpus beschädigt (Einschussloch?), einige Graffiti, inklusive "Strellen Hard" sind zu sehen. Er ist leicht nach Norden geneigt. Ein Stahlseil ist um den Fuß geschlungen. Er befindet sich auf Langener Gemarkungsgebiet.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Mitteldicker Allee alle 625 Meter abwechseln links und rechts mit einem Meilenstein bestückt war. Die Entfernung Wolfsgarten - Mitteldick beträgt ca. 6000 m. Mit dem Stein 1 in Wolfsgarten und keinem Stein in Mitteldick wären dies 10 Meilensteine. Drei sind noch vorhanden sieben Steine sind verschwunden. Welche andere rationale  Erklärung gibt es für die Standorte der Meilensteine an der Mitteldicker Allee? Diese könnten im Umfeld von Wolfsgarten genutzt worden sein. Eine steile These: Alle Steine im erweiterten Dreieichgebiet, die nicht in das großherzogliche Kilometrierungssystem passen, stammen von der Mitteldicker Allee. Dafür spricht, dass fast alle Steine im erweiterten Dreieichgebiet genau wie die vier Steine im Umfeld von Wolfsgarten aus hellem Sandstein bestehen.


ZeppelimnheimDer Meilenstein Neu-Isenburg steht auf der Ostseite der seit 1963 vierspurig ausgebauten B 44 zwischen Zeppelinheim und dem Gehspitzkreisel (Autobahnauffahrt Frankfurt Süd, Standort). Auf der Abb. links ist er im Zustand von 2020 dargestellt. Es handelte sich um eine weiß bemalte konische Säule mit flacher Spitze und einem erkennbaren runden Fuß. Die Beschriftung lautet: Zeppelinheim / <--nach-- / Frankfurt / 9 km / Gemeindewappen Zeppelinheim. In der Publikation von Baeumerth aus dem Jahr 1977 ist der Stein abgebildet. Man liest: Zeppelinheim / ----> / Gemeindewappen. Dies ist eindeutig eine Inschrift, die auf Zeppelinheim hinweist (wg. Pfeilrichtung). Eine andere Bedeutung erhielt die Inschrift bei ihrer Erneuerung im Jahr 2008 (OP Online 2.8.2008). Die Abbildung aus dem Jahr 2010 zeigt eine bereit abgeblätterte Inschrift: Zeppelinheim / nach / Frankfurt  / Wappen. In Wappen ist 9.0 km zu erkennen. Das Wappen selbst entspricht nicht dem Zeppelinheimer Gemeindewappen: In diesem ist der Zeppelin in der Weltkugel Vergleichabgebildet, auf dem Meilenstein wurde er unterhalb der Weltkugel dargestellt. Nach einem Bericht der OP Online aus dem Jahr 2013 wurde der Meilenstein im Auftrag der Stadt Neu-Isenburg erneut renoviert. Der Steinmetz Axel Kaufmann hat die Inschrift und das Zeppelinheimer Gemeindewappen in den Stein eingraviert und zwar auf der der Schriftseite genüberliegenden Seite. Der mit weißer Farbe versehene Stein wurde 4/2013 wieder aufgestellt. --> Hier ein Bild kurz nach der Renovierung. Aus einem ursprünglichen Hinweis auf Zeppelinheim wurde durch die Renovierung 2008 ein Hinweis auf Frankfurt. Die Inschrift "Zeppelinheim" verliert dadurch jeglichen Sinn. Der Stein steht nicht auf Zeppelinheimer, sondern auf Neu-Isenburger Gemarkungsgebiet. Diese falsche Interpretation wurde durch die Renovierung 2013 fortgeschrieben, durch die Schriftgravur allerdings irreversibel. Zumindest das Gemeinewappen ist korrekt.  Der Meilenstein stand vorher auf der Denkmalschutzliste des Landes Hessen. Die eingemeißelte Inschrift führte jedoch dazu, dass ihm der Denkmalcharakter aberkannt  wurde. Axel Kaufmann bestätigte, dass es sich um einen hellen Sandstein handelt, der möglicherweise aus der Pfalz stammt. Da muss man natürlich gleich an die hessischen Besitzungen in der Pfalz denken (ehemals Hanau-Lichtenbergisches Territorium, z. B. Pirmasens, hessisch von 1736 - 1803).

