Steine in der Dreieich
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Ysenburg - Hessen Darmstädtische Grenzsteine


Anschauen in Google Earth
Die Grenze zwischen  dem Fürstentum Ysenburg und der Landgrafschaft Hessen Darmstadt wurde 1783 zwischen der Gehspitz und einem Punkt im Wald östlich der Kreisstraße K 172 (in der Nähe der Dreieichenhainer Sportanlagen) mit insgesamt 115 Grenzsteinen neu markiert. Es gab immer wieder Grenzstreitigkeiten, speziell bei der Verfolgung von Wild während der Jagd der hohen Herren. Die Kosten der Steinsetzung mussten selbstverständlich die Anwohner der umliegenden Gemeinden tragen. Im Jahr 1816 wurde beim Wiener Kongress das Fürstentum Ysenburg dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen. Die neu ausgesteinte Grenze hatte demnach nur 33 Jahre Bestand. Im Folgenden habe ich die verfügbaren Informationen über diese Grenzsteine zusammengestellt. Es ist sehr interessant, diese Grenzlinie mit einer Fahrradtour vom Dreieichmuseum bis zur Gehspitz zu erkunden.

Grenzverlauf

Y-HD GrenzsteinkarteDurch das Klicken auf die nebenstehende Abbildung kann eine Karte mit dem Grenzverlauf und der Position der einzelnen Grenzsteinen heruntergeladen werden. Die Nummerierung begann bei der Gehspitz mit 1 und endete mit 88 an dem „Hainer Bürgeracker“ an der alten B 3 (= nördlicher Abschnitt). Hier beginnt sie wieder mit 1 bzw. 2 und endet mit 27 am „Hanauer Koberstadt Feld“ (= südlicher Abschnitt). Die nebenstehende Karte (vergrößerbar) zeigt den Grenzverlauf mit den noch existierenden Steinen. Auf dieser Karte ist auch eine Fahrradtour entlang der Grenzlinie vorgeschlagen. Eine ausführliche Beschreibung der Tour ist in der "Landschaft Dreieich" 2011 erschienen.



Google EarthBei unserer Grenzbegehung haben wir die Position der Steine mit einem GPS Gerät (Garmin Oregon 400) bestimmt. Die GPX Datei kann hier heruntergeladen werden und auf der Festplatte gespeichert werden. Ggf. müssen Sie die Daten über die Zwischenablage in einen Texteditor kopieren und dann als *.gpx Datei abspeichern. Sie kann dann in Google Earth / Maps und anderen ähnlichen Programmen importiert werden. Die Daten können auch in ein GPS Gerät überspielt werden. Damit können die Steine leichter aufgefunden werden. Bitte beachten Sie, dass auch Steinpositionen einiger verlorengegangener Steine dargestellt werden.
 
Publikationen


Ysenburger GrenzsachenMit einem Klick auf das nebenstehende Bild können Sie die Publikation des verstorbenen Dreieicher Heimatforscher Rolf K. Nieß "Ysenburgische Grenzsachen zwischen Ysenburg und Hessen Darmstadt - Eine Beschreibung des Grenzverlaufes und der Neuaussteinung im Jahr 1783" in Stadt und Landschaft Dreieich, Band 9 (1984) als PDF Datei herunterladen. Dies erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Frau Schickedanz (geb. Nieß). Darin gibt er detaillierte historische Hintergrundinformationen. Das transkribierte Steinsetzungsprotokoll von 1783 wurde dort abgedruckt. Es sind darin die Abstände und die Winkel zwischen benachbarten Steinen beschrieben. Eine Kartenskizze und eine tabellarische Information zu den einzelnen Grenzsteinen ergänzten die Aufstellung. Von den ursprünglich 115 Steinen waren 1984 leider 43 Steine nicht mehr vorhanden. Die Publikation ist vergriffen, sie kann aber hier hochgeladen werden. Rolf K. Nieß hat für die Denkmalbehörde 1994 die Grenze nochmals dokumentiert, was allerdings nicht publiziert wurde. 

In der "Landschaft Dreieich" (2010) hat Martin Kaltenbach diese Grenzsteine erneut beschrieben. Auf seine dankenswerte Initiative hin sind einige Steine neu gesetzt worden. Er beklagt den Verlust von weiteren Steinen seit 1984. Glücklicherweise konnten wir bei intensiver Suche einige der von ihm vermissten Steine wieder auffinden. Weiterhin konnten einige Steine in Privatgärten identifiziert werden.

 
GrenzbegehungIm Jahr 1984 - praktisch zum 200. Steinsetzungsjubiläum- wurde von den Freunden Sprendlingens und den Langener Altstadtinitiative eine Grenzbegehung organisiert, das sehr lustig und erfolgreich gewesen sein soll. Durch Anklicken der nebenstehenden Grafik können Sie das Protokoll von dieser Veranstaltung herunterladen. Viel Spaß beim Lesen. Zum 100. Steinsetzungsjubiläum erschien im Langener Wochenblatt vom 22.12.1883 ein Artikel "Selbstgespräch eines Hundertjährigen", in dem einer der Grenzsteine die letzten hundert Jahre kommentiert. Der Artikel wurde von Wolfgang Deißler zur Verfügung gestellt.


Grenzstein-Update 2010

TabelleMit einem Klick auf die nebenstehende Abbildung kann eine Tabelle geöffnet werden, die zweierlei Informationen enthält: Zum Ersten werden die Bestandsaufnahmen von Nieß (sowohl aus seiner Tabelle als auch aus seiner Karte), Kaltenbach (2007) und Ott (2009) tabellarisch gegenübergestellt. Zum Zweiten sind in der Tabelle die Distanzen zwischen den Steinen und der entsprechende Grenzwinkel aus dem Grenzprotokoll von 1783 dargestellt. R steht für Rute, S für Schuh und Z für Zoll. Der Umrechnungsfaktor in Meter betrug im nördlichen Grenzabschnitt 470 (1 Langener Rute entspricht 4,70 Meter) und im südlichen Abschnitt 458 (1 Hainer Rute entspricht 4,58 Meter). Schuhe und Zoll sind metrisch definiert. Der Winkel ist in Grad und Minuten dargestellt, Y oder D steht für die Richtung des Innenwinkels. Herr Uwe Büchel machte darauf aufmerksam, dass die Winkelangabe bei Stein 44 nicht wie angegeben 177 Grad beträgt, sondern eher 117 Grad. Ob dies ein Übertragungsfehler von Nieß ist oder bereits im Original vorhanden war, kann z.Z. nicht festgestellt werden. 

Grenzstein-Update 2011
Karte HaufHerr Uwe Hartig aus Dreieichenhain hat mir freundlicherweise die Handrisse der Dreieichenhainer Flurgrenzen von 1852 elektronisch überlassen. Am Beispiel der Gemarkungsgrenze zum Langener Mühltal hin, wird es deutlich, dass die Grenze früher enger besteint war. Glücklicherweise konnten die Steine von 1783 zum größten Teil erhalten bleiben, während die "Zwischensteine" meist verschwunden sind.  Auf der Abbildung rechts sind die existierenden Y-HD Steine und die Lage der Zwischensteine zu erkennen. Einer davon ist südlich von YHD 13 noch existent.

Grenzstein-Update 2012

Hainer TriftAuf der links abrufbaren Karte von 1663, die ich in Arcinsys entdeckte, steht die Kreuzung der Hainer Trift mit der Straße zwischen Sprendlingen und Langen im Mittelpunkt (Westen ist oben). Angehängt ist eine Legende mit der Beschreibung der Bedeutung der in der Karte benutzen Buchstaben. Die hier beschriebene Grenze ist 1783 neu besteint worden. Die Karte beweist, dass es den heute noch existierenden Grenzgraben in der Rostadt (H) bereits damals gegeben hat. "Die Hain" (E) dürften die Reste der Dreieicher Ringlandwehr sein (eigentlich müsste sie auf der rechten Bildseite zwischen dem Weg und dem Graben verlaufen). Die gestrichelte Linie zwischen dem Langener und Sprendlinger Feld entspricht dem heutigen Rossertgraben. Der Grenzstein A liegt auf dieser Grenzlinie und dürfte dem heutigen Stein Nr. 88 entsprechen. Der Grenzstein B befindet sich auf der Karte mittig zwischen Grenzstein A und der Trift-Kreuzung. Auch er steht auf einer noch gültigen Gemarkungsgrenze zwischen Sprendlingen (=Ysenburg) und Dreieichenhain (= gemeinsamer Besitz von Ysenburg und Hanau).