Der Stein ist vermutlich bei dem vierstreifigen Ausbau der B 44 im Jahr 1964 neu gesetzt worden. Wo er vorher stand, ist nicht bekannt. Er könnte von der Mitteldicker Allee stammen und nach der Gründung von Zeppelinheim bemalt und an die B44 versetzt worden sein. Aber warum auf Neu-Isenburger und nicht auf Zeppelinheimer Gemarkungsgebiet? Er könnte zuvor den Kilometerpunkt 20 der Straße Groß-Gerau nach Frankfurt markiert haben. Die Straße zwischen Mörfelden und Frankfurt wurde 1868/1870 chaussiert. Die Strecke Groß-Gerau über Mörfelden zur Landesgrenze zum preußisches Frankfurt wurde entsprechend kilometriert. Der Kilometerpunkt 20 lag direkt an der Einmündung der Straße "An der Gehespitze" in die B 44 (s. Messtischblatt von 1935). Die Autobahnauffahrt Frankfurt Süd, der Gehspitzkeisel und die vierspurige Zufahrt zu diesem Kreisel wurde in den frühen 1950er Jahren erbaut. Dabei könnte der dort gestanden habende Meilenstein nach Süden versetzt und mit einer neuen Bemalung versehen worden sein. Das sind allerdings Spekulationen, die sich kaum belegen lassen werden können. Auf einem Foto aus dem Jahr 1937 der o.g. Straßeneinmündung ist kein Meilenstein zu sehen (Information von Fam. Gruber). Das spricht geben diese These, ebenso die Tatsache, dass es sich um einen Stein aus hellem Sandstein handelt.



MönchsbruchText Stundenstein MönchsbruchDer Meilenstein Mönchbruch steht unübersehbar in der Anlage an der Südwestecke des Jagdschlosses Mönchbruch zwischen Mörfelden und Rüsselsheim (Standort ). Es handelt sich um eine 137 cm hohe, hell grundierte konische Säule mit flacher Spitze aus hellem Sandstein. Der Fuß steckt unter der Erdoberfläche. Die Beschriftung ist etwas komplex, aber dann doch verständlich. 1 Std = 3,75 km. Nach Mörfelden sind es recht genau 3,75 km, nach Rüsselsheim 7,5 km. Zum Marktplatz von Groß-Gerau sind es rund 7 km. Die Entfernung zu Raunheim beträgt per Luftlinie schon 5 km. Ein Blick auf das Foto im der Publikation von Baeumerth aus 1977 zeigt, dass die (ungenauen) Entfernungsangaben nach Raunheim und Groß-Gerau erst durch eine spätere Renovierung angebracht wurden. Auf dem Foto ist der jetzt nicht mehr sichtbare Fuß des Steines zu erkennen. Das deutet daraufhin, dass der Stein möglicherweise mit der Renovierung an den heutigen Standort versetzt wurde. Auf der Rückseite ist das  Wappen von Mörfelden aufgemalt. An dem Bild erkennt man, wie der Zahn der Zeit an den Applikationen auf den Steinen nagt. 2010 konnte man am Fuß des Steines lesen, dass er 1999 (?) von H. Siegel (?) und K. Koban renoviert worden ist. Mehr zu --> Karl Koban.  Diese Inschrift war 2020 nicht mehr zu erkennen.


MörfeldenDer Meilenstein Mörfelden steht ebenfalls auf der Nordseite der Straße von Mörfelden nach Rüsselsheim ca. 200 Meter westlich der letzten Ampelanlage am Mörfelder Schwimmbad (Standort). Es handelt sich um eine hell grundierte konische Säule aus hellem Sandstein. Oben ist das Wappen von Mörfelden zu sehen, darunter: "Wolfsgarten / Std. 2 / Mönchbruch". Auch dieser Meilenstein hatte 1977 eine andere Beschriftung (Lit. Baeumerth (3)). Sie lautete damals: "Nach / Wolfsgarten / 2 St. ---> / Mönchbruch / <-- 1/2 Stunde. / Wappen von Mörfelden". Bei der Renovierung wurde die Entfernungsangabe nach Mönchbruch unterschlagen. Vielleicht lag es daran, dass die Entfernung nach Mönchbruch 2,5 km beträgt und nicht 1,875 (= 1/2 Stunde). Die Entfernung nach Wolfsgarten entspricht mit 7,5 km der Angabe von 2 Stunden.

Der Stein steht in der Nähe des Kilometerpunktes 10 der Bundesstraße 486 (Zählung von Rüsselsheim aus). Diese Straße von Mörfelden über Mönchbruch nach Rüsselsheim wurde erst nach 1935 erbaut, denn im Messtischblatt aus diesem Jahr ist eine durchgehende Straße noch nicht eingezeichnet. Es ist daher nicht wahrscheinlich, dass der Stein diesen Kilometerpunkt markieren sollte. Der Verkehr wurde früher über den weiter südlich verlaufenden Rüsselsheimer Weg abgewickelt. In der Haas'schen Karte wird dieser als "Landstrasse nach Darmstadt" bezeichnet. Die Verbindung Mönchbruch - Mörfelden erfolgte über den Heuweg, dessen Verlauf der Trasse der heutigen Bundesstraße entspricht. Dieser Meilenstein ist in einem Messtischblatt von 1966 bereits mit einem Symbol gekennzeichnet.