Grenzstein-Update 2015

Alter GrenzwegIm März 2015 wurde auf Initiative von Martin Kaltenbach ein bisher noch nicht mit einem Namen versehener Verbindungsweg zwischen dem Pirschweg und dem Karl-Duchmann-Weg in Buchschlag mit dem Namen "Alter Grenzweg" bezeichnet. In einer kleinen Eröffnungsveranstaltung dankte Bürgermeister Zimmer (und ich als Vertreter des Amtes für Bodenmanagement und Geoinformation) Martin Kaltenbach für sein Engagement bei der Erhaltung dieser stummen Zeugen der Vergangenheit. An einer Infotafel hatte ich Gelegenheit, einige Informationen zur Geschichte dieser Grenze im Allgemeinen und der dort stehenden Grenzsteine im Besonderen zu geben. Erfreulich war, dass bei dieser Gelegenheit der bisher in einem Privatgarten aufgestellte Stein Nr. 21 der Öffentlichkeit wieder übergeben wurde. Lesen Sie -->hier einen Bericht aus op-online. Stein Nr. 21 wurde in der folgenden Woche an seinem vermeintlich alten Platz "museal" (weil ohne Neuvermessung) wieder aufgestellt.

Bewegte Steine - ein Update der Y-HD Grenzlinie im Januar 2018

Es stellt sich immer wieder die Frage, was zu tun ist mit herausliegenden Grenzsteinen und solchen, die in Privatgärten entdeckt worden sind. Wenn es sich um herausliegende vollständige Steine handelt, die am ursprünglichen Standort gefunden wurden, wird man diese wieder an Ort und Stelle aufrichten bzw. eingraben. Abgebrochene Steine und solche, deren Standort man nicht kennt, sind am besten in einem Lapidarium aufgehoben. (Gestohlene) Steine in Privatgärten sollten der Allgemeinheit in einem Lapidarium zugänglich gemacht werden. Bei den Steinen der Y-HD Grenzlinie ist es durch deren fortlaufende Nummerierung möglich, deren Grenzpunkte mit Hilfe von Katasterkarten zu identifizieren. Da die Steine nur auf ihren ursprünglichen Standplatz ihre immateriellen Eigenschaften als Grenzmarkierung besitzen, bemühe ich mich, die Steine in Lapidarien und Privatgärten wieder zurückzubringen, sie sozusagen "auszuwildern". Eine Neuvermessung scheitert in der Regel an den damit verbundenen Kosten, zumal es oft sinnvoll ist, die Steine aus Sicherheitsgründen einige Meter vom Weg Steinrestaurierungentfernt aufzustellen. Ich bezeichne diese Art der Aufstellung als "museal". Selbstverständlich muss diese ordentlich dokumentiert werden. Bei einer Neusetzung von abgebrochenen Grenzsteinköpfen gibt es häufig das Problem, dass diese zu kurz sind oder die Bruchfläche nicht gerade verläuft. In solchen Fällen betoniere ich einen geraden Fuß als Verlängerung an das untere Ende des Steinfragmentes, verstärkt durch Edelstahlanker. In der Mitte wird ein 3 cm großes Loch freigelassen, in das vor Ort ein Edelstahlgewindestab mit Schnellzement eingelassan wird. Am vorgesehenen Ort wird ein 40 x 40 x 60 cm großes Loch ausgehoben und mit Beton verfüllt. Darauf wird dann der mit dem Gewindestab versehene Grenzstein gesetzt und ausgerichtet (s. Abb.). Er sollte - sofern kein Harvester über sie fährt - mindestens weitere 200 Jahre dort sichtbar sein.

Es darf auf dieser Stelle auf mein Buch "Grenzen und Grenzsteine der Neu-Isenburger Gemarkungen" hingewiesen werden, in dem der Abschnitt dieser Grenze von der Gehspitz bis zur Main-Neckar-Bahn beschrieben wird. Lesen Sie -->hier den entsprechenden Text. Es sei noch angemerkt, dass diese Territorialgrenze nach 1816 noch lange Zeit Gemarkungsgrenze war (Mitteldick und Fürstl. Isenburger Wald). Nach der Auflösung der Gemarkung Mitteldick 1954 war diese Linie nur noch Flurgrenze. Im Folgenden sollen die Steine beschrieben werden, die in irgendeiner Weise "bewegt" worden sind. Beginnen wir mit dem nördlichen Abschnitt.

Die Steine 10, 25, 28, 38, 42 und 65 wurden auf Initiative von Kaltenbach um 2008 vermessen und neu gesetzt.

Der Kopf von Stein 18 wurde auf Kaltenbachs Initiative in das Depot des Dreieich-Museums verbracht. Eine damals auf dem Grenzpunkt eingesetzte Messmarke wurde bei Wegearbeiten wieder "weggehobelt". Im September 2018 wurde der wie Stein 21oben beschrieben restaurierte Stein 18 im Beisein des Frankfurter Revierförsters einige Meter vom Isenburger Weg entfernt wieder eingesetzt. Im Mai 2012 wurde ich von einem pensionierten Forstwirt darauf  aufmerksam gemacht, dass in einem Forstschuppen ein Grenzstein liegt. Es handelte sich in der Tat um den Stein 20, der eigentlich um 1985 restauriert werden sollte und seitdem verschwunden war. Er wurde im November 2015 an seinen vermeintlich alten Standplatz eingesetzt. Wie oben berichtet, wurde Stein 21 in den 1980er Jahren in einem Sprendlinger Privatgarten "gesichert" und im April 2015 wieder "ausgewildert". Die neu gesetzten Steine 18, 20 und 21 stehen relativ dicht beieinander.

Herr Uwe Bücher untersuchte die Grenzlinie anhand der von Nies publizierten Winkel- und Entfernungsdaten. In diesem Zusammenhang machte er mich im Dezember 2017 darauf aufmerksam, dass mir bei der Zuordnung der Grenzpunkte ein Fehler unterlaufen war. Ich ging davon aus, dass der nächste Knick in der Grenzlinie nördlich des Steins 22 der Standplatz von Stein 21 sein müsste (s. Abb.). Die Grenzlinie zwischen Grenzpunkt 22 und dem vermeintlichen Grenzpunkt 21 ist gerade; folglich habe ich dort keinen Grenzpunkt erwartet. Wenn man jedoch die Entfernungstabelle zu Rate zieht, erkennt man, dass die neugesetzten Steine 21 und 20 auf den Grenzpunkten 20 und 19 stehen! In der Tabelle von Nieß ist bei Grenzpunkt 21 ein Winkel von 179 Grad eingetragen; im Bürger-GIS erkennt man dort als Flurgrenze eine gerade Linie (spätere Grenzkorrektur?)

Es ist z.Z. nicht vorgesehen, die Steine erneut zu versetzen: sie wurden nicht eingemessen und die Reihenfolge stimmt.

Stein 25 hat eine interessante Geschichte: Er ist längs im Verhältnis 2:1 gespalten. Nur das größere Stück von beiden steckt im Boden. Bei meiner Erstdokumentation in 2010 fand ich ein Bruchstück, das aber nicht zu dem Kopf von Stein 25 passte. Allerdings befand sich im oben erwähnten Sprendlinger Privatgarten ein Teil eines Grenzsteins aus der Y-HD Linie. Und siehe da: das Bruchstück von Stein 25 passte sehr schön zu dem Teil im Privatgarten. Beide Teile sind zusammengefügt und warten auf eine Wiedervereinigung mit dem größeren Teil auf Grenzpunkt 25. Eine Restaurierung dürfte recht aufwendig werden: der Stein an der Grenze müsste ausgegraben werden.

Stein 26 sollte 1985 ebenfalls restauriert werde, seitdem fehlt von ihm jede Spur. Stein 27 war 1984 noch vorhanden. Stein 29 war von einem Fahrzeug angefahren worden. Er wurde im Dezember 2014 von mir wieder aufgerichtet. Stein 35 war 1984 noch vorhanden. 2010 konnte ich nur noch einen Stumpf auffinden; der Kopf ist verschwunden. Bei einer weiteren Überprüfung im April 2015 musste ich feststellen, dass ein Banketthobel den Stumpf am Erdboden abgebrochen hat. Das abgebrochene Teilstück harrt in meinem Garten auf das Auftauchen des verschwundenen Kopfs. Es wäre schön, wenn man diesen Stein wieder restaurieren könnte. Stein 43 steht in einem Buchschlager Privatgarten. Er sollte gelegentlich wieder an seinen alten Platz zurückversetzt werden.

Der nächste "bewegte Stein" ist Stein 67 am Eingang der Trift zum Buchschlager Wald. In meinem Artikel in der Landschaft Dreieich beschrieb ich, dass der Stein bei Waldarbeiten umgestoßen wurde. Da dort die geplante Südumgehung von Buchschlag und Sprendlingen  verlaufen sollte, beschloss man, den Stein ins Dreieich-Museum zu verbringen. Allerdings wurde der Stein nächtens gestohlen. Die Freunde Sprendlingens appellierten  in der Offenbach-Post an den "Finder", den Stein wieder herauszugeben. Und tatsächlich: kurz darauf lag der Stein wieder an seiner Stelle. Vor einiger Zeit erzählte mir Herr O.G. aus R. bei einem Gespräch, dass er der Bösewicht war. Er habe gedacht, bevor ein anderer ihn stiehlt, sichert er ihn in seinem Garten. Durch den Zeitungsartikel habe er aber kalte Füße bekommen und ihn zurückgebracht. Der Stein wurde bis September 2017 im Innenlapidarium des Museums aufbewahrt. Seit der Auflösung dieses Lapidariums steht er im Lapidarium am Langener Forstamt. Er soll im Rahmen der Teilrekonstruktion der Dreieicher Ringlandwehr am "Buchschlag" dort wieder aufgestellt werden. Stein 84 am Rossertgraben wurde 2017 vom Wasser unterspült und fiel in den Bach. Er soll in der Trockenperiode 2018 wieder aufgerichtet werden.