Darüber, dass dieser Stein früher an der Kreuzung B44/B486 gestanden haben könnte, wurde weiter oben im Kapitel "Vermisste Meilensteine" spekuliert.

In der Nähe des Jagdschlosses Mönchsbruch steht am Gundweg ein weiterer Stein, der mit einem historischen Meilenstein verwechselt werden kann. Lesen Sie -->hier darüber mehr.


Straßenstein MönchsbruchalleeDer Meilenstein Groß Gerau steht an dem westlichen Rand des "Mönchbruchpfades", der von der Mönchbruchsmühle Richtung Groß-Gerau führt, ca. 200 Meter nördlich der Brücke über den Apfelbach (Standort). Die Säule ist von der kleineren Sorte und misst vom Fuß bis zum oberen Rand 104 cm. Der Fuß ist nur auf der Westseite zu erkennen. Er ist ebenso wie der Korpus auf der Ostseite beschädigt. Er besteht aus hellem Sandstein, der ungrundiert und unbeschriftet ist. Die Graffiti sind nicht zu entziffern. Er steht 2,9 km von Mönchbruch entfernt. Die Distanz zu Groß Gerau beträgt per Luftlinie 3,75 km, also eine Stunde. Es ist schon rätselhaft, weshalb der Stein an dieser Stelle steht. Der Weg von Darmstadt nach Mönchbruch über Mörfelden ist deutlich kürzer als der über Groß-Gerau.  


Die beiden letzten hier genannten Meilensteine haben etwas gemeinsam: Sie befinden sich beide an der östlichen Gemarkungsgrenze von Messel. Um sie besser unterscheiden zu können, werden sie als Urberacher und Eppertshauser Meilensteine bezeichnet. Die Straßen, an denen beide stehen, wurden erst um 1880 - 1905 ausgebaut. Sie müssen demnach vorher woanders gestanden haben. Es ist zu beachten, dass Messel erst 1806 zum Großherzogtum Hessen kam; vorher dürften dort keine großherzoglichen Meilensteine gestanden haben. Westlich von Messel liegt das landgräfliche/ großherzogliche Kranichstein mit ausgedehnten Wäldern. Möglicherweise stammen die Steine von dort. Der Kilometerpunkt 10 der Straße Darmstadt - Messel liegt heute im Messeler Ortsgebiet. Die beiden Messeler Steine dürften nichts mit der Straßenkilometrierung zu tun haben. Ein kompetenter Messeler Heimatforscher konnte keine Information über die Herkunft der Steine geben.


Kilometerstein Messel UrberachMessel U2Den Meilenstein Urberach findet man an der Straße von Messel nach Urberach am Waldeingang an der nördlichen Straßenseite (Standort). Er markiert die Grenze zwischen beiden Gemarkungen. Auf beiden Seiten sind die Wappen der angrenzenden Gemeinden angebracht (bedruckte Aluminiumplatten, ca. 28 cm breit und 30 cm hoch). Dieser Stein ist im Vergleich zu den anderen hier gezeigten auffällig kurz, vermutlich ist er irgendwann zerbrochen und verkürzt wieder auf einen runden Sockel gestellt worden. Der braun angestrichene Fuß ragt ca. 25 cm aus dem Boden heraus. Der Korpus ist 63 cm hoch, die Spitze ca. 8 cm.  Er ist mit weißer Farbe angestichen. Ich möchte nicht ausschließen, dass es sich um einen Betonstein handelt, also ein Stein, der nicht in diese Reihe gehört. Er besteht auf keinen Fall aus rotem Sandstein. Auf den Foto aus Lit. Baeumerth (3) aus 1977 erkennt man ein aufgemaltes großes Messeler Wappen sowie daneben "Nach / Messel / <--- / Urberach (?)". Auf der anderen Seite dürfte das Urberacher Wappen zu sehen gewesen sein.


Kilometerstein Messel EpperthausenMessel E2Der Meilenstein Eppertshausen steht der Straße von Messel nach Eppertshausen auf der nördlichen Straßenseite, dort wo die Straße aus den Wiesen in den Wald hineinführt (Standort). Er markiert die Grenze zwischen beiden Gemarkungen. Auch auf ihm sind Aluminiumschilder mit den Wappenbildern beider Gemeinden angebracht. Er ist weiß angemalt und besteht aus hellem Material.







Literatur zu Meilensteinen: Baeumerth (3), Riebeling (2), Lütkemann (2), Schröter und Grell
Ich danke Johannes Baeumerth sowie dem Hessischen Heimatbund für die Erlaubnis, die Abbildungen aus Karl Baeumerth: “Meilensteine in der Dreieich”, der in der “Hessische Heimat” 27 Jg, 1977, Heft 2, Sonderheft Dreieich, S. 68 , nutzen zu dürfen.