Stein 8 des südlichen Abschnitts stand ursprünglich unter der westlichen Rampe der Schneisenbrücke über die A 661 in der Nähe des Krankenhauses. 1983 lag er auf der Nordseite dieser Rampe und wurde ins Dreieich-Museum verbracht. Er Lapidarium Hainer Burgstand bis  vor der Außentreppe im Beet. Seit Januar 1/2014 befindet er sich im Lapidarium der Hainer Burg  zwischen Burgkirche und Palas. Es ist  nicht vorgesehen, ihn "auszuwildern".  Der ursprüngliche Standort von Stein 10 liegt auf der Autobahntrasse A661 unterhalb der Waldwegbrücke östlich des Krankenhauses. Er wurde beim Bau der A 661 entfernt und an diese Stelle versetzt ("Breitengraddenkmal"). Der 50. Breitengrad verläuft allerdings ca. 100 m weiter nördlich. Stein 24 stand lange Zeit in einem Dreieichenhainer Privatgarten. Die Besitzer hatten den abgebrochenen Kopf "gesichert". Nach längeren Verhandlungen waren sie bereit, die Ansprüche auf den Stein aufzugeben. Er wurde im September 2015 wieder in die unmittelbare Nähe seines ursprünglichen Platzes aufgestellt. Der Sturm im August 2019 stürzte die Buche um, an deren Fuß der Stein stand. Er wurde herausgerissen und von mir gesichert. Er soll im Rahmen der "DreyEicher Grenzwege" wieder in die Nähe des alten Standplatzes kommen.

Y-HD 84 BurkardAnmerkung 11/2018: Im Dezember 2017 erhielt ich eine E-Mail von einem "Grenzgänger", der Stein No 84 am Rossertgraben sei umgestürzt und in den Grenzgraben gefallen. Vor Ort bemerkte ich, dass der Grenzgraben offensichtlich vom Schwarzbachverband gesäubert und etwas verbreitert wurde. Dabei ist man zu nahe an die innere Flanke des Steins gekommen. Er wurde bei starkem Regen unterspült und stürzte in den Graben. Es war klar, dass wir hier professionelle Hilfe zum Aufstellen benötigen würden. Die Aktion konnte nur bei trockenem Wetter und nach der Ernte erfolgen, da man nur über einen Acker an den Ort des Geschehens kommen konnte. Ich Erhard Hallerwar dann im Sommer an dem total zugewachsenen Graben und musste mit Heckenschere und Säge erst einmal den Platz freischneiden. Beim Vertiefen des Loches hatte ich zum ersten Mal in meiner Grenzsteinkarriere die Möglichkeit, "Zeugen" zu entdecken. In dem Loch fand ich in der Tat zwei Ziegelbruchstücke, die beim Setzen des Steins im Jahr 1783 unter dem Grenzstein gelegt worden sind. Nicht spektakulär, aber immerhin. Der Vorstand der Freunde Sprendlingens war bereit, das Aufstellen des Steines zu finanzieren. Im September war es dann soweit: Die Firma Burkard mit zwei kräftigen Männern und einem Hydraulikkran sowie zwei ältere Herren vom Vorstand der Freunde Sprendlingens holten den 132 cm langen und ca. 400 kg schweren Stein aus Rotliegendem aus dem Graben, vertieften das Loch und setzten den Stein wieder hinein. Erfreulich und lobenswert war die Tatsache, dass die Firma Burkard die Aktion unentgeltlich durchführte. Hoffentlich steht der Stein die nächsten 235 unbeschadet am Grabenrand.

Hinsichtlich des Steins  No 82, der 280 m weiter westlich am Rossertgraben steht, gibt es Negatives zu berichten: Wahrscheinlich wurde bei der oben erwähnten Reinigungsaktion des Schwarzbachverbandes der Kopf dieses Steines stark beschädigt. Ein Teil des Steins wurde offensichtlich weggefräst. Dies ist insofern unverständlich, weil der Grenzstein deutlich sichtbar an einer bewuchsfreien Stelle am Grenzgraben steht. Sehr bedauerlich!

Anmerkungen 10/20 zum Dreimärker No 27 (Wappenstein): Im Staatsarchiv Darmstadt fand ich unter der Signatur E14E 100/15 ein Dokument mit der Überschrift "Actum Langen, den 26. Octbr. 1785". Daraus geht hervor, dass an diesem Datum der dort stehende Stein durch einen Wappenstein ersetzt wurde. Hier die Transkription des Dokumentes:

Actum Langen, den 26. Octbr. 1785

Auf erhaltener Nachricht, daß der dem hießgen Steinhauer Schößer ohnlängst zu hauen veraccondirte Drey-Märckerstein verfertigt und auf den Platz gebracht worden, mithin deßen Setzung vorgenommen werden könne, hat man nach vorheriger Communication auf heute hierzu die Verabredung getroffen, und sich mit Zuziehung derer einschläglichen Vierrechte und übrigen nöthigen Personen an Ort und Stelle verfüget, den nach letzterem Gränz-Protokoll hub N. 27 beschriebenen Dreiy-Märker-Stein, welcher die Hochfürstlich Heßen Darmstädtische – Hanau Lichtenbergische – und Ysenburgische Hoheits Gränze scheidet, durch die gegenwärtigen Steinsetzer ausheben laßen, denselben kaßiret, sofort den neu verfertigten, mit allerseits Herrschaftlichen Wappen versehenen Stein an deßen Stelle und auf dem nemlichen Platz, nach Anleitung gedachten letzteren Gränz- Protokolles einsetzen lassen. Womit also dieses Geschäfte geendiget und dieses Protokoll von sämtlich anwesenden Personen unterschrieben worden.

Von Hochfürstlich-Hessen-Darmstädter Seite ...
Von Hochfürstlich-Hanau Lichtenberger Seite ...
Von Hochfürstlich-Ysenburgischer Seite ...

Zeuge Y-HD N27BruchstückeDen Sturm im August 2019 überstand der Stein ohne Beschädigung, da er kaum aus dem Boden herausschaute. Allerdings ging der Stein bei den darauf folgenden Aufräumarbeiten durch das Räumschild einer Forstmaschine zu Bruch. Die Freunde Sprendlingens sicherten mit Hilfe der Gartenbaufirma Tippelt die Bruchstücke und ließen für die Restaurierung den Rest des Steins bergen. Dabei wurde auch der „Zeuge“ gesichert. Es handelt sich um einen konischen Lochstein (Abb.). Der restaurierte Stein soll 2021 im Rahmen des Projektes „DreyEicher Grenzweg“ an dem gleichen Ort wieder aufgestellt werden.

Der DreyEicher Grenzweg


Grenzweg ÜbersichtJanuar 2021:
Der zerbrochene Stein war der eigentliche Anlass, das schon lange geplante Projekt des DreyEicher Grenzwegs anzupacken. Die oben beschriebene Fahrradtour ist für eine Wanderung eher ungeeignet. Daher war es sinnvoll, drei oder vier Rundwege zu definieren und dort Informationstafeln und an den Steinen hölzerne Stelen mit QR-Code Schildern aufzustellen. Die Grenze berührt die Gemarkungen von Dreieichenhain, Langen, Sprendlingen, Buchschlag und Neu-Isenburg. Ich kontaktierte mit einer Projektskizze die Vorstände des GHV Dreieichenhains, des VVV Langens, der Freunde Sprendlingens und des GHK Neu-Isenburgs. Alle waren bereit, an dem Projekt teilzunehmen, ideell und auch finanziell.  Zunächst sollte der südliche Rundweg bearbeitet werden, dann der nördliche und zum Schluss der mittlere Weg.

Die Projektgruppe bestand aus Corinna Molitor (Dreieichenhain), Reinhold Werner (Langen), meiner Wenigkeit (Sprendlingen), Kim Bagus (Buchschlag) sowie Heidi und Ulrich Fogel (Neu-Isenburg). Ich sprach die Bürgermeister Werner (Langen), Burlon (Dreieich) und Hunkel (Neu-Isenburg) an: Sie waren gerne bereit, das Projekt nicht nur ideell, sondern auch finanziell zu fördern. Diese Unterstützung erleichterte den Erhalt von Genehmigungen der Stadtverwaltungen, Infotafeln und Stelen auf städtischem Gebiet aufstellen zu dürfen.  Sehr früh waren auch das Forstamt Langen mit Peter Sturm sowie die Revierleiter Stefan Neubrandt und Manfred Schröpfer involviert. Das Amt für Bodenmanagement und Geoinformation wurde über das Vorhaben informiert.

Die Sparkasse Langen-Seligenstadt war bereit, das Projekt substanziell zu unterstützen. Auch der Rotary Club Dreieich-Isenburg, bei dem ich einen Kurzvortrag hielt und einen Grenzgang anführte, wird das Projekt finanziell fördern. Die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach hat die Kosten der Restaurierung übernommen, das Forstamt Langen die der Wiederaufstellung. Der Verkehrsverein Dreieich hat die Finanzierung von zwei Holzbänken zugesagt, die vom Dienstleistungsbetrieb Dreieich / Neu-Isenburg aufgestellt werden sollen.

Y-HL 51Im Palasgarten der Dreieichenhainer Burg steht ein Wappenstein, der ursprünglich von der Grenze Ysenburg-Hanau in der nördlichen Koberstadt stammt. Dieser soll an der Nordostecke der Hanauer Koberstadt wieder aufgestellt werden. Dafür kommt ein Stein (Hospitalstein) aus dem Lapidarium am Forsthaus Langen in den Palasgarten. Als Ersatz erhält das Lapidarium einen Stein vom Dammweg in der Koberstadt. Der Stein No 24 am Langener Weg wurde bei dem Sturm im August 2019 zusammen mit einem Baum, an dessen Fuß er stand, herausgerissen. Er wurde geborgen und bei mir im Hof zwischengelagert. Die Rochade im Burggarten und die Wiederaufstellung von drei Grenzsteinen am Langener Weg werden ausgeführt durch den Steinmetzbetrieb Burkard, der auch die Restaurierung des Dreimärkers übernommen hatte. Wir sind Stefan Burkard sehr dankbar für seine Hilfestellungen bei unserem Projekt.

Stele einbetonierenDie Steine wurden freigeschnitten, herumliegende Äste beseitigt. Insbesondere am Steinplattendurchlass bilden die Steine, der Graben mit Wall und die alten knorrigen Eichen ein sehr schönes Ensemble. Den Stein No 14 mussten wir mit Maßband suchen, weil die Langener Kleingärtner ihren Bioabfall dort entsorgten. Die Kommunalen Betriebe Langens transportierten auf meine Bitte hin den Abfall ab. Dies war offensichtlich eine Einladung an die Naturliebhaber, gleich wieder auf diesem Platz Zeugs abzuladen. In Absprache mit der Stadt Dreieich brachte ich dort ein entsprechendes Hinweisschild an. Die Dreieichenhainer Waldfreunde haben zugesagt, "nach Corona" die Beseitigung von abgebrochenen Ästen zu übernehmen. Was ebenfalls noch aussteht, ist die Verkehrssicherung an einigen Stellen: abgestorbene Bäume und halbabgebrochene Bäume müssen im Auftrag des Forstamts beseitigt werden. Eine Bank, die zu dicht am Stein No 26 steht, muss an einen anderen Platz versetzt werden.

Stele Station 19 Nach längerem Überlegen haben wir uns für eine einfache Holzkonstruktion für die Infotafeln entschieden: eine 1,5 cm starke Siebdruckplatte (80 x 50 cm), die mit Edelstahl-Distanzscheiben an braun gebeizte Pfosten (180x 7 x 7 cm) verschraubt wurden. Mittels eines verzinkten Pfostenschuhs werden sie im Boden einbetoniert. Die obere Schnittfläche wird durch eine verzinkte Pfostenkappe mit Kugel geschützt. Die Stelen sind 90 cm hoch und besitzen eine schräge Schnittfläche, auf der das Schild mit QR-Code angebracht ist. Auf der Frontseite ist ein schmales Schild mit dem Rotarier-Logo angeschraubt (die Rotarier finanzieren die Stelen).

Die hinter den QR-Codes stehenden Texte wurden von mir geschrieben und von Projektteam-Mitarbeitern redigiert. Ich hatte mich dabei bemüht, den 16 Texten möglichst einen Bezug zu Dreieichenhain und Langen herzustellen.  Mit einem Klick auf das Abspielen-Symbol auf dem Smartphone kann man sich den Text auch anhören. Z.Z. sind wir dabei, das Vorlesen der Texte für die Audiodateien zu organisieren.

Wir haben die URL www.dreyeicher-grenzweg.de angemeldet, deren Aufruf - vorerst - mit einem Passwort in ein Unterverzeichnis dieser Website www.steine-in-der-dreieich.de geleitet wird. Dort können verschiedene Informationen abgerufen werden, z.B. die Stelentexte und deren Audiodateien. Es ist noch nicht entschieden, ob die Seite für die Öffentlichkeit freigeschaltet werden wird.

LogoWir haben den Grafiker Hans-Peter Lehmann aus Buchschlag gebeten, die Infotafeln zu gestalten (z.Z. in Arbeit). Nach einigen Diskussionen in der Projektgruppe einigten wir uns auf ein Logo. Es besteht aus drei Elementen: dem Schriftzug (Times New Roman), dem Rundpfeil (= Rundweg) und einer Zeichnung des Steines No 83 aus dem Rossertgraben. Diese Zeichnung stammt aus einer Publikation von Karl Baeumerth aus der "Landschaft Dreieich" 1977, S.12. Der Sohn des Autors hat seine Zustimmung  gegeben. Die Publikationserlaubnis für die Nicks-Karte aus 1777 vom Hainer Wald wurde durch das Staatsarchiv Darmstadt erteilt, die für die Kartenausschnitte aus dem Bürger-GIS vom Landkreis Offenbach.

Einzelne Aktionen in der Öffentlichkeit sind schon angelaufen, insbesondere bei Facebook:
https://www.facebook.com/FreundeSprendlingens/
https://www.facebook.com/groups/1287707881621498/permalink/1388138944911724

Am 27.2.2021 erschien in der Offenbach-Post ein Artikel "Was Steine erzählen können"
Auch wurde ein Artikel in der Märzausgabe 2021 der Neu-Isenburger Stadtillustrierten "Tsenburger" über das Projekt DreyEicher Grenzweg publiziert.

Frau Kerstin Herrmann hat freundlicherweise je ein Outdooractive-Track des südlichenmittleren  und nördlichen Grenzwegs zur Verfügung gestellt.

Hospitalstein PalasgartenY-HD 23 März 2021Mitte März wurde im Palasgarten der Hainer Burg der "Hospitalstein" an der Stelle eingesetzt, an der der Wappenstein stand, der an der Nordostecke der Hanauer Koberstadt  ausgewildert werden soll.  Weiterhin wurde um den Stein No 23 ein Steinkasten gesetzt, damit der vorher nur wenige Zentimeter aus dem Boden hervorschauende Stein besser gesehen werden kann.


Fortsetzung folgt




Übersichtstabelle mit Abbildungen

Nördlicher Bereich
x x 3 4 5 6 7 x x 10 x x x x x x 17 18 xx 20
21 22 23 24 25 xx
xx 28 29 30 31 32 33 34 xx 36 x 38 39 40
41 42 43 x 45 x x 48 49 x x x x x x x x x x x
x 62 x x 65 x 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80
x 82 83 84 85 86 87 88
Südlicher Bereich
1 2 3 x 5 x 7 8 9 10 11 x 13 14 15 16 x x 19 20
21 x 23 24 x 26 27

Insgesamt 116 Steine, von denen noch 73 vorhanden sind

x = vor 1983 verlorengegangene Steine

xx = nach 1983 (bis März 2010) verlorengegangene Steine

Stein 88 Nord ist identisch mit Stein 1 Süd


Schmiererei

Diese Abbildung des Steines 39 (nördlicher Abschnitt, Aufnahme 12/2014) beweist entweder die Dummheit oder Ahnungslosigkeit von Leuten, die offensichtlich eine Laufstrecke im Wald markierten. Nicht nur dass Bäume mit grüner Farbe besprüht wurden, es dienten auch historische Grenzsteine für diese Schmierereien. Der Stein ist auf der anderen Seite ebenfalls mit einem Pfeil versehen (wahrscheinlich für den Rückweg der Laufstrecke).



Details

Die ehemalige Grenze zwischen Ysenburg und Hessen Darmstadt ist heute noch eine aktuelle Grenzlinie, sie trennt Fluren und Gemarkungen. So ist sie die Grenze zwischen Neu-Isenburg und Buchschlag, Buchschlag und Sprendlingen, Langen und Sprendlingen sowie Langen und Dreieichenhain. Neben den typischen, großen Steinen von 1783 gibt es auf dieser Grenzline weitere Steine, die später gesetzt wurden. Wen es interessiert kann --> hier eine Beschreibung dieser zusätzlichen Besteinung herunterladen. Weiterhin gibt es detaillierte Informationen über verlorengegangene Steine, die ich auf Anfrage zur Verfügung stellen kann.

Mir fiel ein undatiertes, unvollständiges Manuskript in die Hände, das wahrscheinlich aus der Feder von Rolf Nieß stammt. Es behandelt die Vorgeschichte der Besteinung von 1783 auf Basis von Protokollen, die allerdings dort nicht zitiert werden. Trotzder Unvollständigkeit ist der Inhalt recht interessant.

Für zukünftige Heimatforschungen: Urkunden zur Teilung der Dreieich 1556 im Birstein'schen Archiv mit der Beschreibung von 70 Grenzsteinen.